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Auf ins Museum!

27.09.2024

Die Vorbereitungen für das Euregio-Museumsjahr 2025 laufen auf Hochtouren. Über 25 Projekte in den drei Ländern bringen die Zeit der Bauernkriege, aber auch aktuelle Umbrüche ins Museum und zu den Menschen.

Spuren des Bauernaufstandes von 1525: Michael Gaismair stürmte die Brixner 
Hofburg, am Eingangstor sind heute noch die Einschusslöcher zu sehen. (Foto: Hofburg Brixen)
Spuren des Bauernaufstandes von 1525: Michael Gaismair stürmte die Brixner Hofburg, am Eingangstor sind heute noch die Einschusslöcher zu sehen. (Foto: Hofburg Brixen)

Eine ländliche Wirtsstube im beginnenden 16. Jahrhundert. Hier trafen Menschen unterschiedlichster sozialer Schichten aufeinander: Adelige wechselten auf der Durchreise die Pferde und stärkten sich mit einer Mahlzeit, einfache Bauern tranken ein Glas Wein und spielten Karten. Es wurde diskutiert, Neuigkeiten ausgetauscht, Gerüchte machten die Runde. „Am Wirtshaus, an diesem wichtigen Umschlagplatz von Menschen und Meinungen, möchten wir die unruhige, aber faszinierende Zeit der Bauernkriege hör- und sichtbar machen“, erzählt Alexandra Untersulzner, Direktorin des Südtiroler Landesmuseums für Volkskunde in Dietenheim bei Bruneck. „Welche waren die Themen der Zeit, wie funktionierte damals Kommunikation – um diese Fragen geht es“, so Untersulzner. „gewisper – gerüchte – geschreӱ. Wirtshaus und Bauernkrieg 1525“ ist der Titel der Sonderausstellung, für die als Partner das Stadtarchiv Bruneck fungiert und die ab Mai 2025 auf dem Areal des ältesten Südtiroler Landesmuseums zu sehen sein wird. 

25 Museumsprojekte in drei Ländern. Die Ausstellung ist eines von rund 25 Museumsprojekten in Südtirol, in Tirol und im Trentino, die im kommenden Jahr am Euregio-Museumsjahr 2025 teilnehmen werden. 500 Jahre nach dem Bauernkrieg in den Alpenländern im Jahr 1525 geht es um das Gedenken an den aus Sterzing stammenden Bauernführer Michael Gaismair und an diese prägende Zeit: Im Zuge des Bauernaufstandes wehrten sich auch die Bauern und Bergknappen in Tirol gegen die adelige und kirchliche Vorherrschaft. „Darüber hinaus geht es aber vor allem auch um eine Übersetzung der damaligen sozialen Ungleichheiten und gesellschaftlichen Umbrüche in die Lebensrealität von heute“, unterstreicht Andreas Eisendle, Projektleiter des EVTZ „Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“ für das Euregio-Museumsjahr 2025. „Also um Fragen wie: Welche sozialen Spannungen und Konflikte prägen unsere Gegenwart? Birgt jede Krise auch Chancen? Wie können wir eine gerechtere Gesellschaft gestalten?“ Was damals der Buchdruck war, der vieles verändert hat, sei heute die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz, so Eisendle. 

Nach dem Museumsjahr 2021 unter dem Motto „Museum bewegt“ handelt es sich um die zweite Ausgabe des Euregio-Museumsjahres. Ihm zugrunde liegt eine Ausschreibung der Euregio und der zuständigen Einrichtungen der drei Länder - Landesamt für Museen und museale Forschung, Abteilung Kultur der Tiroler Landesregierung und Servizio Attività culturale der Autonomen Provinz Trient, an der zahlreiche Museen, Sammlungen und Museumsvereinigungen aller drei Landesteile teilgenommen haben. 

Museales und mehr. „Das Ziel ist es, das ausgerufene Thema ‚Bauernkriege‘ für die breite Öffentlichkeit so abwechslungs- und facettenreich wie möglich auszugestalten und hierfür auch Museen, die sich nicht vorrangig mit der Aufarbeitung von historischen Themen befassen, in das große Projekt einzubinden“, bringt es Angelika Fleckinger, Direktorin der Südtiroler Landesmuseen, auf den Punkt. 

Dadurch wird es beispielsweise möglich, die zeitgenössische Kunst einzubringen, die Klimakrise in der Pflanzen- und Tierwelt zu thematisieren, Geschichten über Widerstand und Gerechtigkeit in anderen Epochen und Teilen der Welt zu erzählen. Die Liste der teilnehmenden Museumsprojekte in Tirol, Südtirol und dem Trentino birgt viel Überraschendes: So wird das Stadt- und Multschermuseum in Sterzing das Theaterstück „Den Aufstand proben“ auf die Bühne bringen und dabei die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen oder das Palais Mamming Museum in Meran ein Kartenspiel zu den Tiroler Bauernaufständen präsentieren. „Das Euregio-Museumsjahr geht weit über das Museale hinaus“, unterstreicht Andreas Eisendle. Zum Ziel gesetzt habe es sich zudem, den Wissenstransfer zwischen den Museen in der Euregio zu fördern und die Museumslandschaft in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino besser sichtbar zu machen. 

Startschuss am 29. März 2025. Der offizielle Startschuss für das Themenjahr fällt am 29. März 2025 in der Brixner Hofburg. Und damit an einem Schauplatz des Tiroler Bauernkriegs. „Michael Gaismair stürmte mit seinen Leuten die Hofburg. Am Eingangstor sind heute noch die Einschusslöcher und damit die Spuren des Bauernaufstandes von 1525 zu sehen“, berichtet der Direktor des Diözesanmuseums Peter Schwienbacher. Gaismair stammte aus einer Sterzinger Bauern- und Bergbaufamilie, er arbeitete für Landeshauptmann Leonhard von Völs und als Schreiber für den Erzbischof von Brixen, bevor er sich den Aufständischen anschloss und zu deren Hauptmann wurde. Sein Wirken im Raum Brixen, die gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche und Aufbrüche werden in einer Sonderausstellung zum Euregio-Museumsjahr in der Hofburg gezeigt, während im zeitgenössischen Teil der Ausstellung die Künstler Robert und Johannes Bosisio eine Brücke zu gegenwärtigen Konflikten, Spannungen und Krisen schlagen. 

Austausch zwischen den Museen. Dass das Thema breit gefasst ist und somit mit einer Fülle von Blickwinkeln unterschiedlich beleuchtet werden kann, ist ein Kennzeichen des Euregio-Museumsjahres 2025. Ein weiteres ist, dass große wie kleine Museen, Landesmuseen wie private Trägervereine daran beteiligt sind. Marlene Messner ist die Geschäftsführerin des Museumsverbandes Südtirol, der 54 mittlere und kleinere Museen, Sammlungen und Ausstellungsorte in Südtirol vertritt. Als Historikerin kann sie der Figur Michael Gaismair viel abgewinnen: „Als Revolutionär hat er gängige Wege verlassen. Die Öffnung, die er gebracht hat, hat große historische Bedeutung.“ Positiv am Euregio-Museumsjahr seien vor allem der Austausch und die Kooperationen zwischen den Museen und den Ländern und die zahlreichen Momente der Öffentlichkeit, die im Laufe des Jahres geschaffen werden. „Es ist uns ein Anliegen, dass wir uns als Museumsland Südtirol gut präsentieren“, unterstreicht Messner. Und: „Wichtig ist uns dabei nicht so sehr der touristische Aspekt, sondern das, was wir als Museen in diesem Jahr für die Bewohner und Bewohnerinnen der gesamten Euregio leisten können.“ 

Blick über die Grenzen. Viele Projekte im Euregio-Museumsjahr 2025 schauen über den Tellerrand hinaus und arbeiten grenzübergreifend zusammen. Das „Museum ora et labora“ im Kloster Marienberg im oberen Vinschgau etwa präsentiert eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Alpinarium Galtür im Tiroler Paznauntal. „Die Ausstellungen sind so konzipiert, dass sie sich gegenseitig ergänzen, die Besucherinnen und Besucher sollen dadurch motiviert werden, beide Ausstellungen zu besichtigen“, erklärt Museumsleiterin Sara Fliri. „Die Umstürze im frühen 16. Jahrhundert möchten wir vergleichbar machen mit den Umbrüchen unserer Zeit. Es ist uns daher ebenso wichtig, Brücken vom Gestern zum Morgen zu ziehen, das erklärt auch den Ausstellungstitel ‚Zwischen Gestern und Morgen. Galtür und Marienberg‘.“ Eine Besonderheit sind Ausschnitte aus einem 45-minütigen Dokumentarfilm, der im Sommer auf dem „Zinsweg“, dem historischen Verbindungssteig zwischen Marienberg und Galtür, aufgenommen wurde. Er veranschaulicht den topografischen Verlauf der alten Handels- und Verkehrsroute und lädt – wie das gesamte Euregio-Museumsjahr 2025 – dazu ein, Grenzen zu überwinden. 


mpi

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