Jägern und Sammlern auf der Spur
Steinzeitlich bedeutet primitiv? Von wegen! Das Archäologiefestival „Zurück in die Steinzeit“ auf den Bozner Talferwiesen vermittelt, wie viel Wissen und Geschicklichkeit die Menschen brauchten, um Pfeil und Bogen, Kleidung und Schuhe herzustellen. Heuer widmet sich das im September stattfindende Festival dem Thema Nahrungsmittel.
Ein Jahr nach dem Südtiroler Archäologiemuseum feiert auch das Archäologiefestival auf den Bozner Talferwiesen einen Meilenstein: Vor 25 Jahren, also im Jahr 1999, kamen hier zum ersten Mal Expertinnen und Experten für experimentelle Archäologie aus ganz Europa zusammen. Sie zeigen alle zwei Jahre im Herbst Geschichte zum Anfassen. Erwachsene und Kinder können bei den Vorführungen zu urzeitlichem Handwerk zusehen und fast vergessene Kulturtechniken selbst ausprobieren.
Innovatives Konzept. Für das Südtiroler Archäologiemuseum ist das Festival im Freien wichtiger Bestandteil einer innovativen und spannenden Museumsvermittlung, die große und kleine Museumsgäste interaktiv einbezieht. In den Vitrinen des Museums liegen die originalen, fertigen Objekte aus früheren Zeiten. Das Museumsfest „Zurück in die Steinzeit“ hingegen zeigt, wie sie hergestellt und verwendet wurden.
Seit der ersten Ausgabe von „Zurück in die Steinzeit“ hat das Team des Archäologiemuseums das Steinzeitfestival in den letzten 25 Jahren weiterentwickelt. Themen und Schwerpunkte waren jeweils verschieden. Aber was alle eint, ist die Faszination für die Archäotechnik. In einem kleinen Zeltdorf unweit des Museums stellen sich die Fachleute der spannenden Herausforderung, mit den Materialien und Techniken aus den verschiedensten Epochen zu arbeiten. Bei „Zurück in die Steinzeit“ kann man besser verstehen, wie zum Beispiel Ötzis Bogen oder seine Pfeile funktionierten, was es zu ihrer Herstellung brauchte und warum nur bestimmte Materialien dafür geeignet waren. Und es wird weiteren spannenden Fragen nachgegangen: Wie facht man auch bei schlechtem Wetter ein Feuer an? Und wie entsteht der Steinzeit-Klebstoff Birkenteer?
Geschichte hautnah erleben. Oft genug ist neben der Suche nach den geeigneten Rohstoffen auch viel Geduld nötig: Um ein Kupferbeil zu schmieden oder eine Silexklinge für einen Dolch zu bearbeiten, braucht es viel Zeit. Deshalb ist es oft gar nicht möglich, innerhalb von einem Wochenende zum Beispiel einen flugfertigen Pfeil herzustellen. Aus diesem Grund plant das Organisationsteam in den zwei Festivaltagen entsprechend Raum ein: In jedem Zelt werden einzelne Teilschritte vorgeführt und alle Interessierten können selbst Hand anlegen. Erfahrene Experimentalarchäologinnen und -archäologen sowie das Museumsteam stehen ihnen dabei zur Seite. Im direkten Austausch erklären sie die Ausgangsmaterialien und ihre Bearbeitung. In den mittlerweile 16 Ausgaben von „Zurück in die Steinzeit“ ging es um Pfeil- und Bogenherstellung, um die Kupfergewinnung und -bearbeitung zur Zeit von Ötzi, um Silexknollen und beeindruckende Feuersteinwerkzeuge, um Techniken der Schuhherstellung und Schuhe aus verschiedenen Epochen, um Schönheitsideal und Mode der Römerzeit und um Techniken wie Schmieden, Töpfern, die Aufbereitung von Farbpigmenten, Schmuckherstellung, Geflechte knüpfen, Holz- und Wollverarbeitung oder Weben.
Das Know-how unserer Vorfahren. Kleine und große Festivalgäste bekommen während des Arbeitens ein Gefühl für die Zeit und die Geschicklichkeit, die es braucht, um einen Wollfaden zu spinnen, ein Fell abzuschaben oder eine scharfe Silexklinge herzustellen. Und wie es sich anfühlt, ein paar selbst angefertigte Schuhe zu tragen oder mit einem Langbogen zu schießen. Das Steinzeit[1]fest bietet die Gelegenheit, Geschichte hautnah zu erleben, und vermittelt einen Einblick, wie die Menschen in der Urzeit gelebt haben, was sie für ein Know-how hatten. „Zurück in die Steinzeit“ findet im Wechsel mit den Sonderausstellungen des Museums alle zwei Jahre statt. Dieses Jahr ist es wieder so weit: In Anlehnung an die aktuelle Sonderausstellung „Past Food – 15.000 Jahre Ernährung“ stehen erstmals Nahrungsmittel im Lauf der Zeit im Mittelpunkt.
kh
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