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KI im Museum

17.04.2025

Die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bedeuten auch für den Kultursektor ein großes Potenzial. Welche neuen Möglichkeiten bietet KI den Museen? Was kann sie leisten – und was nicht?

ntlastung dank KI: Automatisch generierte Beschreibungen von Objekten, die Konvertierung von Audio- und Mediaguides 
in mehreren Sprachen oder in Leichter Sprache – für die Wissensvermittlung tun sich neue Möglichkeiten auf. Im Bild der 
Leuchttisch im Südtiroler Archäologiemuseum. (Foto: LPA/Patrizia Corriero)
ntlastung dank KI: Automatisch generierte Beschreibungen von Objekten, die Konvertierung von Audio- und Mediaguides in mehreren Sprachen oder in Leichter Sprache – für die Wissensvermittlung tun sich neue Möglichkeiten auf. Im Bild der Leuchttisch im Südtiroler Archäologiemuseum. (Foto: LPA/Patrizia Corriero)

Längst ist Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr ausschließlich in Science-Fiction Filmen zu finden, sondern mitten im Alltag von uns Menschen angekommen. Mit KI und Gesichtserkennung entsperren wir unser Smartphone, mit Sprachbefehlen spielen wir zu Hause Musik ab, mithilfe der KI übersetzen wir Texte. Doch welche konkreten Möglichkeiten bietet die Künstliche Intelligenz dem Kultursektor, ganz speziell den Museen? Wo liegen ihre Chancen, wo ihre Schwächen – wo sogar Gefahren? 

David Gruber, Direktor des Naturmuseum Südtirol, beantwortet die Frage nach den Möglichkeiten, die KI Museen  bietet, mit einer persönlichen Erfahrung: „Ich war kürzlich mit meiner Familie im ägyptischen Museum in Turin, wo es keinen Audioguide in deutscher Sprache gibt; also habe ich für meinen Sohn über ein text- und sprachbasiertes KI-Modell einen Museumsführer mit den Inhalten des Audioguides des Museums geschrieben und eine personalisierte Führung für meinen Elfjährigen erstellen lassen, die ihm dann per Sprachausgabe direkt in die Kopfhörer eingespielt wurde.“ Auch in dem von ihm geleiteten Naturmuseum kommt KI zum Einsatz: Um Inhalte schnell in Leichte Sprache umzuformulieren, um Texte zu übersetzen oder sie für die Webseite oder für Ausstellungen zu verfassen – nicht, ohne mit kritischem Auge das Ergebnis vor Veröffentlichung zu begutachten. Kürzlich hat der Astrophysiker mit einem Expertenteam für das Naturmuseum einen mit KI generierten englischsprachigen Audioguide erstellt. Langfristig sei es möglich, mit generativer KI beispielsweise auch Fossilien „zum Leben zu erwecken“, ist Gruber überzeugt. KI wird in der Paläontologie heute schon teilweise angewandt, um 3D-Modelle eines Fossils zu erstellen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Modelle mit Haut und Knochen bestückt und animiert würden, ist sich Gruber sicher.

Elisabeth Vallazza, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, plant den Einsatz eines KI-gestützten digitalen Assistenten im Besuchsservice: „Er soll unser Team im Archäologiemuseum dabei unterstützen, die unzähligen Anrufe, die wir täglich erhalten, entgegenzunehmen und zu beantworten.“ Eine der großen Chancen für Museen sieht Sabine Fauland, Geschäftsführerin des Museumsbundes Österreich, in der Sammlungserschließung, also das Zusammentragen aller zu einem Objekt verfügbaren Informationen: „Die KI kann Zusammenhänge und Verbindungen besser und schneller erkennen als Menschen. Je weiter die digitale  Transformation voranschreitet, desto leichter und schneller werden wir Sammlungen erschließen und Objekte verstehen können.“ Eva Mayr, Forscherin am Zentrum für Kulturen und Technologien des Sammelns der Universität für Weiterbildung Krems, hat in mehreren Forschungsprojekten im Bereich des digitalen Kulturerbes Erfahrungen mit KI gesammelt und beschäftigt sich mit Fragen der Zugänglichkeit. „In einem Projekt haben wir beispielsweise KI eingesetzt, um die historische Büchersammlung von Prinz Eugen von Savoyen digital zu rekonstruieren und zu visualisieren“, erzählt sie. „Dabei haben wir die digitalisierte Sammlung mit einer Bilderkennungssoftware nach dem Wappen Prinz Eugens durchsucht, um Bücher zu identifizieren, die zu dieser Sammlung gehören.“ Grundsätzlich sei KI gut geeignet, um Daten aus verschiedenen Datenbanken zu verknüpfen und so vernetztes Wissen über das Kulturerbe zu schaffen. Auch in der Vermittlung könne KI sehr nützlich sein, zum Beispiel für Menschen mit Sehbehinderungen, denen man automatisch generierte Beschreibungen von Objekten zur Verfügung stellen könne.

Gefahren. Angesichts der Tatsache, dass KI immer nur so gut ist, wie sie trainiert wird, erinnert Eva Mayr daran, dass es gut überlegt sein muss, welches kulturelle Erbe man für das Training bereitstellt. Auch sollten Userinnen und User sich nicht blindlings darauf verlassen, was die KI produziert, vor allem, wenn man als Kultureinrichtung einen Qualitätsanspruch hat. Es sollte, so die Forscherin, immer angemerkt werden, wenn KI zum Einsatz gekommen ist. Generell sollten die von KI ausgespielten Informationen immer auf ihre Korrektheit kontrolliert werden. Die KI sei ein Werkzeug, das man zu nutzen wissen müsse – den Unterschied macht, wie naiv oder reflektiert der Mensch damit umgeht. 

Museen dürften ihre Deutungshoheit nicht aus den Augen verlieren, betont auch Sabine Fauland. Und ergänzt, was die KI in Museen nicht leisten kann: „Storytelling und das Erwecken von Emotionen werden immer die Aufgabe von Menschen bleiben, denn so cool künstliche Intelligenz auch sein mag, es fehlt ihr die Emotion.“ Das sei die große Stärke des Menschen. 

Kurioses. Bei aller Kritik ist die KI imstande, Unglaubliches zu leisten. Ein Forschungsteam erstellte ein KI-Programm, mit dem es möglich war, verkohlte Schriftrollen lesbar zu machen. Sie waren im Jahr 79 n. Chr., als der Vesuv ausbrach, unter meterhohem Vulkanschlamm begraben worden. Auch bei der Restaurierung von Rembrandts „Nachtwache“ spielte die KI eine entscheidende Rolle: Ihr ist es gelungen, die fehlenden Teile nach über 300 Jahren zu ergänzen, nachdem das Gemälde bei einem Umzug beschnitten worden war. Auch bei der Vervollständigung von Beethovens 10. Symphonie kam KI zum Einsatz: Mithilfe von Algorithmen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler „Die Unvollendete“ zu Ende komponieren lassen.

In der Ausstellung „Dalí Lives“ in St. Petersburg, Florida, könne man dagegen Salvador Dalí zum Leben erwecken, sich mit ihm unterhalten oder sogar ein Selfie mit ihm machen, weiß Eva Mayr. Die KI-Installation „Keine Wahl“ im Deutschen Museum nimmt einem sogar die Wahlentscheidung ab: Man betritt eine Wahlkabine, wo das Gesicht von einer Kamera gescannt wird; nach wenigen Sekunden spuckt die Maschine einen Zettel aus, auf dem steht: „Ihre Stimme für die Partei XY bei der Bundestagswahl wurde registriert. Vielen Dank.“ Die KI geht davon aus, dass die Gesichtszüge eines Menschen die Parteienpräferenz widerspiegeln. Eine Anregung, über den Einsatz von KI nachzudenken.

Schließlich berichtet Elisabeth Vallazza von einem KI-Startup aus Kalifornien: „Dieses führt mit Menschen mehrstündige Interviews über ihre Wertvorstellungen und Erinnerungen und ,digitalisiert‘ dann ihre Persönlichkeit, bietet sozusagen ein digitales ewiges Leben an. Angehörige sollen dadurch dann später die Möglichkeit haben, mit bereits Verstorbenen zu sprechen.“


vg

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