Respekt beginnt schon hinter der Theke
Zwischen Eis, Kaffee und Kuchen haben kleine freundliche Gesten immer Platz: Walter Job von der Gelateria Brivido über Respekt im Alltag.
Es ist früher Nachmittag in der Gelateria Brivido. Hinter dem Tresen steht Walter Job – heute sogar an seinem freien Tag – und bedient für uns die Kaffeemaschine. Seit über 35 Jahren führt er die Eisdiele gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Graziano Domenis. Er kennt seine Stammgäste, ihre Vorlieben, begrüßt sie mit einem kurzen Lächeln und bleibt dabei stets ruhig und aufmerksam.
Herr Job, Sie sagen, dass Respekt bei Ihnen etwas Kleines, Alltägliches ist. Was meinen Sie damit?
Zu uns kommen Menschen, um einen schönen Moment zu haben, sie kommen für ein Eis, für Kuchen oder ein schönes Gespräch. Das klingt banal, aber darin steckt viel Schönes – und auch Verantwortung. Respekt heißt für mich: aufmerksam sein, nicht genervt reagieren, gerade wenn es mal stressig wird.
Gibt es Situationen, in denen Sie merken, wie viel solche Kleinigkeiten ausmachen?
Oh ja! Zum Beispiel, wenn jemand während des Bestellens telefoniert und wir gar nicht wissen, ob die Person zu uns spricht oder mit jemandem am Telefon. Das ist für alle Beteiligten unangenehm. Oder wenn Kinder auf den Bänken herumturnen und die Eltern unsicher sind, wie sie reagieren sollen. Viele trauen sich dann nicht, etwas zu sagen, aus Angst, wir würden böse werden. Aber es geht nicht ums Schimpfen – sondern darum, Rücksicht zu zeigen. Das ist für mich Respekt.
Wie pflegen Sie im Team ein gutes Miteinander?
Zum Team gehören neben meinem Geschäftspartner Graziano und mir auch zwei langjährige Mitarbeiterinnen. Wir entscheiden vieles gemeinsam. Und wir sprechen offen, wenn etwas nicht passt. Respekt heißt für mich auch, Fehler nicht sofort zu verurteilen. Fehler passieren – wichtig ist, dass man darüber spricht und gemeinsam Lösungen findet.
Und wenn jemand ungeduldig oder unfreundlich wird?
Rund 80 Prozent der Gäste sind Familien mit Kindern. Die Kinder sind heute viel selbstbewusster. Sie wissen genau, was sie wollen – und das ist gut so. Wenn jemand unfreundlich wird, übernehmen meist Graziano oder ich selbst das Gespräch. Oft reicht ein ruhiger Ton, ein Lächeln oder eine Portion Verständnis, um die Situation zu verändern. Die Art, wie man etwas sagt, macht fast alles aus. Ein heruntergefallenes Eis? Dann gibt es kostenlos ein Neues. Das ist kein Drama. Die Leute sollen mit einem guten Gefühl gehen.
kat
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