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"Ich will Begeisterung weitergeben"

22.12.2025

Seit 30 Jahren politisch aktiv, seit fast zwei Jahren Landesrätin: Rosmarie Pamer will Frauennetzwerke stärken – und nach ihrer politischen Karriere in die Entwicklungszusammenarbeit gehen.

Landesrätin Rosmarie Pamer: Meine Devise lautet: Nicht zurück, sondern nach vorne schauen. (Foto: Hannes Wisthaler)
Landesrätin Rosmarie Pamer: "Meine Devise lautet: Nicht zurück, sondern nach vorne schauen." (Foto: Hannes Wisthaler)

Rosmarie Pamer, erste Landeshauptmannstellvertreterin und Landesrätin für Sozialen Zusammenhalt, Familie, Senioren, Genossenschaften und Ehrenamt, wurde 1971 geboren und ist in St. Martin in Passeier aufgewachsen. Nach dem Diplomstudium Biologie an der Universität Innsbruck unterrichtete Pamer in der Mittelschule in St. Martin in Passeier. Seit 1995 ist sie politisch aktiv, 2010 wurde Rosmarie Pamer Bürgermeisterin in ihrer Heimatgemeinde. Im Herbst 2023 wurde Pamer in den Südtiroler Landtag gewählt, seit 1. Februar 2024 ist sie Mitglied der Südtiroler Landesregierung. Pamer lebt mit ihrem Lebenspartner Florian und ihrem Sohn Max in St. Martin in Passeier.

Frau Landesrätin, wie hat Sie Ihre Herkunft (politisch) geprägt?
Ich bin auf einem Bergbauernhof, mit drei Brüdern, aufgewachsen und meine Familie, vor allem mein Vater, war immer schon politisch interessiert. Insbesondere als wir Geschwister ins wahlfähige Alter kamen, wurde zu Hause viel politisiert. Als 1995 dann erstmals die regionale Frauenquote galt, wurde auch ich, quasi im letzten Moment, gefragt, ob ich kandidieren würde. Und da hat mein Tata gesagt: „Kandidier’, weil sonst hast du auch immer ‚die Gosche‘ offen!“ Meine Ursprungsfamilie hat mich immer unterstützt, meine Brüder sind bis heute meine besten Wahlkämpfer. Mein Lebenspartner und mein Sohn kennen mich nur als politisch tätigen Menschen. Auch als ich 2023 für den Landtag kandidiert habe, war es für uns alle ein logischer Schritt, dass ich meine politische Karriere weiterverfolge.

Hat sich Ihr Sohn auch mal gegen Ihre politische Tätigkeit aufgelehnt?
Max war zwei Jahre alt, als ich 2010 Bürgermeisterin geworden bin. Als kleines Kind hat er schon mal gesagt: „Nicht schon wieder zum Lokalaugenschein!“ Weil er da eben auch mit musste… Ich habe aber geschaut, ihn nicht zu sehr einzuschränken. Die Betreuung daheim hat, auch am Abend, überwiegend mein Partner übernommen. Wenn Frauen, vor allem mit kleinen Kindern, in die Politik gehen, braucht es ein Umfeld, das stützt, weil Politik ist, was Termine angeht, eher frauen- oder familienfeindlich. Ich bin daher dankbar für die volle Unterstützung. Auch jetzt als Landesrätin muss ich mir keine Gedanken darum machen, ob mein Sohn versorgt ist. Wichtig ist mir aber das gemeinsame Frühstück mit Max, damit wir uns gut austauschen. Ich muss sagen, dass ich einen sehr feinen, pflegeleichten, wahnsinnig selbstständigen Sohn habe. Und die Pubertät habe ich nicht gespürt, weil ich nie daheim bin (lacht).

Haben es Frauen im ländlichen Bereich schwerer, sich politisch zu engagieren oder öffentlich wahrgenommen zu werden?
Das sehe ich überhaupt nicht so! Viele Frauen im ländlichen Raum sind schon im vorpolitischen Bereich tätig: Vereinstätigkeit gibt eine bestimmte Sichtbarkeit. Natürlich: Wenn ich als Frau Politik mache, muss ich schon vorher bekannt sein. Bei Männern ist das meist anders, die treten mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein auf. Aber wenn sich Frauen engagieren, ist der Weg nach oben offen. Mein großes politisches Vorbild war die Bürgermeisterin von Unsere Liebe Frau im Walde/ St. Felix, Waltraud Kofler, die das Miteinander der Frauen ganz stark gefördert hat. Wenn es ein gutes Frauennetzwerk gibt, geht es leichter: Wir haben aktuell sieben Bürgermeisterinnen in meinem Heimatbezirk Burggrafenamt, und es hätten noch mehr sein können! Es hat sich vieles zum Positiven verändert: Ich habe 1995 als einzige Gemeinderätin in St. Martin in Passeier angefangen, und als ich 2020 den Gemeindeausschuss gebildet habe, waren wir bei 50:50. Insgesamt hat sich sehr viel verbessert, auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung: Frauen wird Politik zugetraut, weil sie sich bewiesen haben. Unsere Stärke als Frauen kann sein, „friedvoll, machtvoll mitzugestalten“, wie Doris Cornils bei einer Veranstaltung im Herbst sagte.

Sie gestalten seit 30 Jahren auf unterschiedlichen Ebenen politisch mit: Welche Ihrer bisherigen politischen Positionen ist Ihnen die liebste?
Immer diejenige, in der man gerade ist (lacht). Alle Funktionen waren interessant, hatten ihren Reiz. Wenn man politisch tätig ist, muss man die eigene Position für etwas Positives einsetzen: Genau das ist sicherlich auch meine Stärke, nämlich dass ich versuche, meine Begeisterung weiterzugeben. Meine Devise lautet: Nicht zurück, sondern nach vorne schauen. Ich war wahnsinnig gerne Bürgermeisterin, weil man da etwas bewegen und gestalten kann. Und jetzt bin ich gerne Landesrätin. Ich habe viele tolle Bereiche, bei denen ich auf allen gesellschaftlichen Ebenen gestalten kann: vom Kleinkind bis zum Senior, vom Ehrenamt bis zu den Genossenschaften. Ich finde, es gibt kein schöneres Ressort! Die Bereiche sind zwar herausfordernd, wenn man an den demografischen Wandel oder die Arbeitskräfte denkt. Aber es geht immer darum, das Positive zu sehen. Jede Funktion, die ich bekleidet habe, war eine wunderbare Zeit. Man muss auch aus herausfordernden Situationen versuchen, das Beste zu machen. Und was ich in 30 Jahren Politik gelernt habe: Man kann es nicht allen recht machen – aber das ist auch egal, man muss aufs Gemeinwohl schauen.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?
Ich war früher wahnsinnig schüchtern – das glaubt mir heute kaum jemand mehr (lacht). Aber wir wurden so erzogen: Ich war in einer Bergschule, zum Teil als einzige in meinem Jahrgang, wir haben uns kaum getraut zu reden, wenn wir mal ins Dorf runtergekommen sind. Darum wäre mein Tipp: Mehr Selbstbewusstsein, auch schon in jungen Jahren!

Wo sehen Sie sich in 20 Jahren, persönlich und politisch?
Sicher ist: Ich bin in 20 Jahren keine Politikerin mehr! Aber ich möchte Frauen unterstützen, ich war schon öfters Mentorin für angehende Gemeindepolitikerinnen. Politisch sehe ich mich nicht mehr an vorderster Front, sondern im Hintergrund. Und wenn es die Gesundheit zulässt – weil Politik ist nicht der gesündeste Beruf – werde ich mich weiterhin im Sozialbereich einsetzen: Ich komme aus dem Ehrenamt, bin schon in jungen Jahren in Vereinen tätig gewesen, bin darum umso stolzer, diesen Bereich jetzt politisch verantworten zu dürfen. Wir brauchen Freiwillige, ohne Ehrenamt ist manches gar nicht mehr machbar. Zudem bringt das Ehren-amt viel persönliche Genugtuung und Wertschätzung. Und persönlich hatte ich schon in der Mittelschule einen Traum: Ich möchte mich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Darüber spreche ich auch viel mit meinem Sohn. Und wenn er später mal irgendwo in der Welt als Missionar tätig wird, komme ich als Pfarrhäuserin und Köchin in die Missionsstation mit (lacht).

ck

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