Brücken im Härtetest
In die Sicherheit der über 1660 Brücken in Südtirol wird konsequent investiert. Mit passenden Eingriffen und präzisen Tests sorgt das Land für sichere und stabile Verbindungen für die Verkehrsteilnehmenden.
Es ist mitten in der Nacht, irgendwo in Südtirol. Mehrere schwer beladene Lkws rollen langsam auf eine Brücke, während Techniker gebannt auf ihre Monitore schauen. Unter der Brücke sind empfindliche Sensoren angebracht, die jede noch so kleine Bewegung registrieren. „Es geht um Präzision, um Kontrolle – und um das Gefühl, dass jeder Meter, den man auf Südtirols Straßen zurücklegt, ein sicherer ist“, sagt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider.
Südtirol setzt Standards. Das Wetter, mehr Verkehr und schwerere Fahrzeuge setzen den 1660 Brücken in Südtirol zu. Um Mängel frühzeitig zu erkennen, werden die Brücken auf Südtirols Staats- und Landesstraßen regelmäßig genauer unter die Lupe genommen. Eine spezialisierte Einheit, der 2009 eingesetzte Brückendienst, kümmert sich mit den Landesabteilungen Tiefbau und Straßendienst darum, die Brücken zu kontrollieren, zu warten, zu sanieren oder neu zu bauen. Alle Eingriffe werden nach Prioritätenlisten abgewickelt. Die Überwachung erfolgt nach höchsten europäischen Standards. 2011 hatte die Landesregierung ein eigenes Dekret erlassen, das die technischen Normen für Inspektionen und Belastungsprüfungen festlegt. Diese Standards - ähnlich wie jene in Deutschland und Österreich – hatten damals Pioniercharakter und wurden auch von anderen Regionen in Italien übernommen.
So kontrolliert das Land die Brücken. Alle Brücken werden von den Straßenwärtern täglich beim Dienst kontrolliert und natürlich nach jedem Ereignis wie zum Beispiel Hochwasser oder bei einer Meldung von Anomalien. Wie im Kontrollprotokoll vorgesehen, werden Brücken mit einer Länge von zehn bis 20 Metern alle 18 Jahre inspiziert, inklusive statischer Abnahme und Belastungstests mit schweren Fahrzeugen. Bei längeren Brücken erfolgt alle zehn Jahre eine solche Belastungsprüfung. Jedes Jahr werden rund 45 Brücken in Südtirol genauer überprüft. Dabei messen Sensoren Elastizität und Belastbarkeit und zeigen, wo es Schwachstellen gibt. „So können wir gezielt eingreifen, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu gewährleisten“, sagt Tiefbauabteilungsdirektor Umberto Simone. So war es beispielsweise auch bei der Straßenbrücke im Riggertal.
Riggertalbrücke wird sicherer gemacht. Im Riggertal bei Schabs wird derzeit auf Hochtouren an der Straßenbrücke gearbeitet. Die Infrastruktur wird verstärkt, um die Brücke länger sicher und nutzbar zu halten. Die Brücke aus den 1970er-Jahren ist ein wichtiger Teil des Straßennetzes und wird seit Jahren genau bewacht. Mit Sensoren wird ihr Zustand in Echtzeit geprüft. Auch ein digitaler Zwilling wurde erstellt. Neben der Überwachung und Kontrolle der Bestandsinfrastruktur sind bereits die Planungen für einen Neubau der Brücke beauftragt. Inzwischen werden spezielle Stahlbauteile und Stahlkabel eingebaut, um die Tragfähigkeit zu verbessern, damit die Brücke sicher befahrbar ist, bis die neue Brücke fertig ist. Während des Eingriffs, der einige Monate dauert, müssen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und höher als 2,4 Meter eine Umleitung nutzen. „Wer die Regeln missachtet, gefährdet sich und andere und macht sich strafbar“, sagt Sicher.
Prioritäten setzen, Effizienz steigern. Die Prioritätenlisten für die Eingriffe an den Brücken werden konsequent abgearbeitet. So wurden zuletzt Infrastrukturen wie die Brücke Eschenlohe im Ultental oder die Brücke in Latsch saniert oder erneuert. An der Brücke auf der Landesstraße in Antholz laufen gerade die Sanierungsarbeiten. „Die häufigsten Arbeiten betreffen kleinere Eingriffe wie die Reparatur von Leitplanken oder das Erneuern von Belägen. Aber es gibt auch größere Sanierungen, die oft drei pro Jahr umfassen“, erklärt Simone. Insgesamt investiert das Land Südtirol jährlich rund eine bis 1,5 Millionen Euro in kleinere Arbeiten an etwa 20 Brücken und weitere bis zu zwölf Millionen Euro in größere Projekte an bis zu 5 Brücken. Philipp Sicher, Direktor der Landesabteilung Straßendienst, betont die Bedeutung der regelmäßigen Kontrollen: „Es gibt verschiedene Methoden, Infrastrukturen zu überprüfen. Entscheidend ist, dass die Brücken ständig beobachtet werden – und genau diese Kontrolle gewährleisten wir hier in Südtirol.
Ein nachhaltiger Weg in die Zukunft. Die kontinuierlichen Investitionen in die Brückensicherheit zeigen Wirkung: Letzthin ergaben die Auswertungen meist ein erfreuliches Bild, weil schon vorab gehandelt wurde. „Alle 2024 über-prüften Brücken befinden sich in sehr gutem Zustand“, sagt Simona Sedlak, die Koordinatorin des Brückendienstes. Die Lkws sind mittlerweile von der Brücke gerollt, und die Techniker analysieren die Daten. Die Brücke hat den Test bestanden. Für die Menschen in Südtirol bedeutet das: ein weiteres Stück Vertrauen in eine Infrastruktur, die hält, was sie verspricht.
san
Bildergalerie
Andere Artikel aus diesem Themenbereich
Sie finden uns hier
Socials
Abonnieren
Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten
Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen
AbonnierenRedaktion
Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)
Koordination:
Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion:
Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).
Kontakt
44. Agentur für Presse und KommunikationLandhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10

