Porphyr – Ein edler Werkstein
Vor Millionen von Jahren entstand das vulkanische Gestein durch Ablagerungen zwischen Meran und Trient. Ab dem 12. Jahrhundert prägte Porphyr als Werkstein Architektur und Kunsthandwerk in Südtirol und über die Grenzen hinaus. Ein nachhaltiger Baustoff mit Geschichte.
Vor etwa 280 Millionen Jahren beherrschte ein Supervulkan von über 3.000 Quadratmetern das Gebiet zwischen Meran und Trient. Über 12 Millionen Jahre lang und in verschiedenen Ausbruchsphasen lagerten sich Schichten aus Lava ab, die bis zu 2.000 Meter dick waren: Daraus entstand über die Jahrtausende Porphyr. Ein sehr hartes, verschleißfestes und feinkörniges Vulkangestein, das sich in der Regel aus einzelnen Kristallen in einer rötlichen Hauptmasse zusammensetzt. Das Landesmuseum Bergbau hat 2023 in enger Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum Südtirol und dem Amt für Geologie das Forschungsprojekt „Der industrielle Porphyrabbau im Südtiroler Unterland“ gestartet. Durch die Finanzierung über den Forschungsfonds der Landesmuseen ist es möglich, die Anfänge des industriellen Porphyrbergbaus genauer zu untersuchen. Die Beteiligten an diesem Projekt konzentrieren sich dabei auf unterschiedliche Forschungsfragen, die mit einem interdisziplinären Ansatz auf der Grundlage historischer und naturwissenschaftlicher Daten beantwortet werden sollen. Unter anderem untersucht das Forschungsteam, wie viele Betriebe Porphyr abbauten und wie es um die Arbeitsbedingungen der Arbeiter stand.
Weg zum Werkstein. Schon früh wurde Porphyr wegen seiner guten Spaltbarkeit als Bau- und Pflasterstein gebrochen – für diese Eigenschaft wird er bis heute geschätzt. Im Etschtal gehört Porphyr zu den ältesten Baumaterialien, was archäologisch gut belegt ist. Ab dem 12. Jahrhundert avancierte Porphyr hier Ab dem 12. Jahrhundert avancierte Porphyr im Etschtal zum Werkstein für den Bau von Burgen, Kirchen und Häusern, ja ganzen Stadtkernen wie dem mittelalterlichen Bozen. V zum primären Werkstein für den Bau von Burgen, Kirchen und Häusern, ja ganzen Stadtkernen wie dem mittelalterlichen Bozen. Dabei fand Porphyr aus Steinbrüchen ebenso Verwendung wie Geschiebe aus Moränen und Bachläufen oder Material aus Blockschutthalden. Bei der Errichtung der Bozner Laubengasse ab 1170/80 konnte das benötigte Baumaterial großteils kostengünstig aus der Grundmoräne und den Bachbetten von Eisack und Talfer entnommen werden. Auch für die Errichtung von Burg Maretsch ab 1230 bediente man sich dieser Quellen. So entstanden Mauern, die neben einigen kristallinen Blöcken durchwegs Porphyrsteine aus unterschiedlichen Formationen enthalten und daher ein interessantes Farbenspiel aufweisen.
Abbau und steigender Bedarf. Bereits im 15. Jahrhundert wurde die Nutzung von Steinbrüchen, beispielsweise für den Kirchenbau, vertraglich geregelt. Einer der ersten bekannten Betreiber von Porphyrbrüchen ist Jakob Kraushar aus Tramin. Er erhielt 1513 von Kaiser Maximilian I. die Erlaubnis, am Gellerberg zwischen Auer und Branzoll Porphyrplatten zu brechen und in der gesamten Grafschaft Tirol zu verkaufen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man aus sanitären Gründen, Straßen und Plätze innerhalb von Siedlungen zu pflastern. Für eine verbesserte Hygiene legte man Trottoirs an, um das Oberflächenwasser in Rinnsteinen entlang der Straßen und Häuser zu fassen und es über Kanäle abzuleiten. Porphyr und Granit waren dafür die geeignetsten Werksteine.
Im Trend. Die Errichtung der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichte den kostengünstigen Transport des Porphyrs über weite Strecken. Das führte dazu, dass Porphyr aus dem Südtiroler Unterland beispielsweise in Sterzinger Betrieben geschliffen und als „Sterzinger Porphyr“ gehandelt wurde. Die Verwendung von Porphyr lag nun im Trend und trotz seiner Härte und Körnigkeit diente er auch über die Grenzen hinaus vermehrt als Rohstoff für Grabsteine, Inschriftentafeln und Denkmalsockel, etwa für das Andreas-Hofer-Denkmal am Bergisel oder das Eduard-von-Grebmer-Denkmal in Bruneck. Aus Brüchen in Andrian stammen beispielsweise die Blöcke für das Andreas-Hofer-Denkmal in Meran oder für Teile des Gebäudes des Finanzministeriums in Wien. Im Kunsthandwerk und Kunstgewerbe entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Ansätze in der Verarbeitung von Werksteinen, die zu einer Entdeckung des Porphyrs als Werkstein für Fassaden, Tür- und Fensterlaibungen sowie Eckquaderverbindungen führte. Dies bezeugen etwa der Bau der Herz-Jesu-Kirche in Bozen, aber auch der Buckelquader als architektonisches Element bei der Errichtung von Bahnhöfen und anderen Eisenbahngebäuden.
Prägende Jahre. Die Nachfrage nach Porphyr stieg stark an und zahlreiche große Steinbrüche im Südtiroler Unterland wurden eröffnet. Ausschlaggebend war hierfür auch die Entwicklung leistungsfähiger Materialseilbahnen, die im gebirgigen Gelände allgemein eine unverzichtbare Voraussetzung für den Transport von Bergbauprodukten darstellten. Bis Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bestand eine blühende Porphyrindustrie im Raum zwischen Meran und Trient. Je nach Steinbruch unterschied sich der abgebaute Porphyr in seiner Qualität, Spaltbarkeit und durch die unterschiedliche Beschaffenheit. Ein Schwerpunkt des Porphyrbergbaus lag in der Gegend um Leifers und Branzoll. Noch 1968 war der aktive Porphyrbergbau im Unterland unübersehbar. „Mächtige Steinbrüche leuchten wie dem Berg frisch geschlagene Wundflächen aus der natürlichen Patina der Felskruste heraus“, war damals in der landeskundlichen Literatur zu lesen.
Nachhaltiger Baustoff. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts ging die Bedeutung des Porphyrabbaus im Südtiroler Unterland beständig zurück und der Werkstein wurde vom Beton verdrängt. Da die Herstellung und Verwendung von Beton jedoch sehr energieaufwändig ist und damit einen hohen CO2-Abdruck hinterlässt, kann die Verwendung von Porphyr im Sinne einer nachhaltigen Bauweise in Zukunft wieder an Bedeutung gewinnen.
at und ek
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