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Respekt hat viele Facetten

22.10.2026

Ob in der Natur oder im Umgang mit jungen Menschen – für Klaus Bliem und Florian Ploner beginnt Respekt bei kleinen, bewussten Handlungen.

Klaus Bliem ist es wichtig, achtsam in der Natur zu sein und auf Mensch und Tier Rücksicht zu nehmen. (Foto: AVS/Judith Egger)
Klaus Bliem ist es wichtig, achtsam in der Natur zu sein und auf Mensch und Tier Rücksicht zu nehmen. (Foto: AVS/Judith Egger)

Klaus Bliem ist Förster und Referatsleiter für Natur und Umwelt im Alpenverein Südtirol. Florian Ploner arbeitet im Jugendzentrum Lana und begleitet dort junge Menschen im Alltag. Zwei unterschiedliche Bereiche und doch eine gemeinsame Haltung: Respekt ist etwas, das täglich gelebt wird.

Herr Bliem, was bedeutet Respekt in der Natur für Sie?

Klaus Bliem: Das Wichtigste ist eigentlich ganz einfach: den eigenen Müll wieder mitnehmen und nichts liegen lassen. Wenn man volle Flaschen oder Essen mit hinaufträgt, dann hat der leere Rucksack auch Platz für das, was übrigbleibt. Das gehört zum guten Ton. Wir bewegen uns draußen im Lebensraum der Tiere. Es ist sozusagen ihr Wohnzimmer – und dementsprechend sollten wir uns verhalten. Dazu gehört, auf den Wegen zu bleiben, Hinweisschilder zu beachten und Hunde an der Leine zu halten. Besonders im Winter ist das wichtig, weil man sonst das Wild stört.

Und wie zeigt sich Respekt gegenüber anderen Menschen in der Natur?

Klaus Bliem: Auch im Miteinander. Wanderer, Radfahrer – alle teilen sich denselben Raum. Da hilft es, Rücksicht zu nehmen. Vielleicht einmal absteigen, vielleicht einmal zur Seite gehen. Und wenn man sich grüßt, einen guten Tag wünscht, dann beginnt es eigentlich schon.

Herr Ploner, Sie arbeiten täglich mit Jugendlichen. Wie erleben Sie Respekt in diesem Bereich?

Florian Ploner: Oft wird Jugendlichen vorgeworfen, sie seien respektlos. Das sehe ich so nicht. Im Gegenteil: Viele achten sehr genau darauf, wie miteinander umgegangen wird. Sie orientieren sich stark an dem, was sie sehen, vor allem an Erwachsenen. Ich habe viele Beispiele erlebt, wo Jugendliche sich freiwillig für andere einsetzen, für Gleichaltrige oder für ältere Menschen. Das zeigt, dass Respekt und Hilfsbereitschaft sehr wohl vorhanden sind.

Was ist im Umgang mit Jugendlichen besonders wichtig?

Florian Ploner: Gerade in der Pubertät probieren sich viele Jugendliche aus. Das betrifft ihr Verhalten, ihr Aussehen, ihre Persönlichkeit. Wenn jemand etwas anders macht – etwa beim Kleidungsstil oder Haarschnitt –, dann sollte man das respektieren. Man kann nachfragen, Interesse zeigen, aber nicht sofort urteilen. Wichtig ist auch, dass wir Erwachsene Verständnis haben. Jugendliche sind in einer Phase, in der sie ihre Gefühle noch nicht immer kontrollieren können. Das kann manchmal herausfordernd sein, aber es gehört dazu. Oft sind sie im nächsten Moment wieder ganz anders. 

Was können wir alle im Alltag tun, um mehr Respekt zu zeigen?

Klaus Bliem: In der Natur achtsam sein, Rücksicht nehmen und sich bewusst machen, dass man nicht allein unterwegs ist.

Florian Ploner: Und im Umgang miteinander kleine Gesten nicht unterschätzen. Ein Lächeln, ein freundliches Wort – das hat oft mehr Wirkung, als man denkt. Es geht darum, sich im richtigen Moment zu fragen: Wie will ich mich verhalten? Denn genau in diesem Moment entsteht Respekt. Am Ende zeigt sich Respekt nicht in großen Worten, sondern in vielen kleinen Entscheidungen, draußen in der Natur genauso wie im täglichen Zusammenleben.

kat

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