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Lebensraum sichern

23.05.2024

Wie Gelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE in der Agentur für Bevölkerungsschutz eingesetzt werden. Zwei Beispiele.

Mit EFRE-Geldern finanziert: Die Pegelmessstation an der Drau in Winnebach. (Foto: Landesamt für Hydrologie und Stauanlagen in der Agentur für Bevölkerungsschutz)
Mit EFRE-Geldern finanziert: Die Pegelmessstation an der Drau in Winnebach. (Foto: Landesamt für Hydrologie und Stauanlagen in der Agentur für Bevölkerungsschutz)

Bauleiter Stefan Ghetta vom Landesamt für Hydrologie und Stauanlagen freut sich: Seit Ostern wird die Pegelmessstelle am Eisack in Bozen erneuert. Mitfinanziert wird die neue Messstelle mit Geldern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE Priorität 2 - „Green: der Klimaveränderung entgegenwirken“ des Zeitraums 2021 bis 2027.

Projektion in die Zukunft. Das Monitoring der Pegelmessstationen ist auf einen langen Zeitraum angelegt: So erfolgen Änderungen des hydrologischen Abflussverhaltens in einem Einzugsgebiet sehr langsam. Diese Änderungen sind nicht nur klimabedingt, sondern können durch eine technologische Umstellung bei der Bewässerung oder den Anbau anderer Kulturarten hervor[1]gerufen werden. Ebenfalls nur langsam zeigen sich die Auswirkungen von eventuell getroffenen Gegenmaßnahmen: Hier sind langjährige Beobachtungszeitreihen wichtig, um natürliche Schwankungen der Wasserführung von anderen Effekten unterscheiden zu können, berichtet Ingenieur Stefan Ghetta: „Mit unseren Pegelmessstellen wird auch eine Projektion in die Zukunft ermöglicht: Aus dem Anteil von Schmelzwasser von Gletschern am Gesamtabfluss können wir Rückschlüsse ziehen, mit welchen Änderungen des charakteristischen Abflussverhaltens in Zukunft zu rechnen sein wird. Der Rückgang der Gletscher wird zu einem Rückgang der Wasserführung im Zeitraum der Schnee- und Eisschmelze führen.“ Dieser Prozess wird sich über Jahrzehnte erstrecken. Auch durch den Anstieg der Null-Grad-Grenze ist im Winter mit weniger Schnee und mehr Regen zu rechnen. Dies bedeutet, dass es nicht zwangsläufig eine signifikante Veränderung an der mittleren jährlichen Wasserführung geben muss, sondern die Verteilung des Abflusses im Verlauf des Jahres kann sich in Zukunft deutlich von der gegenwärtigen unterscheiden.

50 Messstellen. Die Pegelmessstelle am orografisch linken Ufer des Eisacks in Bozen kurz vor dem Zusammenfluss mit der Etsch besteht seit über 20 Jahren: Bei der Inbetriebnahme Ende 2003 wurden anfangs nur die Pegelstände gemessen, berichtet Bauleiter Stefan Ghetta. Ende August 2009 wurde mit Unterstützung der Berufsfeuerwehr eine Seilkrananlage für die Abflussmessungen eingebaut, im Jahr 2017 kam das Schwebstoffmonitoring dazu. Nun wird das alte Pegelhaus, das auf einer Tragstruktur aus Stahl aufgesetzt wurde, durch ein neues, größeres Pegelhaus ersetzt. Dieses wird in der neuen modularen Bauweise im Corporate Design der Agentur errichtet.

Seit bald 50 Jahren betreibt die Landesagentur für Bevölkerungsschutz ein landesweites Pegelmessnetz mit insgesamt rund 50 Messstellen zur Überwachung der Fließgewässer in Südtirol, 17 davon mit EFRE-Geldern (siehe Info S. 18). Viel Wasser ist seitdem die Flüsse hinuntergeflossen. Viele Wetterereignisse sind durch das Land gezogen.

Anpassung an Extremwetterereignisse. Es war der 16. August 2021, als am späten Nachmittag nach einem heftigen Gewitter über dem Pflerschtal eine Mure am Toffringbach den Pflerscherbach verlegte und die benachbarten Gebäude überflutet wurden.

Dieses Ereignis ist Untersuchungsgegenstand des Projektes X-RISK-CC, eines Interreg Alpenraum-Projektes, bei dem es um die Anpassung an Extremwetterereignisse und damit verbundene Risiken auch im Kontext des Klimawandels geht. „Ziel ist es, ein besseres Verständnis der komplexen und langfristigen Auswirkungen von Extremwetterereignissen insbesondere aufgrund von Kaskadeneffekten zu erhalten, wobei speziell fünf Pilotgebiete untersucht werden“, erläutert der Direktor des Landeswarnzentrums Willigis Gallmetzer: Für Südtirol ist ein Pilotgebiet das Pflerschtal, das durch das Murgangereignis große Schäden zu verzeichnen hatte. Das Landeswarnzentrum koordiniert die Aktivitäten für die Analysen und Studien.

Besserer Umgang mit Naturrisiken. Das Unwetterereignis wird von der Wetterprognose und der Warnung über die Einsatzabwicklung bis hin zur Ereignisbewältigung und zu den Folgemaßnahmen rekonstruiert und besprochen, erläutert Carmen Lageder, Mitarbeiterin im Landeswarnzentrum und verantwortlich für das Projektmanagement. Darauf aufbauend werden positive Aspekte im Umgang mit diesem Extremereignis hervorgehoben, aber auch Schwächen oder Defizite benannt und es werden mit allen Akteuren Maßnahmen zur Verbesserung des Umgangs mit Naturrisiken definiert.

Die Agentur für Bevölkerungsschutz ist Partner des Projektes X-RISK-CC, Leadpartner ist Eurac Research, mitbeteiligt sind auch das Trentino und die Wildbachverbauung des Landes Tirol sowie sechs Partner aus Slowenien, Frankreich, Deutschland und Österreich. Finanziert wird das Projekt X-RISK-CC über das Programm „Interreg Alpine Space 2021-2027“.

Die Klimaveränderung beobachten, der Klimaveränderung entgegenwirken: Das erfolgt auch mit Geldern aus dem EFRE. Zum Schutz der Bevölkerung.

mac

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