Zwischen Schule und Beruf
Rund 14.000 Menschen lassen sich in Südtirol jedes Jahr zu Ausbildung, Studium und Berufschancen beraten. Die Berufsberatung des Landes hat eine lange Tradition und ist lokal stark verwurzelt.
Sie nennen sich unter anderem „Zukunft im Blick“, „Wegweiser", „Abschluss der Oberstufe - und dann?": die Broschüren der Ausbildungs- und Berufsberatung in Südtirol. Mit einer Fülle an Informationen bieten sie Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie orientierungsbedürftigen Erwerbstätigen schulische und berufliche Orientierung.
„Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist kein einfacher: Er prägt den Weg der Jugendlichen ins Erwachsenenalter“, unterstreicht Alexa Seebacher Tratter, Direktorin des Landesamtes für Ausbildungs- und Berufsberatung. „Das Land Südtirol legt besonderen Wert auf diese Phase. Wir bieten seit Jahren ein strukturiertes Beratungssystem, das Tausende von Jugendlichen und deren Eltern bei ihren Ausbildungs- und Berufswahlentscheidungen begleitet und maßgeschneiderte, individuelle Lösungen bietet."
Kapillar und mehrsprachig. Zehn Berufsberatungsstellen des Landes Südtirol gibt es. Sie sind über das gesamte Landesgebiet verteilt – in Bozen, Brixen, Sterzing, Bruneck, St. Martin in Thurn, Wolkenstein, Neumarkt, Meran, Schlanders und Mals – und kostenlos in allen drei Landesprachen zugänglich. Hier arbeiten Pädagoginnen und Pädagogen, Psychologinnen und Psychologen. Sie bieten professionelle Unterstützung in Fragen zur Ausbildungs-, Studien- und Berufswahl: Sie konzentrieren sich auf das Zuhören, analysieren das persönliche Potential der Hilfesuchenden und unterstützen überlegte Entscheidungen. Im Jahr 2024 haben rund 14.000 Nutzende diesen Beratungsservice in Anspruch genommen. „Bei der großen Mehrheit handelt es sich um Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren. Die individuellen Beratungen betrafen insbesondere Schülerinnen und Schüler der Mittelschule und der Schulen der Oberstufe sowie junge Erwachsene in der Phase der universitären oder beruflichen Neuorientierung. Es kommen aber auch Erwachsene unterschiedlichen Alters mit Orientierungsbedarf im Laufe ihres Lebens in Beratung", berichtet Seebacher Tratter. Zum Einsatz komme dabei die Potentialanalyse, die eine nützliche Unterstützung zur Bewertung von Interessen, Fähigkeiten, Motivation und Persönlichkeitsmerkmalen darstelle.
Beratung in Übergangsphasen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der komplexen Situationen unter den jungen Nutzern des Beratungsdienstes erhöht. Es gehe nicht nur um Zweifel, welcher Weg eingeschlagen werden soll, sondern oft um ein breiteres Bedürfnis nach Gestaltung der persönlichen Identität und der Erwartungen an die Zukunft. Diese Art von Beratung, so die Amtsdirektorin, erfordere psychopädagogische Kompetenzen der Beratenden, einen multidisziplinären Ansatz und in manchen Fällen eine Verbindung zu weiteren Unterstützungsdiensten.
Ein weiteres wichtiges Konzept ist auch die so genannte „nachhaltige Karriere", verstanden als eine Berufslaufbahn, die mit den eigenen Kompetenzen, Interessen und dem eigenen Wohlbefinden im Einklang steht. „Dieses Konzept setzt sich auch bei den Jüngeren langsam durch“, erklärt die Amtsdirektorin. „Es ist der Spiegel einer Gesellschaft, in der Beschäftigung nicht nur eine Einkommensquelle, sondern immer mehr auch eine Quelle der Identität und persönlichen Verwirklichung ist."
Anpassungsfähigkeiten der Jugendlichen. Die vor kurzem erschienene Euregio-Studie „Jugendliche im Übergang: Herausforderungen und Chancen“ gibt Einblick in die Lebenswege der Jugend in Südtirol, Tirol und dem Trentino. Rund 9000 Jugendliche aus allen drei Landesteilen hatten sich am Euregio-Projekt beteiligt. Zusätzlich wurden 70 Interviews mit Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen sowie Berufsberatern und -beraterinnen geführt. Die Ergebnisse zeigten: Neugierige, selbstbewusste und gut informierte Jugendliche schaffen den Übergang zwischen Schule, Weiterbildung und Arbeitswelt am besten. Hilfreich für die Anpassungsfähigkeit junger Menschen sind gut funktionierende, vernetzte Beratungseinrichtungen und lebenslanges Lernen.
Unter anderem wurde das Niveau der „career adaptability“, also die Fähigkeit, die eigene Karriere flexibel und bewusst zu planen, untersucht. In Südtirol weisen die Jugendlichen im Durchschnitt gute Anpassungsfähigkeiten auf, die höher sind als der Durchschnitt in der Euregio, verbunden mit einem angemessenen Wohlbefinden und einer positiven Bewertung ihrer schulischen Erfahrungen. Es gab jedoch auch kritische Elemente: Einige Befragte berichteten von Schwierigkeiten im Umgang mit der Angst vor Entscheidungen oder nahmen Ungleichheiten beim Zugang zu Bildungs- und Berufsmöglichkeiten wahr.
„Das Verständnis der Entscheidungsmechanismen und Anpassungsstrategien der Jugendlichen kann dazu beitragen, ein vollständigeres Bild der heutigen Dynamiken in der Bildungs- und Arbeitswelt zu zeichnen“, schließt Amtsdirektorin Seebacher Tratter.
gm (mpi)
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