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Gemeinnutz statt Gewinn

19.02.2025

Was beispielsweise in Österreich schon seit 85 Jahren praktiziert wird, soll bald auch in Südtirol Einzug halten: Die Rede ist vom „gemeinnützigen Wohnbau“. Warum hat es dieser nicht schon längst über die Brennergrenze geschafft?

 Die Neue Heimat Tirol hat bereits zahlreiche Wohnbauprojekte in Westösterreich verwirklicht und stellt sie zu 
fairen Mietpreisen zur Verfügung. (Foto: Neue Heimat Tirol)
Die Neue Heimat Tirol hat bereits zahlreiche Wohnbauprojekte in Westösterreich verwirklicht und stellt sie zu fairen Mietpreisen zur Verfügung. (Foto: Neue Heimat Tirol)

Was tun, wenn 75.000 Südtiroler die Entscheidung treffen, nach Tirol auszuwandern? Die leidvolle „Option“ gab im Jahr 1939 den Anstoß für eine Wohnbauinitiative, die jenseits des Brenners bis heute prägend ist. Damals entstanden die sogenannten Südtiroler Siedlungen und damit Wohnbauträger wie die „Neue Heimat Tirol“, die sich mittlerweile als „soziales Bollwerk gegen die Wohnungsnot“ in einem Bundesland mit sehr hohen Wohnkosten versteht. 

Mit hohen Mietpreisen, knapper Grundverfügbarkeit und einem Wohnmarkt, der stark eigentumsorientiert ist, haben auch immer mehr Südtirolerinnen und Südtiroler zu kämpfen. 2025 möchte die Südtiroler Landesregierung weitere Schritte setzen, um das Grundbedürfnis Wohnen besser befriedigen zu können. Wohnbau-Landesrätin Ulli Mair setzt dabei auch auf das gemeinnützige Wohnbaumodell. 

Der Versuch, den Mietmarkt wieder erschwinglich zu machen. „Mit dem privaten Wohnraum und den Mietwohnungen, die das Wohnbauinstitut anbietet, verfügt Südtirol über einen relativ kleinen Mietmarkt“, beschreibt Luca Critelli, Direktor des Ressorts Wohnbau, Sicherheit und Gewaltprävention in der Südtiroler Landesverwaltung, die Ausgangslage. Dies auch deshalb, da bisher vorrangig auf die Förderung der Bildung von Wohneigentum gesetzt wurde. Der „gemeinnützige Wohnbau“ nach österreichischem Modell könnte nun als dritte Säule etabliert werden, um das Angebot an erschwinglichen Mietunterkünften auszubauen. „Mit dem neuen Wohnbaugesetz sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass gemeinnützige Wohnbauträger nicht nur bestehende Kubatur sanieren und verfügbar machen, sondern auch Neubauten verwirklichen können“, berichtet Critelli. Mit der Verpflichtung, die entstehenden Wohnungen für 30 Jahre zum sozial vertretbaren Mietzins auf dem Markt anzubieten, soll ein zusätzliches Angebot entstehen. 

Politischer Wille und interessierte Träger. „Es steht und fällt mit den gesetzlichen Voraussetzungen“, weiß Markus Pollo, der kaufmännische Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol (NHT). Nur durch das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz, das die NHT in Österreich von der Körperschaftssteuer befreit, und die Tiroler Wohnbauförderung sei der Bau von erschwinglichen Mietwohnungen ohne Gewinnabsicht möglich gemacht worden. Dass das Angebot ankommt, beweisen die Zahlen: „Wir konnten im Jahr 2024 ein Bauvolumen von 166 Millionen Euro vorweisen und verwalten rund 20.600 Wohnungen“,berichtet Pollo. 90 Prozent der Wertschöpfung bleibe in Nordtirol – bei heimischen Unternehmen. 

Von einem solchen Modell könnten auch in Südtirol jene profitieren, die derzeit nicht in den Genuss einer Wobi-Wohnung kommen, für die der private Markt aber unerschwinglich ist. „Freilich braucht es Träger, für die das Modell interessant sein könnte“, weiß Critelli. Jedoch gebe es in Südtirol durchaus geeignete Körperschaften. Beispielsweise das DIUK (Diözesaninstitut für den Unterhalt des Klerus), das statutarisch dazu verpflichtet sei, Wohnungen nicht zu veräußern, sondern zu vermieten. Aber auch für den Genossenschaftsbereich könne das neue Mietmodell eine interessante Option darstellen. Zu einem „Abenteuer“ südlich des Brenners wäre auch die Neue Heimat Tirol bereit, „sollten die gesetzlichen Voraussetzungen und die politischen Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Pollo. „Zeigen wir, was Gemeinnützigkeit kann!“ 


pir

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