Land stärkt digitale Barrierefreiheit
Erstmals melden Menschen mit Beeinträchtigung der Landesverwaltung zurück, was „zu schwer" ist - bei den Tests zum neuen Landeswebportal in Leichter Sprache.
„Ich verstehe das nicht“, sagt Michael Wild laut und bestimmt während eines zweitägigen Workshops zum neuen Landeswebportal in Leichter Sprache. Gemeinsam mit seinen Kollegen Robert Mumelter und Martin Vigl wurde er von der Agentur für Presse und Kommunikation eingeladen, den neuen Prototypen zu testen. Alle drei sind Prüfleser im Büro „OKAY“ für Leichte Sprache der Lebenshilfe Südtirol und bei People First.
Auf Herz und Nieren geprüft. Derzeit arbeitet das Land an einer Verbesserung des neuen Webauftrittes in Leichter Sprache, der sich speziell an Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung richtet. In die sogenannten „Usability-Tests" wurden neben den Prüfleserinnen und Prüflesern auch Landesbedienstete mit kognitiven, sensorischen und motorischen Beeinträchtigungen miteinbezogen. Gearbeitet wurde in Kleingruppen. Anhand eines Prototyps fragten UX-Experten der Südtirol Informatik AG (Siag) - das sind Fachleute, die sich mit der Nutzererfahrung auskennen - gezielt danach, ob die Informationen leicht auffindbar sind, was zu kompliziert ist und welche neuen Funktionen hilfreich wären. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Neugestaltung des Portals ein. „Wir haben sehr konkrete Rückmeldungen erhalten“, bestätigt UX-Expertin Barbara Gutmann. „Darüber hinaus war es für alle Beteiligten eine äußerst wertvolle Erfahrung im direkten Austausch zu sehen, mit welchen Barrieren diese Menschen im Web zu kämpfen haben", so Renate Mayr, Koordinatorin des Landeswebportals.
Fortbildungsreihe zur Barrierefreiheit. Die Usability-Tests für das Portal in Leichter Sprache waren Teil einer viermonatigen Fortbildungsreihe zur Barrierefreiheit, mit der das Land Südtirol konkrete Schritte in Richtung digitaler Barrierefreiheit und Inklusion setzen will. Finanziert wurde das Schulungsprogramm über Mittel des staatlichen Resilienz- und Aufbaufonds (Pnrr) im Rahmen von „Citizen Inclusion 1.4.2". Rund 800 Landesangestellte haben sich bei insgesamt 22 Kursen mit Themen wie Einfache und Leichte Sprache, barrierefreie News, barrierefreie Webseiten und Dokumente oder dem Monitoring von Barrierefreiheit im Web befasst. Bereits seit 2018 engagiert sich das Land in diesem Bereich, 2020 wurde ein eigenes Landeswebportal in Leichter Sprache online gestellt.
European Accessibility Act. Ab Juni 2025 gilt mit der EU-Richtlinie 2019/882, dem „European Accessibility Act (EAA)“, eine neue Gesetzgebung zur digitalen Barrierefreiheit. Ziel der Gesetzgebung ist es, Webseiten und digitale Produkte für möglichst alle Menschen zugänglich zu machen unabhängig davon, ob sie motorische, kognitive oder sensorische Einschränkungen haben. In der EU leben derzeit 101 Millionen Menschen, das sind rund 27 Prozent der Bevölkerung, mit einer Form von Behinderung. Für sie ist die „digital accessibility“ essenziell, um am digitalen und demzufolge auch am öffentlichen Leben teilzuhaben.
red
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