Gesicherte Erinnerungen
Bozen verfügt über einen einzigartigen Schatz der Erinnerung und Identität: das Oral History Archiv der italienischen Landesbibliothek „Claudia Augusta“.
Wenn Zeitzeugen Erlebnisse oder Ereignisse schildern und dies aufgezeichnet wird, entstehen wichtige Dokumente der Oral History. Die italienische Landesbibliothek „Claudia Augusta“ in Bozen kann auf ein umfangreiches Archiv solcher Aufnahmen verweisen: Gestartet wurde dieses ehrgeizige Kulturprojekt 2003 mit wissenschaftlicher Unterstützung des Historikers Giorgio Delle Donne. Mittlerweile umfasst es 170 Interviews mit über 240 Stunden Audio- und Videoaufnahmen. Die ersten 148 Interviews, die von der Bibliothek zwischen 2003 und 2007 gesammelt wurden, bilden den Kern der Initiative.
Lebendige Geschichte. Zu finden sind darin Geschichten aus dem Alltag, reich an Emotionen, die eine rein schriftliche Dokumentation nicht erfassen könnte. Denn der Wert mündlicher Quellen geht über die bloße Schilderung von Ereignissen hinaus. Die Stimme, die Art zu sprechen, dies alles gibt den Ereignissen eine persönliche Dimension. Die Erzählung wird zur „lebendigen Geschichte“, die für künftige Generationen ein wertvolles Zeugnis ablegt. Das Archiv ist eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: eine Sammlung von Stimmen, Fakten, von der unauflöslichen Verflechtung von Ereignissen, Menschen und Orten. Geschichten, die die italienischsprachige Gemeinschaft in Südtirol geprägt haben.
Ein Erbe von europäischer Bedeutung. Zu finden ist beispielsweise ein Gespräch mit Valentin Braitenberg: Der Südtiroler Wissenschaftler und Intellektuelle ist für sein breites Spektrum an Interessen und Beiträgen in den Bereichen Neurowissenschaften, Kybernetik, Philosophie und Biologie bekannt. „Ich war zehn Jahre lang, von 1958 bis 1968, in Neapel am Institut für Theoretische Physik tätig. Ich habe dort eine Forschungsgruppe von Weltruf aufgebaut, die sich mit Studien zu Kybernetik und Informationstheorie befasste. Wir gehörten zu den ersten in Europa, die sich dieser Thematik annahmen“, sagt Braitenberg im Interview Nr. 129 vom 4. Oktober 2005.
Lidia Menapace ist eine Symbolfigur des politischen Engagements und der Gleichstellung der Geschlechter. Ihr Leben und ihre Karriere haben das soziokulturelle Gefüge Südtirols, Italiens und Europas geprägt. „Überall in Europa [...] öffneten die Arbeiter ihre Fabriken und waren außer sich vor Freude, weil sie endlich das produktive Erbe Italiens gerettet hatten“, vertraute Lidia Menapace dem Historiker Giorgio Delle Donne in einem Interview an, das am 11. Mai 2004 im Oral History Archiv hinterlegt wurde.
Carlo Lazzerini, Dozent und Mitarbeiter des Kulturzentrums Centro di Cultura dell‘Alto Adige, erzählt von der ständigen Suche nach der Begegnung der italienischen und der deutschen Kultur, im Geiste der Integration und des harmonischen Zusammenlebens: „Nach 1945 beschlossen meine Frau und ich in Südtirol zu bleiben. Ein schöner Ort, hier galt es Brücken zu bauen, dies darf kein Ort des Konflikts sein, sondern muss der Ort des neuen Europas sein“. Lazzerinis weitsichtige Worte stammen aus dem Mai 2004.
Stimmen der italienischsprachigen Gemeinschaft. Und es gibt noch viel mehr Geschichten, die man über dieses sich ständig weiterentwickelnde Projekt erzählen könnte. Denn darin kommen verschiedene Stimmen der italienischen Gemeinschaft in Südtirol zur Geltung. Und sie zeigen Bilder auf von einem Land, in dem es mitten in Europa ein friedliches, mehrsprachiges und multikulturelles Zusammenleben gibt.
Alle Informationen zum Oral-History-Bestand und Zugang zu den einzelnen Interviews in alphabetischer Reihenfolge: Oral-History-Bestand | Italienische Landesbibliothek Claudia Augusta | Autonome Provinz Bozen - Südtirol
an-pu/ck
Andere Artikel aus diesem Themenbereich
Sie finden uns hier
Socials
Abonnieren
Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten
Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen
AbonnierenRedaktion
Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)
Koordination:
Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion:
Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).
Kontakt
44. Agentur für Presse und KommunikationLandhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10