[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Ski heil, statt Ski verletzt!

22.12.2025

Eine neue Studie aus dem Krankenhaus Brixen zeigt, wie Unfälle auf Südtirols Skipisten entstehen und wie Skibegeisterte sie vermeiden können. Auch der Krankenhausbetrieb hat sich neu vorbereitet.

Eine aktuelle Studie des Südtiroler Sanitätsbetriebs zeigt, dass die meisten Skiunfälle auf mittelschweren Pisten passieren und meist aus Eigenverschulden. Ein Drittel der Verletzungen betreffen das Knie. (Foto: IDM)
Eine aktuelle Studie des Südtiroler Sanitätsbetriebs zeigt, dass die meisten Skiunfälle auf mittelschweren Pisten passieren und meist aus Eigenverschulden. Ein Drittel der Verletzungen betreffen das Knie. (Foto: IDM)

Ein sonniger Wintertag, perfekt präparierte Pisten, herrliches Bergpanorama. Trotzdem endet für viele der Skitag nicht mit guter Laune, sondern mit einer Verletzung im Krankenhaus. 579 verletzte Skifahrerinnen und Snowboarder wurden im Winter 2023/2024 allein im Krankenhaus in Brixen behandelt. Eine aktuelle Studie hat die Daten der verletzten Wintersportler und Wintersportlerinnen aus der Saison 2023/2024 ausgewertet. Das Ergebnis ist aufschlussreich für alle, die sicher durch die Skisaison kommen wollen.

Erfahrung hilft nicht immer. Dass sich ältere, erfahrene Skifahrer häufiger und schwerer verletzen, ist wohl eines der überraschendsten Ergebnisse. Vor allem Brüche treten bei ihnen überdurchschnittlich oft auf und machen Operationen nötig. Jüngere und weniger geübte Skifahrer hingegen verletzen sich häufiger die Bänder. Am häufigsten verletzt waren die Beine, vor allem am Knie, das bei rund einem Drittel aller Unfälle betroffen war.

„Die Daten können vor allem auch dazu beitragen, den Krankenhausbetrieb gezielt zu verbessern“, sagt Christian Schaller, Primar der Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Brixen. Das beginne bei der gezielten Vorbereitung des medizinischen Personals auf typische Verletzungen der Wintersaison und reiche bis zur besseren Planung von Ressourcen in den Notaufnahmen.

„Wir stellen uns mit unserem Team und den Operationsslots so auf, dass wir vor allem in den Urlaubszeiten dem erhöhten Bedarf gerecht werden“, erklärt Schaller. In erster Linie brauche es dafür mehr Personal, und dieses Personal müsse gerade auch in den Ferienzeiten viel arbeiten, erläutert der Primar. Eine Hilfe seien in den Urlaubszeiten auch die privaten Einrichtungen im Bereich, meint Schaller.

Vorbereitet losfahren. „Viele vergessen, dass Kondition, Kraft und Konzentration beim Skifahren immer wichtig sind. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete – wer sich also schon im Herbst ein- bis zweimal die Woche mit etwas Ausdauer- und Krafttraining und Gleichgewichtsübungen vorbereitet, fährt sicherer und hat mehr Spaß“, sagt Schaller. Auch Wandern, Tanzen, Laufen und Radfahren seien eine gute Vorbereitung.

Wer sich unsicher fühlt, sollte lieber eine Technikstunde bei einem Skilehrer oder einer Skilehrerin nehmen, denn kleine Korrekturen würden oft viel ausmachen, sagt Leo Zambon, Skilehrer in St. Ulrich. Er rät auch zum Aufwärmen: einfache Übungen wie lockeres Laufen, Hampelmänner oder Kniebeugen machen und für ein paar Minuten Arme und Beine kreisen seien schon hilfreich, so Zambon. Aufwärmen sollte man sich nicht nur vor dem Start, sondern auch nach der Pause in der Skihütte.

Fast die Hälfte der Skiunfälle auf roten Pisten. Zusammenstöße verursachten 13 Prozent der Verletzungen, Sprünge oder Müdigkeit rund sechs Prozent. Der Großteil der Verletzten, etwa 70 Prozent, gaben an, dass sie durch eigene Fahrfehler und nicht durch Einwirkung anderer gestürzt sind. Allerdings nicht so häufig auf den vielfach gefürchteten schwarzen und somit schwierigen Pisten, sondern meistens auf roten und damit mittelschweren Abfahrten. Insgesamt ereigneten sich fast die Hälfte der Unfälle dort. Viele Unfälle passierten in den ersten zwei Stunden des Skitages. „Gerade am Morgen sind die Muskeln und das Reaktionsvermögen oft noch nicht voll da“, sagt Schaller.
Auch das Wetter spielt kaum eine Rolle, im Gegenteil. Fast sieben von zehn Unfällen wurden bei sonnigem Wetter gezählt. Auch, ob der Schnee gut oder schlecht war, fiel kaum ins Gewicht. Das Alter und das Fahrkönnen sind allerdings Schlüsselfaktoren, das zeigte die Studie klar. Mit 61,3 Prozent beschreiben sich die meisten Verunfallten als „gute“ Skifahrer, ein Viertel als „Experten“ und nur 13,6 Prozent als Anfänger.

Unterschätzte Müdigkeit. Oft wird die körperliche Ermüdung unterschätzt, konnte die Studie aufzeigen. Zu Beginn der Saison sind viele Skifahrer und Skifahrerinnen häufig schlecht vorbereitet oder starten ohne Training in den Winter. „Wir sehen oft vermeidbare Verletzungen, die mit Vorbereitung nicht passiert wären. Wer stundenlag auf der Piste ist, braucht Ausdauer, Kraft und Körperspannung, sonst nimmt die Kontrolle beim Fahren schnell ab“, sagt Primar Schaller und rät dazu, bewusst Pausen zu machen und die Winterlandschaft zu genießen, ohne ständig dem nächsten Rekord an Tempo oder Abfahrten hinterherzufahren.

Genügend Schlaf und etwas weniger Tempo helfen. „Zusammenfassend zeigt die Studie deutlich, dass die meisten Unfälle nichts mit der Piste oder dem Wetter, sondern mit dem Skifahrer zu tun haben“, sagt Gesundheitslandesrat Hubert Messner. „Wer seine Grenzen kennt, regelmäßig Pausen macht und sich körperlich vorbereitet, schützt sich selbst am besten“, betont Messner, der selbst begeisterter Skifahrer ist. Wie die Studienautoren rät auch Messner zu mehr Bewusstsein und gezielter Vorbeugung. Schon kleine Maßnah-men können helfen: neben kurzen Aufwärmübungen ausreichend Schlaf, genügend Flüssigkeit und natürlich etwas Selbstdisziplin beim Tempo. Die Hauptausrüstung für sicheres Fahren bleibe der eigene Körper. Wer auf seinen Körper hört, hat in diesen Wochen Gelegenheit, in Südtirol schöne Wintertage zu genießen – hoffentlich ohne Gips oder Verband, dafür auf Skiern oder mit dem Snowboard.

san

Sie finden uns hier

Abonnieren

Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten

Jetzt bestellen

Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen

Abonnieren

Redaktion

Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)

Koordination: Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion: Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).


Kontakt

44. Agentur für Presse und Kommunikation
Landhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10