Spannender als gedacht
Sie arbeiten an Hängen über Straßen, leiten Teams oder pendeln in den Coworking-Space. Drei Beispiele zeigen: Arbeitsplätze beim Land Südtirol sind so vielfältig wie die Gesellschaft selbst.
Im steilen Hang über der Vinschgauer Straße prüfen Monika Rabanser und David Mosna das kürzlich errichtete Schutznetz. Es soll die viel befahrene Verkehrsader zwischen Latsch und Schlanders vor Steinschlag schützen. Der Hang ist gefährlich: Im Herbst 2023 war gelockertes Felsmaterial in ein Schutznetz gerutscht. Es musste kontrolliert gesprengt werden. Nun muss das Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung den Hang und die neu errichtete Schutzvorrichtung regelmäßig überprüfen.
Außendienste gehören für die Geologen und Geologinnen des Landes zur Routine. Rund um die Uhr können öffentliche Einrichtungen, aber auch Bürgerinnen und Bürger den Dienst über den Bevölkerungsschutz (Notrufnummer 112) anfordern, um geologische Probleme wie Steinschlag und Hangrutschungen bewerten zu lassen.
Vielfältig wie die Gesellschaft. Bekannte von Monika Rabanser reagieren oft erstaunt, wenn sie hören, dass sie „beim Land eine so spannende Aufgabe hat.“ Arbeitsstellen in der Landesverwaltung gelten eher als verstaubt. „Aber das sind wir nicht“, sagt Generaldirektor Alexander Steiner: „Wir arbeiten für die gesamte Südtiroler Gesellschaft. Entsprechend vielfältig sind unsere Dienste. Im Grunde gibt es für jede und jeden einen Arbeitsplatz, unabhängig von Vorkenntnissen und Alter.“
Ein Blick auf die Internetseite des Landes Südtirol (s. S. 8) bestätigt dies: Dort findet man hunderte von Berufsbildern… vom Raumpfleger oder der Diätköchin bis zur Schätzungsexpertin oder dem Chemie-Experten. Die Vielfalt vergrößert sich deutlich, wenn man nicht nur die knapp 3800 Angestellten der eigentlichen Landesverwaltung betrachtet, sondern auch jene im Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie in den beteiligten Südtiroler Gesellschaften wie Transportstrukturen AG (Sta), Einzugsdienste, Informatik AG (Siag) usw.
„Für gute Dienste brauchen wir motivierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Steiner. Sie zu finden, sei nicht leicht. Das Land spürt den Arbeitskräftemangel genauso wie die Privatwirtschaft. „Wir bemühen uns seit Jahren, das Land als Arbeitgeber attraktiver zu machen: Wir haben bei den Gehältern nachgebessert und Benefits geschaffen“, berichtet Steiner (s. "3 Fragen an ..."). Daran gelte es anzuknüpfen, sagt auch die neue, für Personal zuständige Landesrätin Magdalena Amhof: „Der Arbeitsmarkt der Zukunft muss sich den Bedürfnissen der Menschen und Familien anpassen. Wir haben den Auftrag, gemeinsam mit den Sozialpartnern nach innovativen Lösungen für eine attraktive Landesverwaltung zu suchen. Vor allem junge Menschen wollen flexiblere Arbeitszeiten, interessante Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Zeit für Familie, ihre persönlichen Bedürfnisse und Hobbys und eine gerechte Entlohnung.“
Karriere. Dass es Entwicklungsmöglichkeiten gibt, hat Marta Tacchinardi bewiesen: Nach Jobs in verschiedenen Landesämtern ließ sie sich an den Rechnungshof abkommandieren. Dann gewann sie den Wettbewerb als Direktorin des Amtes für Ausgaben und kehrte in die Landesverwaltung zurück. Mit rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern prüft sie unter anderem, ob alle Zahlungen des Landes den gesetzlichen Vorgaben entsprechen: Eine große Verantwortung! Genau das reizt Tacchinardi: Sie mag ihre Arbeit mit den verschiedenen Aufgaben: „Wir haben ein wunderbares Arbeitsklima und es unterstützt mich ein tolles Team.“
Unterstützt fühlt sich Tacchinardi auch vom Netzwerk „Frauen in Führung“, zu dem sich weibliche Führungskräfte der Landesverwaltung zusammengeschlossen haben. „Eine Gruppe ist stärker als viele Einzelkämpferinnen. Zudem denken Frauen oft anders als Männer: Diese Diversität wollen wir als Mehrwert in die Führungskultur der Verwaltung einbringen“, ist die junge Amtsdirektorin überzeugt. Generaldirektor Steiner sieht das Netzwerk als wichtigen Baustein einer erwünschten Entwicklung: Der Frauenanteil in den Führungsebenen des Landes ist in den Jahren 2000 bis 2022 von 16,2 auf 37,4 Prozent gestiegen. „Wir brauchen Frauen in Führungspositionen“, erklärt Steiner: „Unterschiedliche Blickwinkel führen auch in der Führungsebene zu besseren Ergebnissen.“ Mit dem Gender Equality Plan habe die Verwaltung einen Hebel, diese Entwicklung voranzutreiben.
Junges Umfeld, soziale Kontakte, Weiterbildung. Andere Aspekte zählen für Fabian Kobald. Der junge Rechtswissenschaftler kümmert sich in der Landesabteilung Europa um Einkäufe und Zahlungen. „Wichtig ist nicht nur, wie viel man verdient. Wertvoll sind auch die sozialen Kontakte und die geregelte Arbeitszeit“, sagt Kobald. Obwohl er im Martelltal wohnt, ist er in nur 15 Minuten an seinem Landes-Arbeitsplatz: Vier Tage pro Woche arbeitet er im Coworking der „Basis Vinschgau Venosta“, einmal in Bozen. „In Schlanders und Bozen kann ich mit anderen jungen Menschen arbeiten und nach der Arbeit Freizeit- und Kulturangebote nutzen“, sagt Kobald. Zuvor hat er beim Europaparlament in Brüssel gearbeitet. Zurückgekommen ist er auch, weil er sich beim Land persönlich weiterentwickeln kann: Er hat die Grundausbildung zu Autonomie und Verwaltung des Landes absolviert. Nun genießt er stundenweise Bildungsurlaub für eine berufsbegleitende Weiterbildung.
Unweit von Fabian Kobalds Arbeitsplatz entfernt hat Monika Rabanser ihren Außendienst beendet. Im Amt für Geologie in Kardaun wird sie sich am nächsten Tag um geologische Untersuchungen kümmern. Vielleicht ist dafür eine Materialbestellung nötig, deren Zahlung Marta Tacchinardi freigeben muss. Drei Angestellte gehen an drei völlig unterschiedlichen Arbeitsplätzen drei völlig unterschiedlichen Aufgaben nach. Und doch eint sie eines: Sie arbeiten gerne „beim Land“ für das Land.
san/gst
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