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Europa noch näher

23.05.2024

Viel Geld fließt von der EU in Südtirols Regionalentwicklung. Weit wichtiger ist, was davon bleibt: Innovation in Strukturen und in Köpfen.

Die Europäische Union bietet im Rahmen ihrer Kohäsionspolitik viele Chancen auch für Südtirol – über Finanzierungen ebenso wie über Anreize zur Innovation. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
Die Europäische Union bietet im Rahmen ihrer Kohäsionspolitik viele Chancen auch für Südtirol – über Finanzierungen ebenso wie über Anreize zur Innovation. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Am Deutschnonsberg in der Kofler Oskar KG dreht sich alles ums Rundholz. Das Unternehmen, das sich auf Holzhandel, -transport und -verarbeitung spezialisiert hat, verfügt über verschiedene Lagerplätze, die in ganz Südtirol verteilt sind. „Um den Frächtern die genaue Positionierung der Lager und Infos zum gelagerten Rundholz mitteilen zu können, haben wir uns auf die Suche nach einer Lösung gemacht“, berichtet Inhaber Martin Weiss, der auch lvh-Ortsobmann von Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix ist. Fündig geworden ist er beim EU-Projekt „techParcour 2024“, das im Februar im NOI Techpark stattfand. Über das Sensing Technologies Lab der Freien Universität Bozen wurde er auf eine technologische Lösung auf Mikrochip-Basis aufmerksam. „Sie sieht vielversprechend aus“, ist Weiss zuversichtlich.

Regionalentwicklung im Fokus. Die Mini-Messe „techParcours“ wurde organisiert vom Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh und ist Teil des Interreg Italien Österreich-Projekts SUNrise. SUNrise richtet sich an motivierte Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger im Handwerkssektor mit dem Ziel, ihnen geeignete Werkzeuge für nachhaltige Geschäftsmodelle bereitzustellen. Es ist ein Beispiel für die Chancen, die die Europäische Union für Südtirol und die Entwicklung dieses Landes bietet.

Den Überblick über die Vielfalt an Unterstützungsangeboten hat Martha Gärber, Direktorin der Landesabteilung Europa: „Das Motto lautet: Europa noch näher. Konkrete Hilfe für ein noch näheres Europa gibt es von den EU-Förderprogrammen im Rahmen der Kohäsionspolitik der Europäischen Union.“ Doch was ist damit gemeint?

Mit ihrer Kohäsionspolitik will die Europäische Union wirtschaftliche und soziale Unterschiede in den europäischen Regionen durch gezielte Investitionen ausgleichen. Ziel ist es, den Zusammenhalt innerhalb der EU zu stärken und den Wohlstand in allen Teilen Europas anzugleichen und dauerhaft zu sichern. Dazu hat die EU eine Reihe von Instrumenten eingerichtet, zum Beispiel die Europäischen Strukturfonds: Sie stellen Geldmittel für Projekte bereit, die zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Verbesserung der Lebensqualität, zur Bekämpfung des Klimawandels, zur Förderung von Innovationen, zur Unterstützung von Klein- und Mittelunternehmen und vielem mehr beitragen.

Konkret auf Südtirol bezogen bedeutet das, dass über die Europäischen Strukturfonds sehr viel Geld in Südtirols Regionalentwicklung fließt. Denn mit diesen Geldern werden die Programme Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Europäischer Sozialfonds Plus (ESF+), die Programme für die grenzübergreifende Zusammenarbeit (Interreg VI-A Italien-Österreich und Interreg VI-A Italien-Schweiz) und das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum finanziert.

Wohlstand sichern. „Diese EU-Mittel sind strategisch, damit wir unseren Wohlstand auch in Zukunft halten können", ist Abteilungsdirektorin Martha Gärber überzeugt. „Sie sind nicht kurzfristig angelegt, sondern kommen allesamt mittel- und langfristigen Projekten zugute. Das ist ihre Stärke.“

So erhält Südtirol im Programmzeitraum 2021 bis 2027 245 Millionen Euro aus dem EFRE, aus dem ESF+ fließen im selben Zeitraum 150 Millionen Euro nach Südtirol. Für Interreg VI-A Italien-Österreich stehen – im gesamten Programmgebiet – im Zeitraum 2021-27 immerhin 91 Millionen Euro zur Verfügung, für Kooperationsprojekte zwischen Italien und der Schweiz (Interreg VI-A Italien-Schweiz) 102 Millionen Euro. Für die ländliche Entwicklung schließlich sind in den Jahren 2023- 2027 Investitionen in der Höhe von 325 Millionen Euro in Südtirol vorgesehen.

Investitionen in Infrastruktur und in Köpfe. Während bei den vom EFRE geförderten Projekten Investitionen in Innovation und Nachhaltigkeit sowie in die strukturelle Anpassung und wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen (siehe Seite 16 bis 18), geht es bei den Projekten des ESF+ um besondere Personengruppen: um Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund, benachteiligte Personen oder Menschen auf der Suche nach neuen Bildungswegen. „Hier stehen die Investitionen ins soziale Gefüge im Fokus, der Beitrag zur Entstehung einer inklusiven Gesellschaft“, erklärt Martha Gärber. „Der Grundgedanke ist, dass es neben der wirtschaftlichen, auch eine ausgewogene soziale Entwicklung braucht, um den Wohlstand halten zu können.“ Ziel sei es, alle mitzunehmen.

Das ist auch bei den Maßnahmen gegen den Schulabbruch der Fall. Italien gehört auf europäischer Ebene zu den Ländern mit dem höchsten Prozentsatz an Schulabbrechern. In Südtirol liegt die Abbruch-Quote sogar noch über dem nationalen Schnitt: Laut Landesstatistikinstitut ASTAT erreichten im Jahr 2022 hierzulande 13,5 Prozent der 18 bis 24-Jährigen keinen Sekundarabschluss. Genau da setzt der Europäische Sozialfonds Plus an: Unter dem Motto „Drop out is out“ werden im laufenden Schuljahr an rund 120 Südtiroler Schulen Maßnahmen zur Verringerung des Schulabbruchs und zur Verbesserung der Schlüsselkompetenzen umgesetzt. Insgesamt 35 Millionen Euro stehen für deutsche, italienische und ladinische Schulen für die beiden Schuljahre 2023/2024 und 2024/2025 bereit. „Wenn wir versuchen, Jungen und Mädchen zu ermutigen, heute einen Abschluss zu erwerben, erhöhen wir ihre Chancen auf eine angemessene Beschäftigung in der Zukunft“, unterstreicht Claudia Weiler, Direktorin des Landesamtes für den Europäischen Sozialfonds, die Bedeutung dieser Maßnahme.

Grenzen überwinden. Neben der heimischen Wirtschaft und Gesellschaft profitieren vor allem auch Südtirols Grenzgebiete von den EU-Fördermitteln. Konkret greifbar wird das etwa am praktischen Fahrplanheft mit grenzüberschreitenden Bus- und Bahnverbindungen im Dreiländereck im Oberen Vinschgau. Aber auch ganz im Osten des Landes rücken dank Fördergeldern das Hochpustertal und Osttirol zusammen: Ein grenzübergreifender Themensteig, der Sexten und Sillian über den Aussichtsberg Helm verbindet, wurde bereits umgesetzt. Nun soll mit dem „Kulturprojekt offenes Helmhaus“ ein Ort des Austausches dazukommen.

In beiden Fällen handelt es sich um CLLD-Projekte. CLLD steht für „Community-led local development”: Gemeinden können in Selbstverantwortung Regionalentwicklung auf lokaler Ebene gestalten, und zwar grenzübergreifend. CLLD-Projekte werden im Rahmen des Interreg-Programms Italien-Österreich und einzigartig in Europa über Staatsgrenzen hinweg gefördert und bergen viel Potential. „Mit Terra Raetica (Oberer Vinschgau), Wipptal und Dolomiti Live (Hochpustertal) gibt es gleich drei solcher Gebiete mit Südtiroler Beteiligung“, erklärt Abteilungsdirektorin Gärber. „Hier wächst etwas, was vor Ort Sinn macht und dazu beiträgt, die Projektgebiete zukunftsfähig zu machen und starke lokale Akteure vor Ort zu halten.“ Und hier – ist sie sich sicher – wird Europa besonders stark spürbar.

mpi

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