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Grün statt grau

16.07.2025

Versiegelte Flächen stören den natürlichen Wasserkreislauf. Begrünte Dächer und durchlässige Außenflächen helfen, die negativen Folgen zu mindern. Und sorgen für mehr Natur in der Stadt.

Neben vielen Vorteilen entlasten Gründächer auch die Kanalisation: Denn sie speichern Regenwasser, das durch Verdunstung nach und nach wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. (Foto: Monika Pichler)
Neben vielen Vorteilen entlasten Gründächer auch die Kanalisation: Denn sie speichern Regenwasser, das durch Verdunstung nach und nach wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. (Foto: Monika Pichler)

Wenn die Hitze im Bozner Talkessel besonders drückt, sind sie umso wertvoller: die urbanen Grünflächen. Großes Potenzial besteht dafür nicht nur am Boden, sondern auch in der Höhe, auf den Dächern.

Familie Hofer hat es gewagt und auf dem Flachdach ihres Hauses ein Gründach angelegt: Kombiniert mit der Solaranlage und den Paneelen der hauseigenen Photovoltaikanlage wurde die Fläche bestmöglich verwendet. „So nutzen wir die Sonneneinstrahlung für Warmwasser und zur Stromproduktion, daneben gedeiht die extensive Dachbegrünung. Eine Kombination, die sich bewährt“, wie der Hausherr unterstreicht.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Dachbegrünung wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Im Winter fungiert das Gründach als Wärmedämmung, während es im Vergleich zu einem Kiesdach im Sommer die Hitze draußen hält. Gründächer verbessern auch das Mikroklima und die Artenvielfalt in den Städten. Und nicht zuletzt entlasten grüne Dachflächen die Kanalisation: denn die Bepflanzung und das Substrat eines Gründachs speichern Regenwasser, das durch Verdunstung nach und nach wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. Besonders positiv wirkt sich das bei Starkregen aus, der Kanalisationen häufig an ihre Grenzen bringt.

Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung. „Um den natürlichen Wasserkreislauf in besiedelten Gebieten zu fördern, braucht es ein Umdenken im Umgang mit Regenwasser“, unterstreicht Robert Faes, Direktor des Landesamtes für Gewässerschutz. Die Versiegelung von Flächen führt nämlich dazu, dass das Gleichgewicht zwischen Niederschlag, Verdunstung, Grundwasserbildung und Oberflächenabfluss gestört wird: Immer mehr Regenwasser fließt rasch über die Kanalisation in die Oberflächengewässer ab, immer weniger verdunstet oder trägt zur Grundwasserneubildung bei. Auf unbefestigten Flächen hingegen kann ein Großteil des Wassers an Ort und Stelle verdunsten, wird vom Oberboden aufgenommen und gespeichert bzw. versickert im Untergrund.

Geregelt sind die Grundprinzipien der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung im Landesgesetz Nr. 8/2002 „Bestimmungen über die Gewässer“ und in der entsprechenden Durchführungsverordnung Nr. 6/2008. Grundsätzlich gilt: Für das nicht verunreinigte Niederschlagswasser ist erstens die Wiederverwertung vorgesehen und an zweiter Stelle die Versickerung im Untergrund. Nur wenn dies aufgrund der lokalen Gegebenheiten nicht möglich oder zweckmäßig ist, darf es in Oberflächengewässer abgeleitet werden. „Die Regelung ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten dieselbe geblieben, aber sie ist sehr aktuell. Was sich geändert hat, ist das Klima und damit einhergehend die Bereitschaft von Planenden sowie Bauherrinnen und Bauherrn, auf eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung Rücksicht zu nehmen“, unterstreicht Faes. Nichtsdestotrotz bleibe diese eine Herausforderung, denn oberflächliche Versickerung benötigt Fläche und diese ist in Südtirol stets begrenzt zur Verfügung.

Vorbild öffentliche Hand. Neben Gründächern, die keine zusätzliche Fläche benötigen, sind durchlässige Oberflächenbefestigungen eine Möglichkeit, die Versickerung von Regenwasser zu fördern. Besonders für Hofflächen, Terrassen, Gartenwege, Radwege, Gehwege und Zufahrtswege sind wasserdurchlässige Befestigungen geeignet. Auch Parkflächen können etwa mit Rasengittersteinen nachhaltig gestaltet werden: Sie sorgen nicht nur für mehr Grün in den Siedlungsgebieten, sondern halten auch Regenwasser zurück. „Natürlich sind durchlässige Flächen pflegeintensiver und ihre Instandhaltung muss gewährleistet sein. Der Effekt auf die Verbesserung des Kleinklimas ist aber vor allem im urbanen Raum stark spürbar“, unterstreicht Amtsdirektor Faes. Aus diesem Grund tut gerade dort die öffentliche Hand gut daran, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Während bei neuen Baumaßnahmen die Vermeidung von Versiegelung und die Regenwasserbewirtschaftung vorgeschrieben sind, gibt es noch keine Regelung für eine gezielte Entsiegelung, weiß Amtsdirektor Robert Faes. „Die Einsatzmöglichkeiten von durchlässigen Oberflächenbefestigungen beschränken sich jedoch nicht nur auf Neubauten. Bei Umbauten, Erneuerungen oder Erweiterungen können durch Bodenentsiegelung Flächen, die zuvor mit undurchlässigen Materialien wie zum Beispiel Asphalt, Beton oder Pflasterung befestigt waren, wieder versickerungsfähig gemacht werden“, erklärt er.

Mit Beratung und Sensibilisierung zum Ziel. Das Landesamt für Gewässerschutz steht sowohl Gemeinden als auch Privaten beratend zur Seite. Damit in vielen Bereich künftig grün statt grau gedacht wird, ist eine Sensibilisierung für das wichtige Thema der Regenwasserversickerung in der breiten Öffentlichkeit notwendig. Anders als bei Maßnahmen zur Energieeinsparung oder zur Nutzung von erneuerbaren Energiequellen sind im Bereich der Regenwasserbewirtschaftung für Private keine Landesförderungen vorgesehen. Aufklärung ist dafür umso mehr nötig. Und gute Beispiele. Familie Hofer hat die Entscheidung für ein Gründach auf alle Fälle nicht bereut. „Es ist ein gutes Gefühl, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einen Beitrag für den Klimaschutz geleistet zu haben“, sind sich die Familienmitglieder einig.

mpi

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