Jeder Tropfen zählt
Eigentlich ist Südtirol reich an Wasser: Die Berge garantieren eine weitgehende Versorgung. Doch der Klimawandel trifft auch uns immer deutlicher. Es gilt, das kostbare Gut sparsam zu nutzen.
Die geringen Niederschläge des vergangenen Winters waren einmal mehr eine Warnung an uns alle. Der galoppierende Klimawandel schont niemanden, schon gar nicht das Wasser. Italiens größtes Wasserreservoir, die Alpen, leiden, der Schneemangel zeigt Wirkung, die Stauseen verzeichnen erhebliche Defizite. Die Niederschläge seit April waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Dennoch hat Südtirol in Sachen Wasser seit jeher einen wertvollen Verbündeten: die Berge. Aus den imposanten Hängen sprudeln Quellen. Sie speisen Stauseen, Flüsse, Grundwasserleiter und sogar Wasserkraftwerke. Die Berge sind nach wie vor das beste natürliche Wasserreservoir. Allerdings: Um mit Zuversicht in die Zukunft blicken zu können, muss man sich der Gegenwart stellen. Wie? Indem man sparsam mit dieser Ressource umgeht und sich bewusst wird: Wasser ist ein Gut für alle und jeder Tropfen wird zum Gold unserer Zukunft.
Reservoir in großer Höhe. Obwohl die Berge in höheren Klimazonen liegen, speichern sie den Niederschlag in Form von Schnee im Winter, der bei steigenden Temperaturen schmilzt und über unsere Flüsse und Quellen in unsere Häuser gelangt. „Die Etsch bringt große Mengen an Wasser in Richtung Süden. Die hiesige Landwirtschaft, aber auch die der benachbarten Region Venetien, verbraucht mehr als 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde“, erklärt der Direktor des Landesamtes für nachhaltige Wasserwirtschaft, Thomas Senoner. Eine weitere begrenzte Ressource ist das Schmelzwasser der Gletscher. „In Vergangenheit waren sie für die Erzeugung der Wasserkraft wichtig, weil sie den geringeren Wasserdurchfluss im Winter kompensierten und die Voraussetzungen für eine bedeutende Energieerzeugung schufen“, sagt Senoner.
Hochgebirgswasser: doppelter Vorteil. Als Alpenregion hat Südtirol einen großen Vorteil. Zum einen profitiert es von einem natürlichen Wasserreservoir in Form von Schnee in den Höhenlagen: Dieser fließt in warmen Jahreszeiten ins Tal. Zudem verfügt Wasser über ein erhebliches hydraulisches Potenzial – also die Möglichkeit, Wasser zu verwertbarer Energie umwandeln zu können. „Das in der Höhe gespeicherte Wasser kann zur Stromerzeugung genutzt werden. Je höher die Quelle liegt, desto höher ist ihr Qualitätswert“, erklärt Senoner.
Niederschlag speist Grundwasser. Im vergangenen Winter hat der Niederschlag auf sich warten lassen. Fast zwei Monate lang, 50 Tage in Folge, blieb das lang ersehnte Nass in Südtirol aus. Erst im Frühjahr haben Regenfälle die Situation etwas entspannt. Die heurige Situation bestätigt den Trend der letzten Jahre. „Die Niederschläge werden intensiver, aber weniger häufig. Wünschenswert dagegen sind mehr Tage mit Niederschlägen von etwa 10 bis 15 Millimetern pro Quadratmeter“, sagt der Direktor des Landesamtes für nachhaltige Wasserwirtschaft. In Südtirol führen starke Regenfälle dazu, dass die Schotterböden und das Grundwasser im Talboden sehr schnell gespeist werden. Diese groben Böden können in kurzer Zeit große Mengen reinen Wassers speichern und filtern es effizient im Untergrund“, so Senoner.
Die Pegelmessstationen. In Südtirol überwachen rund 50 Messstationen die Wasserführung der Flüsse. Sie werden vom Hydrographischen Amt der Agentur für Bevölkerungsschutz betrieben. Die daraus gewonnenen Daten werden hauptsächlich für das Management kritischer hydrologischer Situationen verwendet. Nach sehr trockenen Monaten haben sich die Niederschläge im Frühjahr dem Durchschnitt angenähert. „Die geringsten Pegelschwankungen gibt es in der Passer“, sagt Thomas Senoner. Die Pegel sinken durch natürlichen Abfluss und durch Wassernutzung für die Energieproduktion. Angestrebt wird ein Durchflusswert von 80 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Ein Wert, der von den Niederschlägen abhängt und derzeit nicht erreichbar scheint: Die Pegelmessstation in Branzoll verzeichnete beispielsweise am 22. März einen Wert von 64,29 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Im Frühling wurden die Speicher etwas gefüllt. „Dennoch kann man noch nicht von einer dauerhaften Entspannung sprechen“, meldete der staatliche Verband der Bodenverbesserungskonsortien Anbi vor einigen Wochen.
Wasserschutz: Beispiel aus dem Vinschgau. Der 2021 von der Regierung genehmigte und im vergangenen Jahr aktualisierte Gewässerschutzplan wurde mit dem Ziel erstellt, einen guten ökologischen Zustand aller Oberflächengewässer zu gewährleisten. „Wir haben in Südtirol ein hervorragendes Trinkwasser, das wir erhalten und schützen müssen“, betont Direktor Thomas Senoner. Allein in der Landwirtschaft werden in Südtirol jährlich rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser für die Bewässerung verbraucht. Sparen ist möglich. „Ein weitsichtiges Beispiel liefert die Flurbereinigung im Vinschgau: Die dortige Flurbereinigungsgemeinschaft, die größte des Landes, hat es geschafft, ihr gesamtes Bewässerungssystem von Regen- auf Tropfbewässerung umzustellen – ein offensichtlicher Vorteil, wenn man an die eher trockenen Böden in diesem Gebiet denkt“, erklärt Senoner. „Wir leben in einem wunderbaren Land, umgeben von einer grünen Landschaft. Und sie ist grün, weil wir Wasser haben“, meint er.
tl/uli
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