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Unsichtbar – aber messbar

22.05.2026

Radon kommt aus dem Boden, ist unsichtbar und geruchlos. Eine neue Karte zeigt, wo in Südtirol genauer hingeschaut werden sollte und warum eine Messung manchmal sinnvoll sein kann.

In Erdgeschossen oder Kellerräumen kann das natürliche Gas Radon eindringen: Messungen helfen, erhöhte Konzentrationen festzustellen. (Foto: pexels)
In Erdgeschossen oder Kellerräumen kann das natürliche Gas Radon eindringen: Messungen helfen, erhöhte Konzentrationen festzustellen. (Foto: pexels)

Die meisten Menschen denken bei Luftqualität zuerst an draußen: an Verkehr, Abgase oder Feinstaub. Doch ein großer Teil der Luft, die wir täglich einatmen, befindet sich in unseren eigenen vier Wänden. Neben Staub oder Feuchtigkeit gibt es dort noch einen Faktor, den man weder sehen noch riechen kann: Radon.

Das natürliche Gas entsteht im Boden. In manchen Fällen kann es auch in Gebäude gelangen. Genau deshalb beschäftigen sich Fachleute damit, wo Radon auftreten kann und wie hoch die Konzentrationen sind. In Südtirol helfen dabei Messungen und eine neue Radonkarte, die einen Überblick der Situation im gesamten Landesgebiet gibt.

Wenn sich Radon in Innenräumen anreichert und hohe Konzentrationen erreicht, kann das gesundheitliche Auswirkungen haben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt Radon nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Das italienische Gesetz (GvD Nr. 101/2020) sieht für bestehende Wohnungen einen maximalen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) vor. Das bedeutet: In einem Kubikmeter Raumluft sollten pro Sekunde nicht mehr als 300 Radon-Atome zerfallen. Für Neubauten gilt seit Dezember 2024 ein Referenzwert von 200 Bq/m³. Von der WHO wird sogar ein Schwellenwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft empfohlen.

Neue Karte mit 58 Radonschutzgebieten. Gerade deshalb empfehlen Fachleute, mögliche Belastungen zu kennen, besonders in bestimmten Gebieten. Im Februar 2026 hat die Landesregierung die neue Radonkarte festgelegt. Die Karte gibt einen Überblick über die Situation im gesamten Landesgebiet.

Radon ist Teil eines natürlichen physikalischen Prozesses. Es ist ein radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran entsteht. Es kommt überall in der Natur vor, im Boden, in Felsen und im Erdreich. Von dort kann es über kleine Risse oder Öffnungen in Gebäude gelangen. Besonders oft kann es von Räumen, die direkt mit dem Boden verbunden sind, etwa Keller oder Erdgeschosse, in Gebäude eindringen. Menschen bemerken davon nichts. Das Besondere an Radon ist, dass es farb-, geruch- und geschmacklos ist.

„Radon kann mit unseren Sinnesorganen nicht wahrgenommen werden. Deshalb sind Messungen notwendig, um die Konzentration festzustellen“, sagt der Physiker und Direktor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz Luca Verdi.

In Südtirol wurden nun erstmals Radonschutzgebiete offiziell festgelegt. Grundlage dafür sind Messdaten aus rund 20 Jahren, die von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz gesammelt und ausgewertet wurden. Diese Daten sind in einer Radonkarte für das gesamte Landesgebiet zusammengefasst. „Die Radonkarte soll informieren und sensibilisieren. Sie zeigt, wo wir beim Radon genauer hinschauen sollten. Für die Menschen heißt das vor allem: die eigene Situation kennen, bewusst vorsorgen und einfache Maßnahmen für die eigene Gesundheit setzen“, sagt Umwelt-, Energie- und Raumordnungslandesrat Peter Brunner. Die Einstufung bedeute nicht, dass automatisch ein Problem bestehe. Sie zeige vielmehr, wo genauere Messungen besonders sinnvoll seien, erklärt Brunner.

Mehr Radon-Messungen. Insgesamt sind 58 Gemeinden als Radonschutzgebiete ausgewiesen. In diesen Gebieten wird es in den nächsten Jahren deutlich mehr Messungen geben. Das sagt auch Verdi. „Neu ist für die Arbeitsräume in Radonschutzgebieten, dass neben den Messungen in unterirdischen Räumen jetzt auch Messungen in den halbunterirdischen Geschoßen und im Erdgeschoß gemacht werden müssen“, erklärt Verdi. Räume, die weniger als 100 Stunden pro Jahr genutzt werden, sind von der Messpflicht befreit. Für die Messungen ist der Arbeitgeber verantwortlich.

Radon dringt aus dem Boden in Gebäude ein. Deshalb können Keller, Erdgeschosse, Gebäude in Hanglage und Räume mit direktem Bodenkontakt besonders betroffen sein. Auch in Räume im Obergeschoss kann Radon gelangen, wenn sie über offene Treppen mit dem Keller verbunden sind. „Messungen werden meist in Räumen gemacht, in denen sich Menschen häufig aufhalten, etwa im Schlafzimmer oder Wohnzimmer“, erläutert Verdi.

Um herauszufinden, wie hoch die Radonkonzentration ist, wird ein kleines Messgerät, ein sogenanntes Dosimeter, verwendet. Die Messung dauert in der Regel ein ganzes Jahr oder alternativ zwei Messperioden zu je sechs Monaten. Danach wird der Jahresmittelwert mit den Grenzwerten verglichen. Interessierte können sich an das Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz wenden und erhalten dort Hinweise zu Labors und Diensten, die Dosimeter ausgeben und Radon-Messungen durchführen.

Einfache Maßnahmen, große Wirkung. Selbst wenn erhöhte Werte festgestellt werden, lassen sich diese oft relativ einfach verringern. Direktor Verdi erklärt: „Einfache Maßnahmen können schon viel bewirken. Regelmäßiges Lüften, kleinere bauliche Anpassungen oder das Abdichten von Kellerräumen können die Radonkonzentration deutlich senken.“ Es gebe zwei grundlegende Ansätze: die Radonquelle schwächen, zum Beispiel durch Radonbrunnen oder Drainagerohre, oder die radonhaltige Luft verdünnen, etwa durch häufigeres Lüften oder einen besseren Luftaustausch. Besonders wirksam ist es laut Verdi, Radonschutz bereits beim Bau eines Hauses zu berücksichtigen. Durch geeignete bauliche Maßnahmen könne vorab verhindert werden, dass das Gas überhaupt ins Gebäude gelange.

Radon gehört zur Natur. Aber Wissen hilft, Risiken zu vermeiden. Die neue Radon-Karte macht sichtbar, was bisher unsichtbar war. Sie soll helfen, bewusst mit dem Thema umzugehen. Denn manchmal beginnt Gesund-heitsschutz mit einer einfachen Frage: Wie sieht es eigentlich in meinem Haus aus?

Weitere Informationen und die Karte der Radonschutzgebiete

san

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