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Bauen unter Schutz

05.12.2023

Zeitgemäß Wohnen und Arbeiten in denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Herausforderung. Der Oberniederhof in Schnals zeigt, dass es geht.

Oberniederhof in Unser Frau in Schnals: Ebenso wie die Pfarrkirche stammt der Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. (Foto: Manuela Tessaro)
Oberniederhof in Unser Frau in Schnals: Ebenso wie die Pfarrkirche stammt der Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. (Foto: Manuela Tessaro)

Der Geruch nach Holz, die Geborgenheit der Mauern: Eine ganz besondere Ruhe und Energie empfängt den Besucher im 700 Jahre alten Oberniederhof in Unser Frau in Schnals. Stall und Stadel sowie zwei Wohngebäude umfasst der Bauernhof, allesamt unter Denkmalschutz. Dazu zehn Hektar Grund und rund 25 Stück Vieh. Seit Generationen wird hier gebaut, gelebt und gewirtschaftet. „Unser Ziel ist es, einen positiven Lebensraum zu schaffen, mit intakten alten Strukturen, besonderen Tierrassen, biologischer Landwirtschaft, historischen Ferienwohnungen, Orten der Begegnung“, sagt Johann Tappeiner. Sein Credo lautet: den Denkmalschutz gesamthaft zu denken und daraus eine Stärke zu machen. 

Nicht Handicap, sondern Stärke. Was einfach klingt, erfordert in der Umsetzung viel Herzblut und Fingerspitzengefühl. Von Beginn an hat sich Tappeiners Familie Beratung und Unterstützung beim Landesdenkmalamt geholt. Altes zu erhalten und ihm einen neuen Sinn zu geben, sei auch eine Form des Respekts unseren Vorfahren gegenüber: „Auch sie haben weitergebaut und nicht abgerissen,“ so der Bauer. Im Falle des Oberniederhofs bedeutet das, dass die beiden Wohnhäuser behutsam neuen Nutzungen zugeführt wurden: Im „Alten Haus“ - 1290 erstmals urkundlich erwähnt und in vergangenen Jahrhunderten als Gerichtsgebäude, Gefängnis und Zechstube verwendet – fand eine Wohnung für die Altbauern, sowie eine Ferienwohnung Platz. Eine weitere befindet sich im Trakt aus dem Jahr 1793. Durch geschicktes Sanieren und Weiterbauen haben sich zwei der drei Töchter von Johann und Petra Tappeiner ein Zuhause bzw. ein zweites Zuhause am Hof realisiert. Im „neuen Wohnhaus“ des Bauernhofes, 1838 erstmals urkundlich erwähnt, wohnt auch der Jungbauer und eine weitere Ferienwohnung findet Platz. Der alte Hühnerstall, der sich in einem Teil des Stadels befand, wurde in einen multifunktionalen Seminar- und Kreativraum umgestaltet, ein Teil des Heustadels wird ab und an für Lesungen und Ausstellungen genutzt. Der bestehende Stall erhielt einen zusätzlichen Laufbereich. 

„Dabei heutigen Anforderungen gerecht zu werden, ist nicht einfach. Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt, sorgsamen Architekten und guten Handwerkern haben wir aber immer Lösungen gefunden“, freut sich Johann Tappeiner. Der Aufwand freilich ist um ein Vielfaches größer. Bauen und Sanieren im denkmalgeschützten Bestand erfordert viel Einsatz und Planung“, so Tappeiner, der besonderen Wert darauf legt, Altes zu erhalten und mit hochwertigen, modernen Materialien zu kombinieren. Auch ohne qualifizierte Handwerker, die Erfahrung in diesem Bereich mitbringen, geht es nicht. 

Rund 1500 Bauernhöfe stehen in Südtirol unter Denkmalschutz. „Sie sind wichtig für die Erinnerungskultur und tragen zur Einzigartigkeit der Kulturlandschaft wesentlich bei“, unterstreicht Landeskonservatorin Karin Dalla Torre. „Das unterscheidet Südtirol sehr stark von den Nachbarregionen, wo die alten Höfe großteils verschwunden sind.“ 

Diese Kulturdenkmäler zu erhalten sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nicht immer gelingt das aber in so vorbildlicher Weise wie am Oberniederhof. „Wenn von Klimaschutz und Energieeffizienz die Rede ist, kommen denkmalgeschützte Gebäude schnell ins Visier und werden als Energieschleudern abgetan“, weiß Dalla Torre. 

Sämtliche herkömmliche Förderschienen für die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden – etwa im Bereich Fenster, Fassadendämmung oder Photovoltaik – lassen sich bei denkmalgeschützten Gebäuden kaum anwenden. „Der Denkmalschutz wird als Bremse für die Energieeffizienz empfunden, doch das Gegenteil ist der Fall“, sagt die Landeskonservatorin. 

Denkmalschutz ist Klimaschutz. Allein durch ihre Langlebigkeit und die Verwendung von regional verfügbaren, schadstofffreien Baumaterialien wie Holz, Stein und Sand schonen denkmalgeschützte Gebäude Ressourcen und leisten einen großen Beitrag zum Klimaschutz. „Von der historischen Bauweise etwa der Bauernhöfe kann man sich sehr viele Strategien abschauen: Sie zeigen Lösungen wie etwa die Orientierung von Räumen zur Nutzung der Sonnenwärme oder zum sommerlichen Wärmeschutz auf“, berichtet Dalla Torre. „Denkmäler speichern zudem Wissen über Reparturtechniken, nachhaltige Materialien, Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit sowie Widerstandsfähigkeit. Allein ihren Primärenergiebedarf zu betrachten, genügt bei weitem nicht.“ 

Keine Standardlösungen. Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude sanieren und energetisch ertüchtigen will, für den gibt es keine Standardlösungen. „Vielmehr gilt es, unter fachkundiger Beratung eine Reihe von kleinen Maßnahmen zu setzen, um die Klimaleistung von Denkmälern weiter zu steigern“, unterstreicht Dalla Torre. Viel erreichen lasse sich etwa durch die Dämmung von Geschoss- und Kellerdecken anstelle der Außenwanddämmung, durch die Wartung der Fenster, durch Energieversorgung auf der Grundlage erneuerbarer Energie. Mit rund 6 bis 7 Millionen Euro bezuschusst das Land Südtirol jährlich die fachgerechte Restaurierung, Instandhaltung und Sanierung denkmalgeschützter Gebäude in Südtirol.


Beratung beim Bauen

Die Kunsthistorikerinnen und Architekten des Landesamtes für Bau- und Kunstdenkmäler (Telefon: 0471 411910, Email: kunstdenkmaeler@provinz.bz.it) im Landesdenkmalamt beraten bei Umbauten, Restaurierungs-, Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen im denkmalgeschützten Bestand

Hier geht’s zum Online-Dienst: Beratung bei Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen an Bau- und Kunstdenkmälern 


mpi

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