[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Wobi: Ein Institut im stetigen Wandel

05.12.2023

Im Gespräch mit Wobi-Präsidentin Francesca Tosolini geht es um die Rolle des Instituts für sozialen Wohnbau (Wobi) – eine Institution, die für das Land und die Bevölkerung Südtirols von grundlegender Bedeutung ist.

Wobi-Präsidentin Francesca Tosolini (Foto: Wobi)
Wobi-Präsidentin Francesca Tosolini (Foto: Wobi)

Frau Präsidentin, wie würden Sie jemandem das Wobi vorstellen, der oder die noch nie davon gehört hat? 

Das Institut für sozialen Wohnbau verwaltet mit seinen 13.468 Wohnungen und rund 30.000 Mieterinnen und Mietern sozusagen die drittgrößte Stadt Südtirols. Eine Stadt in all ihren Facetten, sowohl demografisch als auch sozial. Das Institut wurde gegründet, um den wirtschaftlich schwachen Bevölkerungsschichten Wohnraum zu bieten, heute hat sich unser Nutzerkreis verändert. 

Die Bandbreite der wirtschaftlichen Schwäche ist vielschichtiger: Große Familien mit geringem Einkommen wurden weniger, vermehrt gibt es bei uns Ein- oder Zweipersonenhaushalte mit mittlerem/geringem Einkommen. Bis vor Kurzem konnte diese Art von Familien leicht auf den privaten Markt ausweichen. Heute ist dies aufgrund des tiefgreifenden sozioökonomischen und demografischen Wandels nicht mehr möglich. Daher verzeichnen wir derzeit eine größere Anfrage vonseiten junger Menschen, wenngleich die Altersstruktur unserer Mietenden eher älter ist: Mehr als 6500 Vertragsinhabende sind über 65 Jahre alt, die meisten davon leben alleine, mehr als 300 sind über 90 Jahre alt, und etwa 70 Mieterinnen und Mieter über 65 Jahre leben mit einer Pflegeperson zusammen. Was die älteren Menschen betrifft, so wird im Jahr 2024 in Bozen im ehemaligen Arbeiterheim in Haslach ein Projekt umgesetzt, in dem 65 kleine, barrierefreie Wohnungen verwirklicht werden. 

Welche Neuerungen ergeben sich durch das Landesgesetz von 2022? 

Sowohl im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen als auch auf ältere Menschen können wir barrierefreie Wohnverhältnisse sicherstellen. Mit dem Landesgesetz "Öffentlicher und sozialer Wohnbau" wurden Modelle des Cohousing und des generationenübergreifenden Wohnens vorgesehen, derzeit sind jedoch noch keine Projekte in Umsetzung. Mittelfristige Projekte betreffen die Ausdehnung des jungen Wohnens – ein Projekt dazu wird in Leifers umgesetzt, wo demnächst in der Zone Toggenburg die erste Ausschreibung für Wohnraum speziell für junge Menschen gestartet wird. Es handelt sich um ein innovatives, nachhaltiges Mietprojekt mit 15 Wohnungen für junge Menschen und junge Paare bis 35 Jahre. In einem Neubau wurde ein Teil der Wohnungen bereits zum Sozialmietzins auf der Basis der Rangordnung vergeben, ein Teil wird jedoch im Rahmen der Richtlinien zum jungen Wohnen zugeteilt. Wir wollen dieses innovative Modell dank des neuen Landesgesetzes in weitere Gemeinden bringen, um ein schnelleres und wirksameres Handeln in diesem Bereich zu ermöglichen. 

Wie würden Sie die Herausforderungen der kommenden Jahre umschreiben? 

In den nächsten 10 Jahren haben wir wichtige Ziele zu erreichen, nicht nur in Bezug auf unsere Performance, sondern auch im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Umwelt, sowohl bei Neubauten als auch bei der Renovierung und Wiedergewinnung bestehender Gebäude. Wir werden dabei ein wirtschaftliches Gleichgewicht finden müssen, wobei der Kontext schwieriger sein wird und der Schwerpunkt auf der architektonischen Qualität, ebenso wie auf der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der Lebensqualität der Mieterinnen und Mieter liegen wird. 

Auf gesamtstaatlicher Ebene gelten wir als Vorreiter in diesem Bereich. Die Leute kommen aus anderen Regionen, um zu sehen, was wir tun. Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich mit der KlimaHaus-Agentur zusammen und erhielten 2020 eine begehrte Auszeichnung im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit für das Projekt "Sinfonia", das in Bozen in der Similaunstraße, Cagliaristraße, Palermostraße und Mailandstraße in Abstimmung mit der Agentur umgesetzt wurde. Hervorzuheben ist auch die beträchtliche wirtschaftliche Wertschöpfung, welche die Wobi-Tätigkeiten für die lokale Wirtschaft der kleinen und mittleren Unternehmen bewirken. 

Das Wobi ist auch dabei, die technischen Kriterien für Neubauten sowie für die Instandhaltung, für die energetische Sanierung und für die Renovierung von Wohnungen neu zu formulieren. Dafür werden etwa 20-25 Prozent der vom Institut gebundenen Mittel verwendet. Jährlich werden rund 5000 Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Wir legen nach wie vor Wert auf die Renovierung unseres Bestandes, verfolgen aber gleichzeitig ein ehrgeiziges Neubauprogramm. Jedes Jahr werden etwa 400 Wohnungen aus verschiedenen Gründen frei. Rund 250 Wohnungen werden derzeit renoviert, 170 Wohnungen sind bezugsfertig. Für mich ist klar, dass unser Auftrag nie vollständig abgeschlossen werden kann, da die Nachfrage das Angebot immer übersteigen wird. Ich möchte jedoch betonen, dass es vielfältige Herausforderungen gibt, denen wir unser vollstes Augenmerk widmen.


fg/ck

Sie finden uns hier

Abonnieren

Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten

Jetzt bestellen

Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen

Abonnieren

Redaktion

Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)

Koordination: Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion: Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).


Kontakt

44. Agentur für Presse und Kommunikation
Landhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10