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Seit 30 Jahren die „Hotline“ nach Brüssel

22.12.2025

Insider-Informationen für Entscheidungsträger, Karrierechancen für junge Leute und Orientierung im EU-Förderdschungel: All das bietet die Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Brüssel. Heuer feiert die erste regionale Vertretung ihr 30-jähriges Bestehen.

In diesem gemeinsamen Gebäude in der Rue de Pascal 45-47 befindet sich die Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Brüssel. (Foto: Ursula Pirchstaller)
In diesem gemeinsamen Gebäude in der Rue de Pascal 45-47 befindet sich die Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Brüssel. (Foto: Ursula Pirchstaller)

Wenn in der EU-Kommission über eine Agrarreform  diskutiert  wird, hat die Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ihre Hauptaufgabe im besten Fall bereits erledigt: Mit geschicktem Lobbying und Networking wurde der Entscheidungsprozess in Brüssel so beeinflusst, dass gemeinsame Interessen der Europaregion berücksichtigt wurden.

Über Einflussnahme im richtigen Moment. „Unser Mehrwert ist nicht so sehr die offizielle, sondern die inoffizielle Information“, beschreibt Vesna Caminades, die Direktorin des Südtiroler „Außenamts Brüssel“, ihre Tätigkeit. Diese führt sie seit 20 Jahren mit einem kleinen Team, aber umso größeren Einsatz aus. „Zu Beginn war ich vor allem damit beschäftigt, Visitenkarten zu verteilen“, erinnert sich Caminades. Es galt, Teil der wichtigen europäischen Netzwerke zu werden, die richtigen Kontakte zu knüpfen und auf informellen Meetings Insider-Informationen zu jenen Themen zu erhalten, die von regionaler Bedeutung sind. „Denn ohne informelle Informationen ist es nicht möglich, Interessensvertretung zu betreiben“, bringt es Caminades auf den Punkt. Für die EU-Kommission gebe es vor allem einen Ansprechpartner, und zwar den jeweiligen Staat. „Die Regionen spielen auf dieser Ebene eine verschwindend kleine Rolle. Umso wichtiger ist es, dass wir in Südtirol schon in dem Moment auf Themen hinweisen können, wenn sie in Brüssel erst angedacht werden“, stellt Caminades fest. Dann jedoch gilt es, sofort zu handeln, Verbündete auf regionaler Ebene zu suchen und sich in Brüssel politisches Gehör zu verschaffen. Beste Kontakte zu den alpinen Regionen, aber auch anderen möglichen Bündnispartnern, etwa aus Schottland oder den Pyrenäen, zu haben, ist dabei unerlässlich. Denn nur gemeinsam können lokale Realitäten in Brüssel stark sein und etwas bewirken.

Seit 1995 gemeinsam für Europa. Begonnen hat die Geschichte der Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino bereits vor 30 Jahren. Im April 1995 entschieden die Autonomen Provinzen Trient und Bozen sowie das Land Tirol, ein gemeinsames Büro in Brüssel ins Leben zu rufen, um (zunächst vor allem wirtschaftliche) Interessen auf europäischer Ebene direkt und effizient verfolgen zu können. Grundlage dafür war die nationale Gesetzgebung, die es den Regionen erst zu diesem Zeitpunkt erlaubte, im Ausland Vertretungen zu eröffnen.

Der heutige Sitz der Vertretung der Europaregion Tirol-Trentino-Südtirol in der Rue de Pascale 45-47 wurde 2005 von allen drei Regionen gemeinsam angekauft. Er befindet sich im Herzen des EU-Viertels und damit unmittelbar neben den wichtigsten EU-Institutionen: dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat. Trotz vieler gemeinsamer Themen in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Landwirtschaft, Soziales, Bildung und Kultur agiert jede Region, die im Haus vertreten ist, mit eigenem Budget und Arbeitsprogramm. „Dennoch sind wir in Brüssel etwas ganz Besonderes, denn wir sind das erste grenzüberschreitende Büro und damit bis heute ein Unikum“, weiß Caminades. Dem schließt sich auch der Südtiroler EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann an: „Gerade heute, wo der Regionalgedanke leider schwächer wird und die Regionen entmachtet werden, ist es wichtig, dass die Regionalvertretungen ihre Aufgabe in Brüssel wahrnehmen. Es gibt unzählige Bereiche, in denen es notwendig ist, dass unsere Verwaltung frühzeitig weiß, was auf Brüsseler Ebene passiert.“

Wegweiser im Förderdschungel. Ob Erasmus Plus, Horizon Europe oder LIFE: Es gibt zahlreiche Europäische Direktförderprogramme, die für Südtirolerinnen und Südtiroler interessant sein können. Neben dem Lobbying und der Netzwerkarbeit ist die Information und die Hilfestellung in diesem Bereich eine weitere Kernaufgabe der Vertretung der Europaregion in Brüssel. Giulia Chiarel betreut diesen komplexen Bereich und weiß, wie wertvoll es für Interessierte ist, wenn sie vom Beginn bis zum Ende eines Förderprozesses die notwendige Unterstützung erhalten. „Wir helfen zum Beispiel bei der Suche nach Informationen oder Partnern, durch spezifische und praktische Schulungen oder die Ausrichtung von Projektmeetings, wobei wir auch weitere Begleitveranstaltungen anbieten, wie kürzlich für die Vereinigung ‘Officine Vispa’ in Bozen. Wenn wir den Erfolg von jemandem sehen, der sich an unser Büro gewandt hat, ist das immer eine große Genugtuung“, betont Chiarel. So gelinge es auch kleineren Organisationen und Vereinen, in den Genuss der EU-Fördermittel zu kommen. „Zum Beispiel hat die Bozner Vereinigung ‘Officina Vispa’ ein Theaterprojekt auf die Beine gestellt, in das Schulen und Bevölkerung einbezogen wurden“, verweist Chiarel darauf, dass die vielen Fonds zunächst vielleicht wie ein Förderdschungel wirken, letztendlich jedoch viele bürgernahe und nützliche Projekte verwirklicht werden können.

Sprungbrett für die EU-Karriere. Besonders  am  Herzen  liegt  dem „Außenamt Südtirol“ in Brüssel die Jugend. „Wir sind ein Zwei-Frauen-Büro und deshalb auf die Mitarbeit von Praktikantinnen und Praktikanten angewiesen“, berichtet Caminades über die Möglichkeit, im „Außenamt Südtirol“ drei Monate lang Erfahrung im Brüsseler Europa-Kosmos zu sammeln. „Unsere Praktikanten und Praktikantinnen werden sofort involviert, sind mit großer Begeisterung bei der Sache und bringen frische Ideen ein“, erzählt die Amtsdirektorin. Die Mitarbeit in der Vertretung der Europaregion sei oft auch ein Sprungbrett für eine EU-Karriere. Einige der jungen Mitarbeiter werden persönliche Assistenten des Europa-Abgeordneten oder schaffen es, einen der Praktikumsplätze in den EU-Institutionen zu besetzen. „Mir ist es wichtig und auch eine persönliche Freude, den jungen Menschen dabei zu helfen, ihre Karriere vorzubereiten“, zeigt Caminades, wie viel Engagement und Herzblut sie in ihre Aufgabe in Brüssel steckt.

Chance Alpeuregio Summer School. Um die Jugend drehen sich auch einige der zahlreichen Initiativen und Veranstaltungen, die die Vertretung das ganze Jahr über organisiert: Seit 2010 zum Beispiel wird jährlich die Alpeuregio Summer School, seit einigen Jahren „Euregio Brussels School“, abgehalten: eine neuntägige Weiterbildungsveranstaltung, bei der jährlich zehn Studierende aus Tirol, Südtirol und dem Trentino ihre EU-Kenntnis-se vertiefen können. „Eine einmalige Gelegenheit, einen Überblick über die Lobbying-Tätigkeit auf EU-Ebene und die Karrierechancen im Rahmen der EU-Institutionen zu erhalten“, weiß Caminades. Neben den Aktionen für die Jugend macht die Vertretung in Brüssel aber auch immer wieder mit kulturellen Initiativen auf sich aufmerksam und zeigt: Die EU ist viel näher, wenn man die direkte „Hotline“ nach Brüssel kennt.

Handbuch Europäische Direktförderprogramme 2021-2027

Euregio Brussels School

pir

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