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Unsere Kultur und ihre Einflüsse

05.12.2023

Hagia Sophia in Istanbul: Die ursprünglich christliche Hallenkirche als Vorbild und Muster für den Bau vieler Moscheen. (Grafik: LPA)
Hagia Sophia in Istanbul: Die ursprünglich christliche Hallenkirche als Vorbild und Muster für den Bau vieler Moscheen. (Grafik: LPA)

Unsere Kulte und ihre Einflüsse. Auch heuer feiern wir – wie jedes Jahr – Weihnachten. Es ist eine der wichtigsten religiösen Feiern, die wir kennen und begehen. Aber bereits in der Antike, also in vorchristlicher Zeit, wurde jedes Jahr Ende Dezember der Geburt eines Kindes in Form einer religiösen Feier gedacht: Es war Teil des so genannten Mithras-Kultes. Er war im Römischen Reich weit verbreitet – auch bei uns in Südtirol. Religionen, Kulturen, Völker, Menschen haben sich immer schon gegenseitig beeinflusst. 

Hier ein paar Beispiele. 

Geburt eines Kindes. In der Antike bestanden mehrere Kulte nebeneinander. Einer davon war der Mithras-Kult. Mithras wurde als Sonnengott verehrt. Der Kult stammte ursprünglich aus Persien und verbreitete sich schließlich im gesamten Römischen Reich. Am 25. Dezember beging dieser Kult die Feier der Geburt von Mithras. Das Christentum hat dieses Datum dann im Laufe seiner Verbreitung übernommen. Auch in Südtirol wurde Mithras gehuldigt. Zeuge dieses Kultes ist ein Mithras-Altar, der in Mauls bei Sterzing gefunden wurde. Zu sehen ist dieser Mithras-Altar nun im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. 

Isis und Hl. Maria. Ein anderer Kult der Antike ist der Isis-Kult. Der Isis-Kult stammt aus dem antiken Ägypten. Die Göttin Isis wurde vor allem als himmlische Muttergestalt verehrt. Im Römischen Reich war der Isis-Kult sehr weit verbreitet. Auch in Südtirol gibt es Zeugen des Isis-Kultes, z.B. einen Weihestein für Isis aus römischer Zeit auf der Trostburg bei Waidbruck. Auf diese Verehrung der Göttin Isis gehen übrigens Elemente der Maria- bzw. Madonnenverehrung des Christentums zurück. 

Tempel und Kirchen. Der Grundriss der Tempelanlagen im antiken Ägypten besteht aus Hauptschiff, Seitenschiffen sowie einer Apsis. Ausgerichtet ist der Tempel nach Osten hin, also Richtung Sonnenaufgang. Dieser Grundriss wurde später vor allem von den Erbauern der gotischen Kathedralen in Frankreich übernommen. Die französischen Kathedralen wiederum wurden vielfach Vorbilder für weitere christliche Kirchen in ganz Europa. Somit geht der Grundriss, also der Grundaufbau, einer uns geläufigen christlichen Kirche auf ägyptische Tempel der Antike zurück. 

Kirche und Moscheen. Die Hagia Sophia in Istanbul war ursprünglich eine christliche Hallenkirche. Erst nach der Eroberung Konstantinopels, wie damals Istanbul hieß, durch die Osmanen wurde sie eine Moschee. Als Moschee war die Hagia Sophia dann in ihrer Bauart Vorbild für viele andere Moscheen. Der Baustil einer christlichen Kirche wurde somit das Muster für den Bau von Moscheen. 

Das Gemeinsame der Religionen. Religionen liegen oft näher beieinander als man denkt. Sie haben sich gegenseitig beeinflusst, über Epochen hinweg. Antiker Kult, Christentum, Islam oder auch andere Religionen haben zudem etwas grundlegend Gemeinsames – und zwar das Spirituelle. Was sie verbindet, ist der Glaube an eine höhere Macht. 

Martin Sagmeister ist Mitarbeiter in der Kulturabteilung des Landes. Er organisiert u.a. die philosophische Reihe THEMA, die Möglichkeiten zur Reflexion über Mensch und Gesellschaft bietet. 

red

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