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Südtiroler Datenbunker

05.12.2023

18 Grad Raumtemperatur, Ventilator gelüftet und ohne Fenster: Flanke an Flanke schmiegen sich etwa zwei Meter hohe schwarze Kästen aneinander. Hier ist das Gold der Zukunft zu Hause: Unsere Daten.

Siag-Direktor Stefan Gasslitter vergleicht das Datenzentrum mit einem Herzen: Wenn es nicht schlägt, liegt die Landesverwaltung lahm (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
Siag-Direktor Stefan Gasslitter vergleicht das Datenzentrum mit einem Herzen: Wenn es nicht schlägt, liegt die Landesverwaltung lahm (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Die Daten brauchen wenig Platz, man kann sie nicht angreifen: Dennoch werden sie wie ein Goldschatz gehütet. Die zwei Gebäude, in denen die Datenzentren Südtirols untergebracht sind – eines in Bozen, eines in Bruneck – müssen schon rein architektonisch den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Alle Leitungen – Energie- und Datenleitungen – müssen doppelt gelegt sein, auch die Brandschutzvorrichtungen entsprechen dem höchsten Niveau. „Aber noch viel wichtiger ist die Datensicherheit“, unterstreicht Stefan Gasslitter, Direktor der Südtiroler Informatik AG (Siag). Die Siag ist ein Inhouse-Unternehmen des Landes und erbringt im Auftrag des Landes die Dienstleistungen im Bereich Informatik. 

Auch wenn Gasslitter der Siag-Chef ist: Seine Stempelkarte berechtigt ihn nicht, die Tür zum Datenzentrum zu öffnen. „Hier haben vielleicht 20 Personen Zugang – nur diejenigen, die hier arbeiten müssen“, sagt Gasslitter. Die meisten Dinge werden aus der Ferne gesteuert, im Datenzentrum gibt es täglich zwei Kontrollrundgänge. Gearbeitet wird hier nur, wenn Eingriffe an der Hardware nötig sind – also Reparaturarbeiten – oder wenn neue Geräte eingerichtet werden müssen. Jeder einzelne Zugang zum Datenzentrum wird registriert und videoüberwacht.

Ist es wie im Film? Zugangsvoraussetzung für Mitarbeiter: Ungebunden, wenig soziale Kontakte, verschwiegen, Informatikgenie? „Nein, keineswegs. Hier arbeiten ganz normale Menschen, die natürlich gute Informatiker sind. Einzelne können wohl als Nerds bezeichnet werden, aber der Großteil führt ein soziales Leben wie Sie und ich“, schmunzelt Gasslitter. 

KI soll Türen öffnen. Wer hier arbeitet, trägt große Verantwortung: Wenn das Herz, als welches man das Datenzentrum bezeichnen muss, nicht schlägt, liegt die gesamte Landesverwaltung lahm – täglich sorgt die Siag dafür, dass an 30.000 öffentlichen Arbeitsplätzen der Computer läuft. Und das ist nur einer von 340 Services, die am Tag erbracht werden. „Mittlerweile läuft sehr vieles digital. Ausgedruckt wird oft nur aus Gewohnheit, wirklich notwendig wäre es nicht“, sagt Gasslitter. Die Digitalisierung sei Realität. „Es gibt nur eine Welt und die wird immer digitaler. Es ist nur wichtig, niemanden zurückzulassen und inklusive Digitalisierung anzustreben“, sagt er. Und dafür sei die künstliche Intelligenz (KI) ein wichtiger Baustein. „Wir werden – sobald wir den Auftrag von der zuständigen Landesabteilung erhalten – das Portal myCIVIS optimieren. Ziel ist es, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen, zu ihrer Dienstleistung zu kommen“, sagt Gasslitter. 

Ein Beispiel: Jemand möchte eine Blutprobe vormerken. „In Zukunft geht die Person nicht auf die Seite des Sanitätsbetriebs, sondern auf myCIVIS; dort erteilt sie dem System den Auftrag, über die Vormerkzentrale eine Blutprobe vorzumerken – entsprechend von der Bürgerin oder dem Bürger vorgegebenen Kriterien“, sagt er. 

Im Datenzentrum laufen über 10 Petabyte an Daten zusammen – die Landesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass alle Daten der öffentlichen Verwaltungen hier zusammenlaufen sollen; das Projekt läuft. Plastisch ausgedrückt schätzen Experten, dass ein Petabyte(entspricht 1000 Terabyte) 500 Milliarden ausgedruckten Standardtextseiten entspricht.

Wie im Spionagefilm. Diese Daten müssen geschützt werden und werden geschützt. „Ich denke, wir können 95 bis 98 Prozent Sicherheit garantieren“, sagt Gasslitter. 100-prozentige Sicherheit gebe es nie, denn die Technik entwickle sich ständig weiter. In der Siag arbeiten sechs Profis daran. „Täglich blockiert unsere Firewall 30.000 bis 40.000 Hackerangriffe automatisch; pro Jahr verzeichnen wir 500 bis 600 schwerwiegende Angriffe auf unsere Daten, wo unsere Techniker direkt eingreifen“, sagt Gasslitter. Erpressung sei das Ziel, oft auch in Kombination mit Datenklau. „Die Hacker versuchen, die Systeme zu hacken, die Daten zu klauen und verschlüsseln, so dass der Eigentümer nicht mehr an die Daten kommt außer - er bezahlt Lösegeld. Einmal ist auch passiert, dass einem Mitarbeiter der Landesverwaltung seine digitale Identität geklaut wurde und im Dark Net verkauft werden sollte. Unsere Experten haben eingegriffen und das verhindert“, erzählt Gasslitter. 

Szenen aus Spionagefilmen, die das Leben schreibt, spielen sich hinter den Kulissen des Datenzentrums ab. „Genau deshalb müssen wir gut sein und legen wir Wert darauf, unsere Daten im Land zu bewahren und zu bewachen“, sagt auch Josef T. Hofer, Direktor der Abteilung Informationstechnik und Verantwortlicher für den digitalen Wandel (RTD) des Landes Südtirol.

uli

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