Wenn die Limo mit der Drohne kommt
Das Land testet seit einiger Zeit erfolgreich die Versorgung von Schutzhütten mit Drohnen – eine emissionsfreie Zulieferalternative, die häufig möglich ist und Kosten spart.
Alpine Schutzhütten sind seit jeher wichtige Stützpunkte in den Bergen für Wandernde, Bergbegeisterte und für den Tourismus im Hochgebirge. Gleichzeitig stehen sie heute durch Massentourismus und „Hotspots“ stärker im Fokus als früher. Die Vereinbarkeit von Tourismus, Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung wird so zu einer großen Herausforderung.
Lasten-Drohnen im Einsatz. In diesem Sinne entstand das Pilotprojekt „Experimentelle Versorgung der Schutzhütten des Landes“, das unter der Koordination des Landes vor einigen Jahren gestartet ist und 2025 weiter konkretisiert wurde. Erstmals in Südtirol werden dabei Cargo-Drohnen eingesetzt, um Schutzhütten zu versorgen. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Technologieunternehmen FlyingBasket, das auf Lastendrohnen spezialisiert ist.
Die ersten Tests im Sommer 2025 liefen erfolgreich: Vier Schutzhütten - die Payerhütte, die Berglhütte, die Teplitzer Hütte und die Flaggerschartenhütte - wurden mit 21 Drohnenflügen versorgt. Insgesamt beförderten sie rund 1.000 Kilogramm Material in die Berge, auf Höhen von über 3.000 Meter Seehöhe. Lebensmittel wie Eier, Milch, Brot und Apfelsaft, aber auch schwere und sperrige Güter wie Feuerlöscher, Bierfässer, Holzbriketts und Öl wurden auf die Hütten gebracht. Die Flugdauer lag zwischen zweieinhalb und fast fünf Stunden am Tag. Dabei transportierten die Drohnen 90 bis 120 Kilogramm pro Stunde.
„Es hat sich gezeigt, dass das System technisch und organisatorisch gut funktioniert”, sagt der Landesrat für Hochbau, Valorisierung des Vermögens, Grundbuch und Kataster Christian Bianchi, der gemeinsam mit Flyingbasket-Geschäftsführer und Mitgründer Moritz Moroder die Ergebnisse der Tests im Sommer 2025 vorgestellt hat. „Eine sichere Versorgung der Schutzhütten mit Drohnen ist möglich, das haben die Tests bewiesen.” Das Land setze sein Engagement für eine nachhaltige Versorgung der Hütten fort und bringe ökologische und digitale Innovation auch in abgelegene Gebiete, so Bianchi.
Die Vorteile liegen sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich klar auf der Hand: Drohnen produzieren keine direkten CO₂-Emissionen und sind deutlich günstiger als Helikopter. „Ein herkömmlicher Helikopterflug von zehn Minuten kostet etwa 950 Euro und verursacht 79 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Mit Drohnen fallen diese Emissionen vollständig weg”, erklärt Bianchi. Zudem erlauben Drohnen häufigere, flexible Lieferungen kleiner Mengen, was ideal für frische Produkte ist. Außerdem verursachen sie weniger Lärm und geringere operative Risiken
Payerhütte im Ortlergebiet. Am Projekt beteiligt war auch die auf 3.029 Meter Seehöhe gelegene Payerhütte – sie thront auf einem Felsgrat am Ortler, mit Blick auf die Täler Trafoi und Sulden. „Drohnenflüge sind für uns sehr interessant, weil sie uns unabhängiger vom Helikopter machen“, sagt Hüttenwirt Bernhard Wöll, dessen Familie die Hütte seit Jahrzehnten führt. „Der Helikopter ist nützlich, aber sehr teuer. Man muss lange planen, weil er nicht für ein paar Kilo startet, sondern nur für große Mengen“, sagt Wöll. Dieser Nachteil führe dazu, dass man immer für zwei bis drei Wochen Vorräte haben müsse, während die Drohnen hingegen frische Ware und flexible Lieferungen ermöglichen würden. Wetter und logistische Engpässe kommen bei Hubschrauberflügen dazu. „Der Helikopter fliegt nur bei guten Wetterbedingungen, und wenn viele Gäste auf der Hütte sind, ist es herausfordernd, die Ware schnell entgegenzunehmen“, erzählt Wöll. „Allerdings: Während solche Warenlieferungen für uns Hüttenwirte Stress bedeuten, sind die Landung und der Abflug eines Helikopters für die Hüttengäste meist eine Attraktion und alle strömen aus der Hütte, um zuzuschauen“, sagt Wöll schmunzelnd. Drohnen und Helikopter schließen einander nicht aus. Tradition und Innovation können gut zusammenarbeiten. „Die Payerhütte liegt in einer strategischen Position am Fuße des Ortlers. Für uns wäre also auch eine Materialseilbahn ideal und mit einer Kombination aus Helikopter und Drohnen könnten wir vieles effizienter lösen“, erklärt der Hüttenwirt. Dann könne der Helikopter schwere Güter, Getränke oder haltbare Lebensmittel bringen und die Drohnen frische Produkte wie Sahne, Brot und Milch. Offen bleibe der wirtschaftliche Aspekt. „Für mich wäre es interessant, wenn es auch kostengünstiger wäre“, merkt Wöll an.
Automatisierung als Ziel. Auch für Moritz Moroder vom Technologieunternehmen FlyingBasket sind die ersten Tests sehr gut gelaufen, trotz kleiner Schwierigkeiten: „Wir mussten Höhen erreichen, die unsere Konkurrenz nicht erreichen könnte. Dieses Jahr haben wir Flüge mit geringem Gewicht abgewickelt, um die besten Flugrouten zu suchen und den halbautomatischen Modus zu testen.“
Ziel des Projekts sei die vollständige Automatisierung, so Moroder: „Diese Zusammenarbeit ist Teil eines größeren Projekts für ein hochautomatisiertes Transportsystem. Schon im vergangenen Sommer lieferten die meisten Drohnen ihre Fracht fast völlig automatisiert auf die Schutzhütten. Nur eine Person überwachte am Boden den Flug“, berichtet Moroder und erläutert die Idee von FlyingBasket: „Eine Drohne soll dauerhaft im Tal einsatzbereit stationiert sein und bei Bedarf automatisiert starten und landen sowie sich selbst beladen.“
Während das noch Zukunftsmusik ist, zeigt sich Hüttenwirt Wöll derweil zufrieden: „An den Testtagen waren viele Paragleiter unterwegs, aber alles hat besser funktioniert als erwartet. Man hat mir gesagt, dass man die Payerhütte problemlos mit Drohnen versorgen kann. Somit werden wir sicher in diese Richtung weiter experimentieren.”
ee/san
Dokumente zum Herunterladen
- Im Vergleich zu Helikopterflügen verursachen Drohnen keine direkten CO₂-Emissionen und sind deutlich günstiger. Außerdem ermöglichen sie häufigere Lieferungen kleiner Mengen. (Foto: Flyingbasket.com) » [IMG 940 kB]
- Stellten die Ergebnisse der im Sommer 2025 durchgeführten Tests vor (von links): Maximilian Dusini, Direktor des Landesamtes für Vermögensgüter, Daniel Bedin, Direktor des Ressorts für Hochbau, Valorisierung des Vermögens, Grundbuch und Kataster, Moritz Moroder (FlyingBasket), Landesrat Christian Bianchi sowie Matthias Moroder und Tanguy Gerniers (FlyingBasket). (Foto: Gianluca Crocco) » [IMG 217 kB]
Andere Artikel aus diesem Themenbereich
Sie finden uns hier
Socials
Abonnieren
Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten
Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen
AbonnierenRedaktion
Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)
Koordination:
Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion:
Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).
Kontakt
44. Agentur für Presse und KommunikationLandhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10
