Verwaltung, Bürokratie, Beamte – besser als ihr Ruf?
Die Begriffe „Verwaltung“, „Bürokratie“ und „Beamte“ sind häufig negativ besetzt. Aber was ist deren eigentliche Bedeutung, ihr wirklicher Sinn? Bei näherem Hinsehen wird erkennbar, dass sie besser und wichtiger sind als ihr landläufiger Ruf.
Verwalten
„Verwalten“ heißt, wortgeschichtlich, so viel wie „sorgen für“. „Sorge tragen“ fürs öffentliche Wohl. Verwaltung sind jene Tätigkeiten der Einrichtungen öffentlichen Rechts, die nicht Gesetzgebung und nicht Rechtsprechung und nicht Regierung sind. Sie sind eine wesentliche Größe in der Gewaltentrennung: Demokratien bestehen nicht nur aus Wahlen, aus Parlamenten und aus Regierungen - damit Demokratie funktioniert, sind öffentliche Institutionen, die öffentlichen Verwaltungen notwendig. Ohne Verwaltung wäre eine Regierung lahm, sie hätte keine Instrumente zur Umsetzung. Und: Das Handeln von Verwaltungen ist an Recht und Gesetz gebunden, es vermeidet Willkür und hat die Gleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger zum Ziel.
Bürokratie
Bürokratie ist zu einem regelrechten Schimpfwort geworden. Was jedoch gebrandmarkt werden soll, ja muss, ist nicht Bürokratie, sondern Bürokratismus: die Übertreibung von Bürokratie, Bürokratie zum Selbstzweck, das Unkoordiniertsein von Parallelbürokratien. Und wenn Bürokratieabbau gefordert wird, geht es um Abbau von Bürokratismus. Bürokratie nämlich ist notwendig, mit Bürokratie ist die Ausführung von Verwaltungstätigkeiten gemeint. Bürokratie ist für die Inanspruchnahme von Rechten, für das Einfordern von Pflichten, für das Funktionieren von Gesellschaften notwendig. Bürokratie ist an und für sich rational, da sachlich, und neutral, da unparteiisch, ausgerichtet. Bürokratie gewährleistet Sicherheit, Stabilität und Gleichbehandlung.
Beamte
Beamte sind die in einer Verwaltung mit den Instrumenten der Bürokratie Arbeitenden. Die Werte der Verwaltung und der Bürokratie sind auch ihre Werte, allen populistischen Verzerrungen, gleich ob aus der Politik kommend oder von den Medien kolportiert, zum Trotz. Die Ursprünge des Beamtentums liegen in den frühen Hochkulturen wie Babylonien oder Ägypten. Der Bedarf an Aufzeichnung und Buchführung – also Verwaltung – führte in der Antike zur Entwicklung der Schrift. Das Kulturgut Schrift, eine der bedeutsamsten Erfindungen der Menschheit, verdanken wir den Beamten, Beamtentum und Schrift waren Voraussetzungen für das Entstehen von Hochkulturen. In ihren Anfängen waren die Beamten dem jeweiligen Herrscher verpflichtet. Erst später – im antiken Griechenland – galt ihre Verpflichtung nicht mehr dem jeweiligen Machthaber, sondern, wie bis heute, dem Staat und dem Gesetz.
Martin Sagmeister ist Mitarbeiter in der Kulturabteilung des Landes. Er organisiert u.a. die philosophische Reihe THEMA: Sie bietet Möglichkeiten zur Reflexion über Mensch und Gesellschaft. Für nëus gestaltet Martin Sagmeister regelmäßig die Rubrik “Andersrum”.
Martin Sagmeister
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