Der Innovationsschub für Südtirol
Vom Wasserstoff-Zentrum über grüne Busse und Züge, vom Bürgernetz myCIVIS über Kitas, Kindergärten und Schulanlagen – Südtirol ist durch den PNRR vorangekommen.
1,74 Milliarden Euro, 4610 Projekte, vier Jahre reguläre Umsetzzeit: Um den staatlichen Aufbau- und Resilienzfonds PNRR so gut wie möglich zu nutzen, musste auch Südtirol auf die Turbotaste drücken. Letztendlich hat sich der Aufwand gelohnt.
Es war Frühjahr 2020, als Italien als erstes Land der EU massiv von der Covid-Pandemie und den Lockdowns getroffen wurde. Mit 194,4 Milliarden Euro sprach die EU dem Land dann auch den weitaus größten Teil des historischen Konjunkturpakets NextGenerationEU (NGEU) zu. Umgesetzt wurde der Plan dann als PNRR („Pia-no Nazionale di Ripresa e Resilienza“). Südtirol hat von der Gesamtsumme, die Italien zugesprochen wurde, anteilsmäßig knapp einen Prozent erhalten. Die 1,74 Milliarden Euro, deren Einsatz von der PNRR-Taskforce des Landes Südtirol koordiniert wurde, sind die größte Summe, die dem Land jemals von staatlicher oder europäischer Seite zugeteilt wurde. „Wenn wir einen Vergleich mit den EU-Strukturfondsprogrammen ziehen, die jeweils sieben Jahre laufen, erreichen diese zusammen nicht einmal die Hälfte der Summe, die über den PNRR nach Südtirol geflossen ist“, ordnet Peter Gamper, Leiter der PNRR-Taskforce des Landes Südtirol, ein.
Viel Lob, aber auch Kritik. Zweifelsohne habe der PNRR einen starken Innovations- und Beschleunigungsschub mit sich gebracht, steht für Gamper fest. Viele Projekte, die bereits in der Pipeline der öffentlichen Verwaltungen standen, hätten durch die Verfügbarkeit finanzieller Mittel früher und schneller umgesetzt werden können. „Einige innovative Konzepte hingegen wurden über die PNRR-Vorgaben in Südtirol erst richtig bekannt. Ich denke dabei an Themen wie Agriphotovoltaik, Energiegemeinschaften oder einige der Reformen im Gesundheitswesen“, schildert Gamper. Hier habe der Aufbau- und Resilienzfonds als Ideentreiber gewirkt und durch den zeitlichen Druck manchmal auch mutige Veränderungen möglich gemacht.
Trotz der immensen Möglichkeiten, die der PNRR bot, gab es auch Kritik am Aufbauprogramm: zu bürokratisch, zu zentralistisch abgewickelt, mit zu viel Zeitdruck verbunden. „Mit Sicherheit mussten die umsetzenden Akteure, zum Beispiel Gemeinden, Kräfte bündeln und ihre Energie intensiv in die Verwirklichung der Projekte stecken“, bestätigt Gamper. Letztendlich habe die öffentliche Verwaltung auch viel an Know-how da-zugewonnen. Mit dem italienweiten Spitzenwert an abgeschlossenen Projekten von nahezu 80 Prozent Ende Juli habe Südtirol bewiesen, dass es imstande war, diese wohl einmalige Chance am Schopf zu packen. Auch die zum Teil lediglich formell noch nicht gänzlich abgeschlossenen Vor-haben sollen bis Ende des Jahres vollendet sein. „Ich bin überzeugt, dass wir auch diese gut abschließen und den Vergleich mit anderen Provinzen und Regionen jedenfalls nicht scheuen müssen“, schließt Gamper.
Eine Übersicht über die Projekte in Südtirol bietet das Abschluss-Dossier der PNRR Taskforce: https://assets-eu-01.kc-usercontent.com/bcebb4a7-48c6-010f-23f5-2a0876a4748e/42d99575-d449-41a5-90d7-6450ad691f3f/ALT_Dossier_DE_2026.pdf
Weitere Infos: https://europa.provinz.bz.it/de/nextgenerationeu-pnrr-in-suedtirol
pir
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