Hindernisse überwinden
Eine Umgebung, die ohne architektonische Barrieren auskommt, ist ein Mehrwert für die gesamte Gesellschaft. Denn Barrieren schränken die Lebens- und Wohnqualität ein.
Wer aufmerksam durch unsere Orte und Städte geht, entdeckt sie beinahe überall: Hindernisse oder (architektonische) Barrieren, die eine Einschränkung sein können. Egal ob ein zu hoher Bordstein, den man mit Rollstuhl oder Kinderwagen erschwert oder nur mit Hilfe überwinden kann, oder ein fehlender Aufzug, wenn man in ein oberes Stockwerk gelangen muss: All dies trägt dazu bei, dass Menschen vom gesellschaftlichen und öffentlichen Leben ausgegrenzt werden oder nur erschwert daran teilnehmen können. Darum ist Barrierefreiheit ein Ziel, das der gesamten Gesellschaft zugute kommt.
Am 6. Oktober findet der Fiaba Day statt. „Fiaba was?“, mag sich der eine oder die andere fragen. Fiaba steht für einen Tag, an dem der Abbau von architektonischen Barrieren im Vordergrund steht. Seit über 20 Jahren sensibilisiert die Non-Profit Organisation Fiaba dafür auf dem gesamten Staatsgebiet, seit 2002 wird am ersten Oktobersonntag mit dem Nationalen Tag für den Abbau architektonischer Barrieren dafür sensibilisiert.
Barrieren gibt es überall. Auch das Land Südtirol engagiert sich in diesem Bereich. Das Landesamt für Menschen mit Behinderungen sensibilisiert und informiert darüber, wie es gelingen kann hindernisfrei zu bauen oder umzubauen. Denn bei Neubauten ist Barrierefreiheit bereits vielfach ein Muss: Öffentliche Gebäude müssen für alle Menschen zugänglich sein, sei es für Menschen, die eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl benötigen, aber auch für Eltern mit Kinderwagen. Doch auch im privaten Bereich ist es hilfreich, schon frühzeitig daran zu denken, dass alle Räumlichkeiten möglichst barrierefrei zugänglich sind. „Barrierefreiheit ist eine Qualität, die dazu beitragen kann, ein autonomes und selbstständiges Leben zu ermöglichen und vorbeugend Unfälle zu vermeiden“, sagt dazu Verena Moser, Direktorin des Landesamtes für Menschen mit Behinderungen.
Information und Beratung. In Mosers Amt werden Planende, Architektinnen und Architekten sowie Bauherrinnen und Bauherren informiert und beraten. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 435 Beratungen durchgeführt, informiert haben sich dabei Projektantinnen und Projektanten, ebenso wie Privatpersonen oder Mitarbeitende und Führungskräfte öffentlicher Verwaltungen. Der Informationsbedarf ist weiter hoch, was auch die jährlich zunehmende Anzahl an Beratungen aufzeigt. Bei öffentlichen Gebäuden, vor allem wenn diese neu gebaut werden, ist es bereits Standard, architektonische Hindernisse zu vermeiden. Doch vor allem bei bestehenden Gebäuden müssen auch die Südtiroler Gemeinden aktiv werden. Anhand von Adaptierungsplänen muss überprüft werden, welche architektonischen Hindernisse vorhanden und wie diese zu beseitigen sind. Das Ziel ist es, innerhalb Jahresende 2024 Adaptierungspläne für alle 116 Südtiroler Gemeinden vorliegen zu haben. „Insgesamt gesehen steht Südtirol gut da, der Abbau architektonischer Barrieren in öffentlichen Gebäuden kommt gut voran“, informiert Direktorin Moser. Ein barrierefreier Zugang zu öffentlichen Gebäuden ist ein anzustrebendes Ziel zum Wohle der gesamten Gesellschaft. Dieser ist die Voraussetzung für den Zugang zu Informationen, zu Beteiligung, zu wichtigen Diensten. Doch auch eine barrierefreie Wohnung hat einen großen Mehrwert. Denn Barrierefreiheit ist vor allem für Menschen mit einer Behinderung ebenso wie für Seniorinnen und Senioren wichtig, um möglichst lange autonom wohnen zu können. Und auch wenn man nur kurzzeitig oder vorübergehend eingeschränkt bewegungs- oder sehunfähig ist, kann sich frühzeitiges, hindernisfreies Planen auszahlen. Ebenso sind Wohnräume ohne architektonische Barrieren für Familien mit Kleinkindern vorteilhaft, da die Verletzungsgefahr für Kleinkinder minimiert wird. Eine barrierefreie Wohnung kann oft schon mit kleinen, schnell umsetzbaren Maßnahmen erreicht werden, entsprechende Tipps hat das Landesamt für Menschen mit Behinderungen gesammelt (siehe Infobox nebenan). Wenn diese nicht ausreichen und größere, auch bauliche, Eingriffe nötig sind, dann unterstützt dies das Land Südtirol mit einem Schenkungsbeitrag. Unterstützt werden vom Landesamt für Wohnbauförderung die Beseitigung von bestehenden Hindernissen im Außenbereich (beispielsweise die Errichtung von Rampen oder Hebebühnen und Liftanlagen), die Anpassungen der Wohnung im Innenbereich (etwa Badezimmer, Aufenthalts- und Schlafräume, Automatisierung von Türen, Jalousien oder Fenstern) und der Kauf einer barrierefreien Wohnung. Denn zur Lebensqualität zählt auch ein barrierefreies Wohnumfeld. Je früher daran gedacht wird, desto besser.
Tipps für eine barrierefreie Wohnung
Architektonische Barrieren lassen sich manchmal auch schon mit kleinen Maßnahmen abbauen. Das Landesamt für Menschen mit Behinderungen hat einfache und schnell umsetzbare Tipps dafür parat.
Hindernisse und Stolperfallen beseitigen: zum Beispiel Teppiche entfernen oder fixieren, kleine Stufen oder Schwellen mit Rampen überwinden Bewegungsfreiheit garantieren: zum Beispiel Möbel und Einrichtungsgegenstände zur Seite stellen, um Freiflächen zu schaffen (Wendekreis von 1,50 Meter in jedem Raum vorsehen)
Handgriffe und Handläufe befestigen: zum Beispiel entlang von Treppen, im Bad, in der Dusche, neben WC und Badewanne
Rutschfestigkeit garantieren: zum Beispiel rutschfeste Matten in Dusche, Badewanne, am Boden in der Küche
Dinge des alltäglichen Gebrauchs auf Griffhöhe positionieren: etwa Garderobehaken und Schränke, Schalter und Steckdosen in gut erreichbarer Höhe anbringen
Eine gute Beleuchtung schaffen: zum Beispiel Bewegungsmelder einbauen, damit das Licht automatisch angeht, dunkle Ecken mit einer zusätzlichen Beleuchtung versehen
Kontrastreiche Farbgestaltung: zum Beispiel Stufenvorderkanten markieren, Glastüren kontrastreich markieren, Türrahmen mit Farbe von der Wand gut sichtbar absetzen
Hilfsmittel verwenden oder einbauen: zum Beispiel Sitzgelegenheit in der Garderobe, Sitzgelegenheit in der Dusche, Aufstehhilfe für das WC, automatische Rollläden und tiefergesetzte Fenstergriffe.
ck
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