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Bildung im Dialog

22.10.2026

Ein partizipativer Prozess soll hochwertige Bildung in Südtirol sichern und die Rahmenbedingungen für alle, die in der Bildung tätig sind, verbessern. Der Dialog dazu ist gestartet und wird weitergeführt.

Zuhören und Inputs sammeln, wie im Bild bei einem der Bezirkstreffen im Frühjahr 2026, sind ein wesentlicher Teil des Bildungsdialogs. (Foto: Andreas Senoner)
Zuhören und Inputs sammeln, wie im Bild bei einem der Bezirkstreffen im Frühjahr 2026, sind ein wesentlicher Teil des Bildungsdialogs. (Foto: Andreas Senoner)

Der Bildungsdialog ende nicht an diesem 18. September, hieß es zum Abschluss der Großveranstaltung in der Messe Bozen. Vielmehr sei er ein Prozess, der fortgeführt werden solle und in dem eines nicht verloren gehen dürfe: miteinander reden und konkrete Schritte daraus ableiten. Denn schließlich gehe es nicht um wenig: Es gehe um „faire Chancen für alle Kinder in unserem Land“, fasste Bildungslandesrat Philipp Achammer vor rund 700 Anwesenden zusammen.

Zuhören. Wie war es zu diesem Prozess gekommen? Begonnen hat der Bildungsdialog im Herbst 2025. Damals erging der Aufruf an alle Mitarbeitenden der deutschsprachigen Bildungswelt in Südtirol, sich an einer Online-Impulsbefragung zu beteiligen. Gefragt wurde, wie sich Unterricht und Verwaltung in Kindergärten und Schulen vereinfachen und verbessern lassen. 1383 Rückmeldungen gingen bis zum Jahresende ein.

„Unser Fokus liegt darauf zu ermitteln, welche Rahmenbedingungen geschärft werden müssen, um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu stärken“, erklärte Bildungsdirektor Gustav Tschenett im März 2026. Zunächst aber galt es, die Ergebnisse der Impulsbefragung zu sichten, zu ordnen und zu gewichten.

Diese Aufgabe übernahm eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe. Ihr gehörten jeweils eine Lehrperson aus Grund-, Mittel- und Oberschule, aus dem Berufsbildungszentrum, der Musikschule und dem Kindergarten an, alle durch das Landesstatistikinstitut ASTAT per Zufallsstichprobe ausgewählt. Hinzu kamen Vertretungen der Gewerkschaften, der Schulführungskräfte und der Bildungsdirektion sowie die Vorsitzenden der Lehrerverbände KSL und ASM.

Aus den Rückmeldungen entstand ein Maßnahmenkatalog, mit kurz-, mittel- und langfristigen Handlungsempfehlungen, der im Mai 2026 in sieben Südtiroler Bezirken diskutiert wurde. Durch interaktive Elemente wurde bei den Treffen eine Feedbackschleife für die insgesamt 300 Teilnehmenden über Abstimmungsmöglichkeit mit Klebepunkten und Rückmeldungen auf Postkarten geschaffen. Im Herbst 2026 folgte die Veranstaltung „Bildungsdialog“ in Bozen, bei der unter anderem der ausgearbeitete Impulsplan übergeben wurde.

Handeln. Doch was steht im Impulsplan drin? Die Rückmeldungen zeichnen ein deutliches Bild. Besonders häufig genannt wurden der Bedarf an mehr Personal und Ressourcen mit 41,4 Prozent sowie der Wunsch nach mehr Zeit für pädagogische Aufgaben mit 40,6 Prozent. 26,2 Prozent der Nennungen betrafen den Abbau von Bürokratie, 25,7 Prozent einheitliche digitale Systeme. Auch eine stärkere Sprachförderung sowie zusätzliche Unterstützung bei Integration spielten mit 16,6 Prozent bzw. 16,1 Prozent eine wichtige Rolle.

Lehrpersonen und Kindergartenpersonal erleben Verwaltung und Dokumentation als Belastung. Der Impulsplan setzt deshalb bei den Abläufen an. Die digitale Unterschrift soll eingeführt, die LASISAdresse als solche anerkannt werden. Ansuchen und Formulare sollen künftig zentral über die Intranetseite myNet-Bildung abrufbar sein. Dadurch könnten Papierformulare, Ausdrucke und mehrfache Dateneingaben reduziert werden.

Auch für Familien sind Verbesserungen vorgesehen: Eigenerklärungen der Eltern könnten künftig bis auf Widerruf gelten, statt jedes Jahr erneut eingereicht zu werden. Einschreibungsdaten wiederum sollen Kindergärten in bearbeitbarer Form zur Verfügung gestellt werden. Was technisch unspektakulär klingt, berührt im Alltag eine der zentralen Forderungen des Dialogs: Zeit dort freizumachen, wo sie durch vermeidbare Routineaufgaben gebunden wird. 

Der Schwerpunkt des Impulsplans liegt auf der personellen Ausstattung. Die Rückmeldungen nennen zusätzliche Ressourcen für Kinder und Jugendliche mit klinischem Befund. Schulen und Kindergärten sollen außerdem in komplexen Situationen kurzfristig weiteres Personal erhalten können, etwa über eigene Stundenpakete.

Besonders wichtig für den Schulalltag ist die Forderung nach verstärktem Teamunterricht. Unterrichten zwei Lehrpersonen gemeinsam, lassen sich die Schülerinnen und Schüler gezielter begleiten; es bleibt mehr Zeit für Differenzierung und Unterstützung, und Lehrpersonen werden entlastet. Gleichzeitig sollte das Wahlfach schrittweise abgeschafft werden. Die dadurch frei werdenden Ressourcen könnten unmittelbar den Schulen zugutekommen, beispielsweise für mehr Teamunterricht.

Weitere Empfehlungen betreffen die Begabungs- und Begabtenförderung. Talente sollen früh erkannt und gezielt gefördert werden, damit nicht nur Kinder mit Schwierigkeiten Unterstützung erhalten, sondern auch besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Mittelfristig wird zudem eine allgemeine Personalaufstockung angestrebt.

Ergänzend sollen Fachkräfte wie Psychologinnen und Psychologen, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Logopädinnen und Logopäden näher an Schulen und Kindergärten heranrücken. Für Familien könnten dadurch Wege kürzer und Hilfen bei Lern-, Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten schneller erreichbar werden. Zudem sollen die Wartezeiten beim Psychologischen Dienst verkürzt werden. Angestrebt werden auch mehr pädagogische Gestaltungsfreiheit und eine angemessene Entlohnung.

Hinter den einzelnen Vorschlägen steht ein gemeinsamer Gedanke: Das Bildungspersonal soll wieder mehr Zeit für mehr pädagogische Gestaltungsfreiheit haben, während Kinder und Jugendliche von besseren Lern- und Förderbedingungen profitieren.

Dranbleiben. Und was geschieht nun mit all den Anregungen und Vorschlägen? Diese Frage gehörte bereits in den Bezirksrunden zu den häufigsten Rückmeldungen und lässt sich im Impulsplan nachlesen. Sie wurde auch Bildungslandesrat Philipp Achammer bei der Veranstaltung Mitte September in Bozen gestellt: „Wir lassen uns daran messen, wie wir die Punkte des Impulsplanes umsetzen. Wir müssen für die Bildung in diesen Zeiten zusammenrücken, es braucht einen konstruktiven Schulterschluss“, antwortete er.

Konkret wird der Bildungsdialog mit einem regelmäßigen Austausch zwischen Bildungsdirektion, Bildungsressort und den Lehrpersonen sowie dem Kindergartenpersonal fortgesetzt.

ck

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