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Eine Mumie für die Ewigkeit?

22.04.2026

Edda Guareschi ist die neue Kuratorin für die Mumie Ötzi aus dem Eis. Im Interview über mögliche neue Entdeckungen in der Ötzi-Forschung, wie die Mumie am besten konserviert werden kann und wie Museen mit menschlichen Überresten umgehen sollen.

Edda Guareschi hofft, Ötzis Alter präziser bestimmen, neue Erkenntnisse über seine Erkrankungen gewinnen und klären zu können, welche Veränderungen sein Körper in den mehr als 5.000 Jahren zwischen seinem Tod und seiner Entdeckung erfahren hat. (Foto: Südtiroler Archäologiemuseum/Manuela Tessaro)
Edda Guareschi hofft, Ötzis Alter präziser bestimmen, neue Erkenntnisse über seine Erkrankungen gewinnen und klären zu können, welche Veränderungen sein Körper in den mehr als 5.000 Jahren zwischen seinem Tod und seiner Entdeckung erfahren hat. (Foto: Südtiroler Archäologiemuseum/Manuela Tessaro)

Sie haben eine universitäre Ausbildung in forensischer Anthropologie. Können Sie uns einige besonders interessante Skelette oder Mumien nennen, die Sie analysiert haben?

Meine Erfahrung bezieht sich vor allem auf Skelette, um jene von archäologischem Interesse von solchen zu unterscheiden, die eine forensisch-juristische Relevanz haben könnten. Ich interpretierte vor allem die Pathologien, um die Lebensgeschichte der verstorbenen Person, die Todesursache, den Todeszeitpunkt und die Todesumstände zu verstehen.

Welche Kenntnisse aus der Rechtsmedizin können Sie auf die Forschung zu Ötzi anwenden?

Eine davon ist die Phänotypisierung, also der Versuch, auf das konkrete Aussehen der Person zu Lebzeiten zu schließen. Wir hängen zwar sehr am ikonischen Bild von Ötzi, der Rekonstruktion die wir im Museum zeigen, doch wir wissen, dass viel Interpretation im Spiel ist. Neueste genetische Forschungen deuten auf eine etwas dunklere Hautfarbe und etwas weniger Haare hin. Außerdem sollten wir das Alter der Person zum Zeitpunkt ihres Todes künftig genauer bestimmen können. Mikrobiologische Analysen könnten zudem weitere Klarheit über die Krankheiten bringen, an denen sie litt. Taphonomische Untersu-chungen wiederum könnten helfen zu verstehen, was mit dem Körper in den über 5.000 Jahren zwischen Ötzis Tod und seiner Auffindung geschehen ist.

Zu Ihren Aufgaben gehört auch die Entwicklung von Technologien für die langfristige Konservierung der Mumie. Welche Potenziale sehen Sie in diesem Bereich?

Das grundlegende Ziel ist es, die Mumie so zu erhalten, wie sie heute ist, also Kontaminationen, Abbau oder andere Veränderungen zu vermeiden. Wir können den Zustand der Mumie nicht verbessern, sondern nur verhindern, dass er sich verschlechtert. Dabei muss auch der Ressourcen-Aufwand berücksichtigt werden: Das Museum hat auch das Ziel nachhaltiger zu werden und der Betrieb von Kühlzellen ist und bleibt energieaufwändig. Außerdem könnte KI-Technologie in naher Zukunft die Voraussetzungen schaffen, sich die Person zu Lebzeiten besser vorstellen zu können. Wie hat er sich etwa bewegt? Wir haben auf jeden Fall den Wunsch dieses Individuum noch näher kennenzulernen.

Wurde bisher gute Arbeit geleistet, was die Erhaltung der Mumie betrifft?

Ich würde sagen, eine perfekte Arbeit, wenn man bedenkt, dass dieses Gebäude nicht dafür gebaut wurde die komplexe Kühltechnik oder überhaupt ein Museum zu beherbergen. Eine hochtechnische Konservierungsanlage wie die unsere, in einem historischen Gebäude zu installieren, war eine große Herausforderung. Ich war damals nicht dabei, sehe aber heute das Ergebnis.

Wie lassen sich wissenschaftliche Forschung und Konservierung miteinander vereinbaren, ohne das Objekt zu gefährden?

Für biologische, chemische oder physikalische Untersuchungen werden wir vermutlich mit den zahlreichen Proben arbeiten, die in den letzten Jahrzehnten bereits vom Körper der Mumie entnommen wurden. Weitere Proben zu entnehmen, würde bedeuten, die Mumie aufzutauen – und das tut ihr nicht gut. Deshalb versuchen wir, dies derzeit zu vermeiden.

Welche Verantwortung trägt ein Museum, wenn es menschliche Überreste ausstellt?

Ich denke, menschliche Überreste können in Museen verbleiben, wenn sie gut kontextualisiert sind und einen signifikanten Beitrag zur Forschung und zur Kultur leisten. Sie müssen jedoch mit großem Respekt behandelt werden, und auch das Publikum muss entsprechend sensibilisiert werden. Dasselbe gilt auch für die Tiere, die die naturhistorischen Museen auf der ganzen Welt füllen. Jedes Lebewesen verdient es respektiert zu werden, auch wenn es nach seinem Ableben in einem Museum geschützt wird.

vg

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