„Der 11. September 2001 hat meinen Weg in die Politik geprägt“
Die Wendepunkte von Marco Galateo: das Vorstellungsgespräch mit dem TV-Unternehmer Rolando Boesso, die Begegnungen mit Urzì und Biancofiore und der Anruf von Giorgia Meloni.
Marco Galateo wurde am 29. Oktober 1979 in Meran geboren und ist in Bozen aufgewachsen. Er maturierte 1999 an der Handelsoberschule „Cesare Battisti“ (Fachrichtung Programmierer). Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Trient, schloss das Studium jedoch nicht ab. Im Jahr 2010 bestand er die Staatsprüfung als Finanzberater. Er verfügt über umfangreiche Berufserfahrung im Medienbereich (Fernsehen, Radio und Printmedien), als Handelsvertreter, Finanzberater sowie als Verkaufsleiter eines großen Unternehmens. 2015 wurde er erstmals in den Gemeinderat der Stadt Bozen gewählt. 2022 rückte er für Alessandro Urzì in den Südtiroler Landtag nach und wurde 2023 bestätigt. Seit dem 1. Februar 2024 ist er Landesrat für Italienische Bildung und Kultur, Wirtschaftliche Entwicklung und Landeshauptmannstellvertreter. Er ist mit Brigita verheiratet und Vater von drei Töchtern: einer Elfjährigen und achtjährigen Zwillingen.
Landesrat Galateo, wo liegen die Wurzeln Ihrer Familie?
Auf meine Wurzeln bin ich sehr stolz. Meine Eltern stammen aus Apulien, genauer aus Trani. Mein Vater war beim Militär und diente seit den 1970er Jahren beim 3. Regimentskorp Savoia Cavalleria in Meran. Heute ist er in Pension. Meine Mutter war Hausfrau. 1985 kam unsere Familie nach Bozen. Seit 13 Jahren lebe ich in der Mailandstraße, im Herzen des italienischsprachigen Bozens.
Herr Galateo, was wollten Sie nach der Matura werden?
Ich schrieb mich für das Jusstudium in Trient ein, vor allem dank meiner Lehrer für Recht, Betriebswirtschaft und Buchhaltung an der Oberschule, die mich sehr geprägt haben. Diese Fächer faszinierten mich. Ich besuchte auch Gerichtsverhandlungen, unter anderem zum Fall Waldner. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar: Gesetze zu studieren, ist interessant, aber sie selbst zu schreiben und mitzugestalten, ist für die Bürgerinnen und Bürger noch wertvoller.
…und dann landeten Sie plötzlich vor der Kamera.
An einem Samstag, kurz nach meiner Maturaprüfung, ging ich spontan zu Video33. Ein erfahrener Journalist öffnete mir die Tür. Ich erzählte ihm, dass es immer mein Traum gewesen sei, dort zu arbeiten. Er ging sofort zum Eigentümer des Senders, Präsident Rolando Boesso, der mich zum Gespräch empfing und mit den Worten begrüßte: „Da sind Sie ja, ich habe schon lange auf Sie gewartet.“ Dann erklärte er mir, dass junge Menschen nicht nur zuhören, sondern auch handeln können sollten. Er lud mich ein, bereits am darauffolgenden Montag die Nachrichten zu moderieren. So begann meine journalistische Laufbahn. Später habe auch ich versucht, jungen Menschen Chancen zu eröffnen und ihnen Verantwortung zu übertragen.
Es folgten Stationen bei Rttr, Rtt Radio, Radio Dolomiti sowie einige Erfahrungen in der Print- und Onlinepresse.
Der Tag meines Bewerbungsgesprächs mit dem Direktor von Rttr, der 11. September 2001, wurde zu einem Wendepunkt meines Lebens. Als die Twin Towers einstürzten, befand ich mich an der Tankstelle bei der Laimburg. Wenige Monate zuvor, während einer Studienreise in die Vereinigten Staaten, war ich selbst auf dem Flug New York–Salt Lake City gewesen, der später ins Pentagon stürzte. In diesem Moment wurde mir klar: Solche Ereignisse wollte ich nicht nur journalistisch begleiten. Ich musste mich persönlich engagieren, damit bestimmte Dinge geschehen oder eben verhindert werden. Ich holte einen Kindheitstraum hervor, den ich lange beiseitegelegt hatte: Schon als Kind hatte ich Präsident der Republik werden wollen. Deshalb trat ich der Partei Alleanza Nazionale bei, weil ich mich in deren Werten wiederfand. Später habe ich, wie man im Management sagt, mein „target“ neu ausgerichtet.
Hat Sie die Arbeit in der Kommunikation beruflich am stärksten geprägt?
Für mich heißt Kommunikation, offen zu sein. Ich zeige, was ich tue, und stelle mich auch der Kritik. Zum Glück bekomme ich aber mehr Zustimmung als Gegenwind. Die Arbeit in den Medien hat mich beruflich und persönlich stark geprägt.
Welche Wendepunkte gab es in Ihrer politischen Laufbahn?
Durch meine Arbeit in den Medien habe ich viele lokale Politiker kennengelernt. Besonders geprägt haben mich die Begegnungen mit Alessandro Urzì und später mit Michaela Biancofiore. Beide haben mir viel beigebracht. Die zweite große Wende war der Anruf von Giorgia Meloni. Ich kannte sie bereits seit 2001. Im Jahr 2016 bat sie mich, bei Fratelli d’Italia eine verantwortungsvolle Aufgabe auf nationaler Ebene zu übernehmen. Sie sagte mir offen, dass sie keine Posten zu versprechen habe, sondern auf eine Gruppe von Menschen setze, die sich kennen, vertrauen und gemeinsam etwas aufbauen wollen. Dieser Moment veränderte mein Leben nachhaltig, und bis heute verbindet mich mit ihr eine enge persönliche Beziehung. Ein weiterer wichtiger Moment war die Begegnung mit Anna Scarafoni, die ich vor etwa zwanzig Jahren bei einem beruflichen Termin in einer Apotheke kennengelernt habe. Für mich ist sie bis heute eine wichtige Bezugsperson.
Sie sagen oft, dass Sie mit drei Kindern kaum Zeit für Hobbys haben. Ihre liebste Freizeitbeschäftigung?
Ich lese sehr gerne und habe auch Theatererfahrungen gesammelt. Seit einiger Zeit setze ich mir jedes Jahr eine neue persönliche Herausforderung. Ich habe Skifahren gelernt, gehe regelmäßig wandern und habe mir für 2026 vorgenommen, den Bootsführerschein zu machen. Einfach, um einmal selbst das Steuer zu übernehmen. Ob ich den Bootsführerschein dann wirklich oft nutzen werde, wird sich zeigen.
Ihre erfolgreiche Diät wurde im vergangenen Jahr stark thematisiert. Waren Sie früher schon einmal in so guter Form?
Dieses Interview über meine Diät wurde fast zu einem Problem, weil die Menschen mich danach fast nur noch darauf angesprochen haben. Ich habe es erst nach monatelangen Anfragen akzeptiert, um den Fokus bewusst auf das Thema Gesundheit zu lenken. Ich dachte zunächst, das würde niemanden interessieren. Doch Übergewicht ist ein ernstes gesellschaftliches Problem in der westlichen Welt. Abnehmen bedeutet, sich selbst besser zu fühlen und gesünder zu leben. Ich wollte damit anderen ein Beispiel geben. Aus meinen neuen Essgewohnheiten ist auch eine Zusammenarbeit mit dem Italienischen Roten Kreuz und der italienischen Schule entstanden: mit Erste-Hilfe-Kursen und Programmen zu einem gesunden Lebensstil in den Schulen. In einem nächsten Schritt soll ein Projekt zur Ernährungserziehung folgen.
Macht Politik dick oder schlank?
Viele Menschen sagen mir, ich wirke heute jünger. Ich persönlich habe das Gefühl, in zwei Jahren um zwanzig Jahre gealtert zu sein. Aber wenn dieses Opfer anderen hilft, dann ist es das wert. Denn wer Politik macht, tut dies letztlich, um der Gemeinschaft zu dienen.
mdg/kat
Andere Artikel aus diesem Themenbereich
Sie finden uns hier
Socials
Abonnieren
Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten
Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen
AbonnierenRedaktion
Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)
Koordination:
Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion:
Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).
Kontakt
44. Agentur für Presse und KommunikationLandhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10
