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Eine Reise ins Innere der Erde

17.04.2025

Mitten durch den Berg vom Passeiertal bis nach Ridnaun: Hier bauten Bergleute einst wertvolle Rohstoffe ab und machten das Schneeberger Bergwerk zu einem der bedeutendsten der Donaumonarchie.

Unterm Schneeberg: Vom Mundloch des Karl-Stollens im Passeiertal können Interessierte die Gebirgskette auf einer Strecke von rund sechs Kilometern durchqueren und den Berg im Ridnauntal wieder verlassen. (Foto: LPA/Alan Bianchi)
Unterm Schneeberg: Vom Mundloch des Karl-Stollens im Passeiertal können Interessierte die Gebirgskette auf einer Strecke von rund sechs Kilometern durchqueren und den Berg im Ridnauntal wieder verlassen. (Foto: LPA/Alan Bianchi)

Der Schneeberg im Passeiertal war im 20. Jahrhundert eines der höchstgelegenen Bergwerke Europas. Die Geschichte dieses Bergwerks reicht allerdings viel weiter zurück. 

Schätze im Boden. Bereits 1237 ist in schriftlichen Aufzeichnungen erstmals vom Schneeberger Feinsilber die Rede. Damals hatten es die Bergknappen vor allem auf das Silber abgesehen, das im Bleierz enthalten war. Das Haupterz am Schneeberg hingegen, die Zinkblende, wurde bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als unbrauchbares Begleitmineral ausgeschieden auf die Halden gekippt. 

Im Industriezeitalter entdeckte man den Wert dieses Zinkerzes, das für ein erneutes Aufblühen des Bergbaus am Schneeberg sorgte. Das staatlich betriebene Bergwerk entwickelte sich ab 1869 zu einem der bedeutendsten Bergwerke in der gesamten Donaumonarchie. Waren zunächst Silber, später dann Blei und Zink die Reichtümer des Schneebergs, kam im 20. Jahrhundert Cadmium hinzu. Cadmiumlagerstätten waren rar und das an sich giftige Metall war in der chemischen Industrie begehrt. Bis 1979 bauten Bergleute auf einer Meereshöhe von 2.000 bis 2.600 Metern Blei- und Zinkerze ab. Die Bergbautätigkeit hinterließ ein Grubengebäude – so nennt man das Stollensystem im Bergbaujargon – von gewaltigen Ausmaßen: Zwischen dem Ridnaun- und dem Passeiertal erstreckt es sich auf einer Fläche von über fünf Quadratkilometern und mit einer Gesamtlänge von rund 150 Kilometern. Ursprünglich waren es etwa 27 Niveaus mit einer Gesamthöhe von 600 Metern, die mit Schrägaufzügen miteinander verbunden waren. Ein großer Teil dieses Labyrinths ist heute leider unzugänglich oder aus Sicherheitsgründen gesperrt. 

In völliger Dunkelheit. Was vom Schneeberger Grubengebäude allerdings zugänglich ist, hat es in sich: Vom Mundloch des Karl-Stollens im Passeiertal können Interessierte die Gebirgskette auf einer Strecke von rund sechs Kilometern durchqueren und den Berg im Ridnauntal wieder verlassen. Dabei gewähren die verschiedenen Gesteinsabfolgen einen Einblick in die Geologie. Es kann auch die eigentliche, offen liegende Erzader mit den Begleitmineralien wie Granat und Tremolit bewundert werden. Enge und feuchte Stollenabschnitte wechseln sich mit großen, hohen Abbaukammern ab. Unter Tage herrscht völlige Dunkelheit, die nur während der Führungen von den Stirnlampen der Teilnehmenden für kurze Zeit unterbrochen wird. Die Besuchenden gewinnen hier einen tiefen und nachhaltigen Eindruck von den Mühen und Gefahren, denen die Bergarbeiter im Inneren des Berges begegnen mussten. Neben den Erläuterungen der Museumsmitarbeitenden sind es auch Fühlen und Riechen, der Klang der eigenen Stimme tief im Gebirge und das facettenreiche Schimmern der verschiedenen Gesteinsschichten, die zum Bergwerkerlebnis beitragen. 

Zu Fuß und mit der Grubenbahn. Von den sechs Kilometern werden 2,5 zu Fuß zurückgelegt und 3,5 mit der Grubenbahn bewältigt. Die Besichtigung macht 300 Jahre Bergbaugeschichte lebendig: Sie reicht von den geschrämten Stollenabschnitten im Karl-Stollen, die ab 1650 mühsam mit Schlägel und Eisen aufgefahren worden waren, über die ab 1680 mit Schwarzpulver „geschossenen“ Bereiche im sogenannten „kleinen Karl“ bis zu den geräumigen, mit Dynamit gesprengten Industriestollen der 1960er-Jahre. 

Natürlich kam man mit dem Fortschreiten der Technik immer schneller voran und die gewonnenen Erzmengen stiegen. Gleichzeitig verringerte sich aber mit zunehmender Tiefe der Gehalt an verwertbaren Metallen im Erz. Die Spuren der verschiedenen Bohrtechniken, die Einrichtungen für die Pressluft und die Infrastruktur zum Ausleiten der Grubenwässer sind überall sichtbar. An zahlreichen Stellen stehen noch Arbeitsgeräte und Maschinen, die nach Schließung des Bergwerks nicht abtransportiert wurden, weil sie zu schwer waren. Abgebaut wurde im Bereich der Erzader bis ins Frühjahr 1979, die letzten Arbeiten wurden 1985 eingestellt. 

Das Bergbauerlebnis ist für das Museum mit hohem Aufwand verbunden. Die Stollen müssen regelmäßig auf ihre Sicherheit geprüft, die Grubenbahnen gewartet, die Wassergräben gesäubert und die Hölzer der Zimmerungen ausgetauscht werden. Ohne die Unterstützung der Ämter für Geologie und technische Gebäudeverwaltung des Landes wären diese Aufgaben nicht zu bewältigen. Die engagierten Mitarbeitenden des Museums sorgen für die fachliche Betreuung der Besuchergruppen.

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