KI in der Schule: Ein Blick in die Zukunft
Mit gleich mehreren Projekten zur künstlichen Intelligenz stellt sich der italienische Schulsprengel Leifers einer ambitionierten Aufgabe: der Förderung von Bewusstsein, Kompetenz und Weitblick.
Die Zukunft? Sie beginnt jetzt. Und selbstverständlich in der Schule. Künstliche Intelligenz (KI) wird dort zunächst als ein einfaches Instrument genutzt, das Neugier fördern soll. Zunehmend wird KI aber auch zu einer wichtigen Ressource. Für die Kinder und Teenager am italienischen Schulsprengel in Leifers ist die künstliche Intelligenz nach und nach zur Normalität geworden. Bereits 2022 setzte der Sprengel den ersten ambitionierten Schritt, um didaktische Innovation auf mehreren Ebenen zu fördern. „Wir sind mit dem Ziel gestartet, eine tiefgreifende Überarbeitung der Lehrpläne einzuleiten, um sie an die pädagogischen Herausforderungen anzupassen, die uns die komplexe Gesellschaft von heute abverlangt“, erklärt Direktorin Emanuela Scicchitano, die den Schulsprengel seit 2022 leitet. Rund 1000 Schülerinnen und Schüler der vier italienischen Grundschulen Pfatten, St. Jakob, Steinmannwald und Leifers sowie der Mittelschule „Fabio Filzi“ in Leifers sind an dieser Entwicklung beteiligt. nëus sprach mit Direktorin Emanuela Scicchitano über die Herausforderungen des Projekts.
Frau Scicchitano, welche Konzepte stehen am Schulsprengel Leifers im Mittelpunkt?
Technologische Innovation und pädagogische Beziehung, das sind zwei Konzepte, die für mich in einem ständigen Dialog stehen. Sie helfen uns dabei, ein didaktisches Modell zu entwickeln, das den Bildungsbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler wirklich nahekommt. Künstliche Intelligenz sehen wir eng mit diesen beiden Aspekten verbunden. Wir sehen KI als eine technologische Unterstützung, die uns helfen kann, alle Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lernweg zu motivieren, ohne dabei den unersetzlichen Wert von Beziehungen, Empathie, Zuhören und pädagogischer Verantwortung aus den Augen zu verlieren.
Wie sind Sie dieses ambitionierte Projekt angegangen?
Wir haben uns entschieden, ein vertikales Curriculum zur künstlichen Intelligenz zu erarbeiten, in das wir unsere Aktivitäten integrieren und mit konkreten Lernzielen verknüpfen. Dabei orientieren wir uns sowohl an den ministeriellen Leitlinien als auch an den Vorgaben des Landes, die von der Arbeitsgruppe Athena, koordiniert von Inspektor Fabio Furciniti, ausgearbeitet werden.
Welche Aktivitäten haben Sie in die Wege geleitet?
Wir haben uns entschieden, beim nationalen Schulnetzwerk „Book in Progress AI“ mitzumachen, das von der Oberschule „Ettore Majorana“ in Brindisi initiiert wurde. Auf dieser didaktischen Plattform können Lehrpersonen selbst die Inhalte und die im Schulcurriculum vorgesehenen Lernaktivitäten herausgeben. Gleichzeitig können Schülerinnen und Schüler über ihre Tablets darauf zugreifen und die Materialien passend zu ihren eigenen Lernstilen und pädagogischen Bedürfnissen personalisieren. Ab dem kommenden Schuljahr werden wir die Plattform an der Mittelschule Leifers erproben. Darüber hinaus arbeiten wir am Projekt ‚Sciences in Depth‘, das gemeinsam mit ARCI entwickelt wurde. Es basiert auf dem Modell des vertieften Lernens, wobei man beim Recherchieren und Verarbeiten von Informationen von der künstlichen Intelligenz unterstützt wird. Hinzu kommt ein Projekt zur inklusiven Bildungsrobotik, das KI dem Lernsystem „Lego Education Spike“ verbindet, um Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen gezielt zu unterstützen.
Wie wirkt sich die KI auf das Schulleben aus?
Die gemeinsame Herausforderung von Lehrenden und Schülerinnen und Schülern besteht darin, Bewusstsein, Kompetenz und Weitblick zu entwickeln, damit technologische Innovation die menschliche Dimension von Bildung stärkt. Das Projekt setzt einen positiven Kreislauf in Gang, der zwei weitere förderliche Dynamiken aktiviert: zum einen die Kreativität der Lehrpersonen, die zu Gestalterinnen und Gestaltern von Inhalten und Projekten werden, die auf ihre jeweiligen Klassensituationen zugeschnitten sind, und zum anderen der Denkprozess bei den Schülerinnen und Schülern, wenn sie über ihren eigenen Lernstil, über Stärken sowie über mögliche Schwächen nachdenken, die aus ihren Noten hervorgehen können.
Wie haben die Familien dieses Projekt aufgenommen?
Bislang haben die Familien alle Maßnahmen unterstützt, die wir ergriffen haben. Sie stehen allem positiv gegenüber, was die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler verbessert. Das ist ein schönes und ermutigendes Signal für uns alle.
Wie entwickelt sich ein Modell, das auf der Personalisierung von Lernprozessen basiert? Wirkt es sich positiv auf den Bildungsweg aus?
In erster Linie beruht die Personalisierung des Lernens darauf, dass die Lehrpersonen, aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst ihre unterschiedlichen Lernstile anerkennen. Die Lernenden werden dabei angeleitet zu verstehen, wer sie sind und wer sie werden können. In unseren KI-Projekten ist dieser Schritt von zentraler Bedeutung, denn er ermöglicht es, die Technologie an die Menschen anzupassen und die Menschen in die Lage zu versetzen, der KI korrekt zu vermitteln, was sei benötigen.
Wie kann Schule dazu beitragen, dass künstliche Intelligenz noch besser verstanden wird?
Künstliche Intelligenz ist eine strukturelle Revolution, vergleichbar mit anderen Revolutionen, die es bereits gab - von Gutenbergs Buchdruck über die Einführung der Elektrizität bis hin zur Erfindung des Radios, des Smartphones oder des Internets. Die Schule muss diesen Wandel begleiten und steuern, damit er von den Schülerinnen und Schülern bewusst wahrgenommen wird und zu einem kognitiven Vorteil werden kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sozial schwächere Gruppen davon überrollt werden. Noch mehr Ungleichheiten können wir uns nicht leisten.
tl/san
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