Die Mäharbeiter
Sie pflegen die Ufer: Rund 150 Schafe weiden seit Wochen unter der Aufsicht von zwei jungen Hirten und mehreren Hunden an der Etsch zwischen Salurn und Pfatten.
Kurz vor Weihnachten haben sie ihre Arbeit aufgenommen: An die 150 Schafe und ein paar wenige Ziegen beweiden das Etschufer im Abschnitt zwischen Salurn und Pfatten, rund um die Uhr begleitet und betreut von einem Hirten und einer Hirtin mit Unterstützung mehrerer Hunde. Die Schafherde bleibt voraussichtlich bis etwa Ende Mai auf dem Etschdamm. Über die Sommermonate kommen die Tiere auf eine Alm.
„Die Idee, Schafe an die Ufer der Etsch zu bringen, ist nicht neu“, erläutert Thomas Thaler, Direktor des Landesamtes für Wildbachverbauung Süd in der Agentur für Bevölkerungsschutz: „Schon seit längerem hat sich die Wildbachverbauung damit befasst, auch andere Ämter und Interessensvertreter haben ein solches Projekt immer wieder angeregt. Nachdem ein erster Projektanlauf im Vorjahr am Umfang, an der Komplexität und den Kosten gescheitert ist, konnte das Projekt in einem kleinen Rahmen starten. Jetzt wird es bis nach Lana zur Falschauermündung ausgeweitet.“
Lebende Rasenmäher. Die Schafe ergänzen die meist maschinell durchgeführten Mulch- und Pflegearbeiten. „Die ,lebenden Rasenmäher‘ werden die herkömmlichen Pflegemaßnahmen nicht vollständig ersetzen, stehen aber für einen naturnäheren und extensiveren Ansatz der Pflege der Dämme“, unterstreicht Amtsdirektor Thaler: „Sorgfältig durchgeführte extensive Beweidung wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus und sorgt für eine dichte, möglichst lückenlose Grasnarbe. Dies ist bereits seit geraumer Zeit bekannt, so sind etwa im Norden Europas Schafe auf den Deichen keine Seltenheit.“
Die Auswirkungen der Beweidung auf dem Etschdamm, vor allem im Hinblick auf Trittschäden, werden von der Wildbachverbauung laufend kontrolliert, berichtet Thaler, die Folgen für die Vegetation werden zusätzlich von einer eigens beauftragten Expertin untersucht. Die Herausforderungen des Projektes seien vielfältig, weist er hin: Bedenken gab es außer in Bezug auf Trittschäden oder kahle Stellen am Damm auch wegen eines möglichen Abschälens der Rinde der Bäume an den Etschufern. Dies lasse sich allerdings bei sachgemäßer Beweidung und Bewachung der Schafe weitgehend vermeiden.
„Die Dämme der Etsch sind als Bauwerke zwar eher unscheinbar, garantieren allerdings den Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser und dürfen daher in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden“, hebt er hervor.
Zahlreiche Herausforderungen. Anders als die Weideflächen der Almen oder die großen Deiche der Nordsee sind die Weideflächen an den Etschdämmen meist schmale, steile Böschungstreifen und werden immer wieder von Straßen und Infrastruktur gekreuzt. Dies stellt für die Beweidung und Bewachung der Schafe und insbesondere für die Hirtin und den Hirten eine zusätzliche Herausforderung dar. Zudem gelte es, die zahlreichen anderen Interessensgruppen auf der Etsch zu berücksichtigen, etwa Bauern, Spaziergänger, Hundebesitzer, Radfahrer, Angler, weiß Thomas Thaler. Und auch veterinärmedizinische Aspekte sind bei der Transhumanz ein Thema, wie sich herausgestellt hat.
„All diese Gesichtspunkte werden derzeit geprüft, und es wird sich zeigen, ob sich Schafe auf den Etschdämmen längerfristig bewähren und das Projekt fortgeführt werden kann“, unterstreicht der Amtsdirektor.
In der Zwischenzeit zieht die Schafherde weiter. Der Weg der Etsch entlang ist noch weit.
mac
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