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Medizin studieren in Bozen

07.03.2024

Südtirols erste Medizinerausbildung startet im Herbst mit dem Studiengang „Medicine and Surgery“ an der Claudiana. Dem hiesigen Ärztemangel setzt man Qualität und Internationalität entgegen.

Mehr als nur zusätzliche Studienplätze: Ein Medizinstudiengang bringt Ärztenachwuchs und zieht Fachkräfte an, schafft Karrierechancen und ermöglicht innovative Therapien. (Foto: Tiberio Sorvillo)
Mehr als nur zusätzliche Studienplätze: Ein Medizinstudiengang bringt Ärztenachwuchs und zieht Fachkräfte an, schafft Karrierechancen und ermöglicht innovative Therapien. (Foto: Tiberio Sorvillo)

Es ist das erste Mal, dass angehende Ärztinnen und Ärzte ihr Studium in Südtirol absolvieren können. Die ersten Vorlesungen sind im Herbst 2024 nach erfolgter Akkreditierung durch das zuständige Ministerium geplant. Unterrichtet wird am Universitären Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe „Claudiana“ in englischer Sprache, Partneruniversität ist die „Università Cattolica del Sacro Cuore“, Praktika finden in deutscher und italienischer Sprache im Südtiroler Sanitätsbetrieb und den mit ihm vernetzten Strukturen statt. Doch braucht Südtirol überhaupt ein Medizinstudium vor Ort? Und können wir uns das leisten? In Zeiten, wo die Pensionswelle der Babyboomer und der internationale Fachkräftemangel auch im Gesundheitswesen Wellen schlagen, wo in Südtirol 1.500 besetzten Facharztstellen derzeit rund 300 unbesetzte gegenüberstehen, dürfte die Frage vielmehr lauten: Können wir es uns leisten, darauf zu verzichten? 

Köpfe im Land halten. Jedes Jahr versuchen rund 250 angehende Studentinnen und Studenten aus Südtirol ihr Glück beim Aufnahmetest für ein Medizinstudium in Österreich. Der überwiegende Teil davon bewirbt sich in Innsbruck. Erfolg hat nur ein Bruchteil von ihnen: Auf acht bis zehn Bewerberinnen und Bewerber kommt ein Studienplatz. Wer es schafft, bleibt lange in der Ausbildung. Das Studium der Humanmedizin dauert sechs Jahre, die anschließende Facharztausbildung oder Sonderausbildung in Allgemeinmedizin weitere drei bis sechs Jahre. Dann ist man oft schon beruflich verankert, auch im privaten Leben tut sich vieles. Verliebt – Familie gegründet – Heimkehr adé.

Eine Ausbildungsmöglichkeit in Südtirol soll dazu beitragen, dass ein Teil dieser Köpfe im Land bleibt, und auch andere, bereits im Job gefestigte Ärztinnen und Ärzte anziehen. Denn ein akademisches Umfeld wertet Südtirol auch als Standort für Gesundheitsforschung auf und schafft neue Impulse in diesem Bereich.

Lehre und Forschung ermöglichen, um die Arzttätigkeit im Südtiroler Gesundheitswesen attraktiver zu machen: So lautet daher ein weiteres Ziel, das man mit der Einführung eines Medizinstudiums in Südtirol anpeilt. Für die nötige Akkreditierung durch das zuständige Ministerium in Rom hat man in der Universität Cattolica einen aufgeschlossenen Partner gefunden, der im Rahmen anderer Studiengänge für Gesundheitsberufe bereits mit der Claudiana zusammenarbeitet und die sprachlichen und autonomiepolitischen Besonderheiten des Landes gut kennt. Mehr noch: Südtirol als zweisprachige Grenzregion stellt für die renommierte Universität eine Brücke zum deutschsprachigen Ausland und dessen Universitäten und Forschungseinrichtungen dar, während andere Medizinuniversitäten in Italien vorwiegend mit englischsprachigen Ländern kooperieren. Englisch als Unterrichtssprache verstärkt die internationale Ausrichtung des neuen Studiengangs in Bozen und öffnet den Studentinnen und Studenten das Tor zu Erfahrungen in aller Welt.

Qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sichern. Hauptziel des Landes ist es, längerfristig eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Südtirol sicherzustellen. Durch den Beitrag der zukünftigen Jungärztinnen und Jungärzte, aber nicht nur. Im universitären Netzwerk ergeben sich auch neue Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten für das bestehende ärztliche Personal. Und ein attraktives Arbeitsumfeld bindet die Mitarbeitenden und zieht neues Fachpersonal an. Selbst für die Patientenversorgung schafft ein Medizinstudiengang vor Ort neue Möglichkeiten, da etwa der Zugang zu innovativen Therapien im Rahmen von Forschungsprojekten besonders frühzeitig erfolgen kann.

Wertvolle Zusammenarbeit. Guter Wille allein reicht nicht. Die Akkreditierung und der Aufbau eines Medizinstudiums sind äußerst komplex. Die Partneruniversität Cattolica bringt alles dazu Erforderliche mit: langjährige Erfahrung, solide Verwaltungsstrukturen, ein bewährtes Curriculum auch in englischer Sprache oder die detaillierte Kenntnis aller rechtlichen Normen. Der Name Cattolica steht zudem für Renommee und Qualität. Durch den Ausbau bestehender und den Aufbau weiterer universitärer Netzwerke können zudem auch neue Formen und Angebote für die Facharztausbildung in Südtirol geschaffen werden. Südtirol muss seine Medizinunifakultät also nicht neu erfinden, sondern kann auf die Schubkraft einer der besten Universitäten zählen.

„Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich“. Nicht ohne Sarkasmus fasste der Schriftsteller Mark Twain seinerzeit die Erkenntnisse der Medizin in dieser Formel zusammen. Seither hat dieser Bereich der Wissenschaft Quantensprünge vollzogen; in Südtirol steht ein solcher demnächst bevor.

kl

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