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Museen for future

19.04.2024

„Eins. Zehn. Siebzehn.“ So heißt das Projekt der Südtiroler Landesmuseen, das den Betrieb nachhaltig machen soll. Aufbauend auf die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen, sieht die Strategie vor, nicht nur die Umwelt zu schützen, sondern auch soziale und gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben.

Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: Inklusion und hochwertige Bildung für alle sind ebenso zentrale Themen, die in der Nachhaltigkeitsstrategie der Landesmuseen verankert sind. (Foto: Marion Lafogler)
Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz: Inklusion und hochwertige Bildung für alle sind ebenso zentrale Themen, die in der Nachhaltigkeitsstrategie der Landesmuseen verankert sind. (Foto: Marion Lafogler)

„Nature doesn’t need people.“ Die Natur braucht uns nicht. Dieser Satz stammt von Harrison Ford, dem Schauspieler, der mit Indiana Jones, dem todesmutigen Abenteurer und Archäologe, Filmgeschichte geschrieben hat. Und er hat Recht: Die Natur braucht keine Menschen und Museen braucht sie auch nicht. Wir Menschen aber brauchen eine intakte Umwelt – ebenso wie Museen. Zu ihren zentralsten Aufgaben zählt das Kulturgut, die Geschichte und das Wissen der Menschheit zu bewahren – aber auch der Schutz der Umwelt muss zum primären Ziel werden. Es ist an der Zeit, dass sich auch der Kultursektor verstärkt mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst und sich zukunftsfähig macht. Denn Nachhaltigkeit geht uns alle an. 

Nachhaltigkeit und nachhaltige Transformation haben sich in den letzten Jahren immer mehr zu dem Thema überhaupt entwickelt. Nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Ziele stehen bei dieser Entwicklung im Mittelpunkt, denn was allen bewusst sein muss: Umweltschutz ist mehr als Mülltrennung. Inklusion und Kreislaufwirtschaft sind ebenso zentrale Themen wie die Energiewende.  

Der Ausgangspunkt. 2016 beschloss die EU die sogenannte „Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“, kurz Agenda 2030. Die darin festgehaltenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals oder SDGs) sind der Ausgangspunkt für die Reise in eine lebenswerte und lebenserhaltende Zukunft. Ein Blick auf das Leitbild der Landesmuseen bestätigt, dass bereits vieles aus den Zielen darin verankert ist: hochwertige Bildung und die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit lokalen Entscheidungsträgern beispielsweise. 

Maßnahmen in den Museen. Seit Jahren schon führt jedes einzelne der Landesmuseen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und Menschen durch, die weit über barrierefreie Toiletten und Mülltrennung hinausgehen. Soziale und ökologische Themen werden bei Projekten und Ausstellungen nicht nur mitgedacht, sondern sind zentraler Inhalt. Das Naturmuseum arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Aktivistengruppen wie „Fridays for Future“ und „Scientists for Future“ zusammen an Aktionen zur Sensibilisierung und Bewusstseinsverstärkung für das Thema. Die leichte Sprache der Homepage macht die Informationen zugänglicher und fördert die Inklusion.  

Das Volkskundemuseum beschäftigt sich auch aus Gründen der Ressourcenschonung mit der Frage des Entsammelns. Die Festung Franzensfeste wird jährlich zur „FRAUENfeste“, wobei sie die Arbeiten weiblicher Künstlerinnen und somit die Geschlechtergleichstellung – ebenso eines der 17 Ziele – in den Mittelpunkt stellt. Das Bergbaumuseum verzichtet in den Museumsshops gänzlich auf Verpackungen aus Plastik und arbeitet seit 2020 mit geschützten Werkstätten zusammen, um alte Drucksorten zu Schachteln und Tüten zu verarbeiten. Die Vermittlungsprogramme „Schätze der Erde“ und „Museum ist Klasse“ streben eine hochwertige Bildung für Kinder an, und steht somit in Einklang mit dem Ziel der Agenda 2030, lebenslanges Lernen zu ermöglichen.  

Das Archäologiemuseum macht Vermittlung durch Virtual Learning möglich: Durch „Klickkontakt mit Ötzi“ können Schulklassen digital an einer Führung teilnehmen, wodurch auch jene, die nicht nach Bozen kommen können, einen Blick auf den Mann aus dem Eis werfen können. Das Touriseum betreibt sogenanntes „Citizen science“: Das Wissen der Bürgerinnen und Bürger in die wissenschaftlichen Projekte und Ausstellungen wird miteinbezogen. Dies sind nur einige Beispiele, wie die Landesmuseen Nachhaltigkeit leben.  

Eins. Zehn. Siebzehn. Nachhaltige Transformation bedarf einer Strategie, nicht zuletzt, um Greenwashing, also die Manipulation der Betriebskommunikation, um sich „grüner“, ökologisch nachhaltiger darzustellen, als der Betrieb oder das Produkt eigentlich ist, zu vermeiden. Eine solche Strategie wird nun mit dem Projekt „Eins. Zehn. Siebzehn. – Ein Betrieb. Zehn Landesmuseen. 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ nun auch für die Südtiroler Landesmuseen entwickelt und verfolgt.  

Strategisches Nachhaltigkeits- und Transformationsmanagement sieht die Ausarbeitung eine solchen Strategie vor und beinhaltet Leitlinien, die für Unternehmen gelten, die aber auch den Kultursektor und Museen angewandt werden können. Der Strategie zufolge beginnt der Veränderungsprozess für die Landesmuseen mit einem nüchternen Blick auf das Hier und Heute. Allein dieser erste Schritt ist schon eine Herausforderung, gibt es doch 10 Museen, 19 Standorte und das Zentrum für Regionalgeschichte, die auf ganz Südtirol verteilt sind. Dazu kommen denkmalgeschützte Gebäude, umfangreiche Sammlungen mit sensiblen Objekten ein karges Budget – all das macht die Bestandsaufnahme zu einer Herkulesaufgabe. 

Wo wollen wir hin? Nach diesem Blick auf den Status Quo und der Kontextanalyse folgt für die Landesmuseen die Definition der Ziele. Wo wollen wir hin? Ziel und Vision ist es, die zehn Landesmuseen mit all ihren Standorten bestmöglich zur Umsetzung der Agenda 2030 zu befähigen. Wir wollen gemeinsam für eine nachhaltige und lohnende Südtiroler Musemslandschaft arbeiten, die allen zugänglich ist. Wir möchten die Treibhausgasemissionen der Landesmuseen wo immer möglich auf Netto-Null zu bringen und somit den Klima-Fußabdruck stark zu verringern. Demgegenüber soll der positive Handabdruck maximiert werden. 

Wie kommen wir da hin? Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement hängt mit der Motivation und den Widerständen der Mitarbeitenden eines Betriebs zusammen. Aus diesem Grund richten sich die ersten Schritte der Strategie der Landesmuseen nach innen: Eine Befragung aller Mitarbeitenden soll darüber Auskunft geben, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit im Leben der Arbeitenden hat. Die Befragung soll aufzeigen, wie die Gegebenheiten in den Museen sind und eventuelle Widerstände ans Licht bringen. Und nicht zuletzt soll die Umfrage Gespräche ins Rollen bringen und zum Nachdenken anregen. 

Darauf aufbauend sollen unter der Leitung der Nachhaltigkeitsbeauftragten Arbeitsgruppen in den einzelnen Museen gegründet werden, die gemeinsam die weiteren Schritte der Strategie durchlaufen und ausführen. Um diese Arbeitsgruppen dazu zu befähigen, ist eine Lernreise mit den Beteiligten geplant, in der sie nicht nur ihr Wissen zum Thema Umwelt- und Menschenschutz und die Aufgabe der Museen vertiefen, sondern auch konkrete „Werkzeuge“ des Nachhaltigkeitsmanagements kennen und anwenden lernen. Das Projekt lebt von Partizipation und vom Wissensaustausch, vom Dialog mit Expertinnen und Experten, von der Motivation der Mitarbeitenden, ihren Teil dazu beizutragen, unsern Planeten zukunftsfähig zu machen.  

Indiana Jones meint ein wertvolles Kreuz, das sein Widersacher in der Hand hat, als er sagt: „Das gehört in ein Museum.“ Nachhaltigkeit und strategisches Transformationsmanagement gehören aber ebenso in und zu Museen, sie müssen als zentrale Aufgabe und Verpflichtung anerkannt und konsequent verfolgt werden. 

ss

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