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Über 75 Jahre paritätisches Schulmodell

23.05.2024

In den vergangenen mehr als 75 Jahren haben sich die ladinischen Schulen zu Beispielen gelebter Mehrsprachigkeit entwickelt.

In den vergangenen mehr als 75 Jahren haben sich die ladinischen Schulen zu Beispielen gelebter Mehrsprachigkeit entwickelt. (Foto: Oskar Verant)
In den vergangenen mehr als 75 Jahren haben sich die ladinischen Schulen zu Beispielen gelebter Mehrsprachigkeit entwickelt. (Foto: Oskar Verant)

In den abgelegenen ladinischen Dolomitentälern stand die Schule schön früh im Spannungsfeld zwischen italienischem und deutschem Nationalismus und wurde kontrovers diskutiert - die Rechte und Bedürfnisse der kleinen ladinischen Minderheitwurden dabei weitgehend außer Acht gelassen. 

Ein erster Entwurf für eine paritätische ladinische Schule stammt von einer Gruppe von Bürgern aus Schule und Verwaltung, die sich 1945 in Pikkolein zusammengesetzt hatten, um eine Lösung für die besonderen Anliegen der ladinischen Schule zu finden. Am 27. August 1948 wurde die Verordnung vom italienischen Minister Guido Gonella veröffentlicht, mit der das paritätische Schulmodell der Grundschule in Gröden und im Gadertal geboren wurde. 

Beim paritätischen Modell, das in den Schulen der ladinischen Tälern zum Tragen kommt, wird ein Teil der Unterrichtsfächer auf Deutsch unterrichtet, der andere Teil auf Italienisch. Erst nach 1948 wurde Ladinisch in den Unterricht aufgenommen. Anfangs waren es nur wenige Wochenstunden. Dieses Schulmodell sollte ein Gleichgewicht zwischen den Unterrichtssprachen Deutsch und Italienisch schaffen und auch zur Entwicklung der ladinischen Sprache und Kultur beitragen. Der Ansatz erwies sich für die ladinische Schule als richtig: So konnte sich in den vergangenen mehr als 75 Jahren eine besondere Mehrsprachendidaktik etablieren, die zu einem hohen Kompetenzniveau bei den Schülern und Schülerinnen führte, wie Evaluationen immer wieder zeigen. 

Die paritätische Schule hat seit 1975 ein eigenes Schulamt und seit 1987 auch ein eigenes Pädagogisches Institut beide mit Sitz in Bozen. Für die Ausbildung der ladinischsprachigen Lehrer wurde 1998 an der Freien Universität Bozen eine eigene Abteilung im Rahmen der Fakultät für Bildungswissenschaften eingerichtet, mit Sitz in Brixen. Nach 2018 wurde die ladinische Bildungs- und Kulturdirektion mit ihren Abteilungen und Ämtern neu organisiert, immer mit dem Ziel den Bildungsbedürfnissen in den ladinischen Tälern zu entsprechen und passendes eigenes Lernmaterial für den mehrsprachigen Unterricht zu entwickeln. Die ladinischen Oberschulen sind derzeit die einzigen Schulen in Südtirol, die ihre Schulabgänger auf das Niveau C1 der Dreisprachigkeitsprüfung vorbereiten. 

Der ladinische Bildungslandesrat Daniel Alfreider lobt vor allem den großen Einsatz aller bisher und aktuell im Schulbereich Tätigen: „Durch ihre wertvolle Arbeit, ihren Idealismus und ihre Kreativität ist aus der ladinischen Schule das geworden was sie heute ist, ein Beispiel gelebter Mehrsprachigkeit, das junge Menschen fit für die Zukunft macht und um das wir vielerorts beneidet werden.“ 

san/dl

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