Theater draußen bei den Menschen
Gleich doppelt – kulturell und sozial - wirkt die Reihe FUORI! des Teatro Stabile in Bozen. Auf dem Programm stehen Aufführungen in Seniorenwohnheimen, Werkstätten für Menschen mit Behinderung und im Gefängnis.
Kostenlos zugänglich zeigt die im Mai gestartete Theaterreihe FUORI! einmal mehr das gesellschaftliche Engagement des Teatro Stabile in Bozen, vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenwohnheimen. Neu im Programm ist das bereits aufgeführte Stück „La prima volta“ (Das erste Mal). Zudem wird das im Vorjahr vielbeachtete Stück „Il giorno più bello“ (Der schönste Tag) auf vielfachen Wunsch zwischen 23. September 2025 und 9. Januar 2026 wieder zu sehen sein. Die Aufführungen in den Seniorenheimen stehen allen Interessierten offen, um den Austausch noch weiter zu fördern.
Aus den verschiedenen partizipativen und dezentralen Theaterangeboten stechen zwei weitere Projekte des Teatro Stabile durch ihre besondere soziale Bedeutung hervor: So ist „Trasformazione In finita (di versa e in clusiva)“ eine öffentliche Theaterprobe mit Teilnehmenden eines Theaterworkshops an der Sorriso Academy, die Menschen mit Down-Syndrom und kognitiven Beeinträchtigungen unterstützt. Dann gibt es die ständigen Theater-Workshops, die innerhalb des Gefängnisses in Bozen und gemeinsam mit der Organisation AIAS, die sich für die Lebensqualität junger Menschen mit Behinderung einsetzt, stattfinden.
Durch das dezentrale und beteiligungsorientierte Theaterprogramm, das gezielt möglichst viele Menschen in Südtirol zur kulturellen Teilhabe einlädt, wird deutlich: Die Initiativen zugunsten älterer Menschen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Down-Syndrom und Inhaftierten haben einen besonderen Wert für die Gesellschaft. Das Programm wird gerade auch deshalb neben der regulären Jahresförderung durch zusätzliche finanzielle Zuschüsse des Landes unterstützt.
Theater… nicht im Theater. Großes Theater in die Spielstätten in Südtirol zu bringen, war bereits das Verdienst von Fantasio Piccoli und Marco Bernardi. Walter Zambaldi hingegen gebührt das Verdienst, Theater aus dem Theater heraus und näher zu den Menschen gebracht zu haben. „Dezentrales Theater an ungewöhnlichen Orten habe ich auch früher schon gemacht, in der Emilia-Romagna – Theater ist seit jeher im Innersten der Gesellschaft verwurzelt“, sagt der Direktor des Teatro Stabile di Bolzano. „In dieser strukturierten Form mache ich dezentrales Theater seit 2017, zwei Jahre nach Übernahme der Theaterleitung: Wir haben Seniorinnen und Senioren in Theaterkurse mit Paolo Rossi eingebunden, wir waren mit 'Pronto Soccorso Poesia' in Wohnanlagen, haben Shakespeare in Bars gebracht und ständige Workshops im Gefängnis Bozen und im Thuniversum in Bozen etabliert – mit dem Ziel, Theater als Instrument zu nutzen, nicht als Selbstzweck“, erzählt Zambaldi.
Über „La prima volta“ schrieb eine lokale Zeitung, dass Theater oft als etwas „für Alte“ gelte. Die Projekte des Teatro Stabile werden auch mit älteren Menschen gemacht, und zwar mit Wertschätzung: Dank der Arbeit der Journalistin Maddalena Ansaloni und des Comiczeichners Armin Barducci wurden die Erinnerungen, Erzählungen und Lieder der Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenwohnheimen lebendig gemacht.
„Mir kam diese Idee, dann habe ich die passenden Menschen gefunden, um sie umzusetzen. Das waren Projekte, die ich schon vor meiner Zeit in Bozen im Kopf hatte – sie warteten auf die richtigen Autoren und Autorinnen und die Darstellenden“, erzählt Zambaldi. „Zeitgenössisches Theater bedeutet, in die soziale Wirklichkeit einzutauchen – dafür sind Stadttheater da. Zuerst haben wir das Material gesammelt, und dann gibt das Theater die Geschichten von Menschen, die Einsamkeit erleben, zurück und im Theater entdecken sie – gemeinsam mit Angehörigen – eine neue Form des Miteinanders. Es ist ein Theater, das tröstet“, betont der Direktor.
„Sterne“ hinter Gittern, Inhaftierte als Zuschauer. Mit dem neuen FUORI!-Programm kehrt das Teatro Stabile auch mit einem ständigen Workshop und Vorstellungen in das Bozner Gefängnis zurück. Zambaldi: „Wir haben große Künstler wie Stefano Accorsi und Manuel Agnelli ins Gefängnis gebracht: Sie haben mit offenem Herzen zu den Inhaftierten gesprochen und ihnen gezeigt, dass es nie zu spät ist, einen neuen Weg einzuschlagen. Und wir haben die Inhaftierten ins Theater gebracht, denn Theater ist für alle da. Das Theater der Pailletten und Glitzerkleider ist ein überholtes Konzept – wenn es aber jemand so erleben möchte, ist auch das in Ordnung.“
„Während einer Aufführung im Gefängnis wurde ein Inhaftierter zur Entlassung gerufen. Er bat darum, die Aufführung zu Ende sehen zu dürfen - was nicht möglich war. Am Abend war dasselbe Stück im Kulturzentrum Trevi in Bozen zu sehen – und er kam hin, um es sich anzusehen“, erinnert sich der Direktor.
Die Aufführungen in Seniorenwohnheimen, die Workshops im Gefängnis in Bozen und mit Menschen mit Beeinträchtigung sind Initiativen, die die Lebensqualität verletzlicher Gruppen verbessern sollen, also ein Theater, das doppelt wertvoll ist: kulturell und sozial. Und die Wirkung ist spürbar. „Theater ist ein soziales Werkzeug und ein Mittel zur persönlichen Entwicklung. Das Ergebnis ist immer eine positive Entdeckung, denn wer dem Theater begegnet, kann sich seiner Faszination nicht entziehen“, erklärt Zambaldi.
mdg (san)
Bildergalerie
Andere Artikel aus diesem Themenbereich
Sie finden uns hier
Socials
Abonnieren
Jede gedruckte Ausgabe: Kostenlos in Ihrem Briefkasten
Stets informiert per Newsletter: Keine Online-Ausgabe verpassen
AbonnierenRedaktion
Presserechtlich verantwortlich:
Margit Piok (pio)
Koordination:
Monika Pichler (mpi), Maurizio Di Giangiacomo (mdg)
Redaktion:
Maja Clara (mac), Elisa Egidio (ee), Carmen Kollmann (ck), Thomas Laconi (tl), Gabriel Marciano (gm), Ursula Pirchstaller (pir), Angelika Schrott (san), Katharina Trocker (kat).
Kontakt
44. Agentur für Presse und KommunikationLandhaus 1, Silvius-Magnago-Platz 1
39100 Bozen
Tel. +39 0471 41 22 10

